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70. Geburtstag von Iris Berben:Vom unerforschten Leben

Iris Berben 70 ARD ZDF Altweibersommer Nicht tot zu kriegen

Zum Geburtstag zwei Filme, die vom Alter handeln: Ist das nicht eine Frechheit? Iris Berben in "Mein Altweibersommer".

(Foto: Conny Klein/ARD Degeto)

Zum Geburtstag zwei Filme, die vom Alter handeln: Ist das nicht eine Frechheit? Nein - nicht, wenn sie so hintergründig sind wie "Mein Altweibersommer" und "Nicht tot zu kriegen".

Von Claudia Tieschky

Wenn eine bekannte Schauspielerin siebzig wird und aus diesem Anlass das Fernsehen Filme mit ihr in der Hauptrolle zeigt, die vom Alter handeln, dann wäre erst einmal die Frage: Ist das nicht eine Frechheit?

Richtig Empörung über die Sender, denen zum Geburtstag von Iris Berben nichts anderes einfällt als der schwer geistesblitzartige Zugang "Alter!", kommt beim Zuschauen aber nicht auf: Weil der wunderbare ARD-Film Mein Altweibersommer nicht im Geringsten so erwartbar ausfällt wie sein leider dämlicher Titel und der ZDF-Film Nicht tot zu kriegen trotz ein paar sehr abenteuerlich montierten Handlungssträngen eine extrem schrille Note beisteuert, die sogar ein bisschen glücklich macht.

Iris Berben, die längst "die Berben" ist, hat sich den Rang als Charakterschauspielerin gegen ihr frühes Ulknudel-Image erarbeitet, ohne das Unterhaltsame zu verschmähen. Sie ist durch ihr gesellschaftliches Engagement als Person jenseits des Schauspiels glaubwürdig, und mit dem Alter ist sie bisher in der Öffentlichkeit so umgegangen, wie es sich für eine freie Frau gehört: mal so, mal so.

Sie hat also zwar mal ein Buch geschrieben mit dem Titel Älter werde ich später. Aber sie hat auf dieses Versprechen schon öfter gepfiffen und wurde lieber früher alt - für eine Rolle wie die der Protokollantin in der gleichnamigen Serie zum Beispiel. Da stürzte sie sich vor zwei Jahren mit beinah beängstigendem Ehrgeiz ins Kostüm der ergrauten Einsamen - um in der gleichen Saison auch die von Drehbuchautorin Beate Langmaack erfundene Hanne zu spielen, die auf eine Diagnose wartet, die vielleicht Krebs bedeutet, und in diesem Zustand einfach nur im Moment lebt, ein erstaunlich schwereloser Film über eine nicht mehr junge Frau.

Mein Altweibersommer

In "Mein Altweibersommer" tingelt Ebba (Iris Berben) mit einem Zirkusdirektor (Peter Mygind) an der Ostsee entlang.

(Foto: Conny Klein/ARD Degeto)

Ebba heißt nun die von Iris Berben gespielte Hauptfigur in Mein Altweibersommer (Drehbuch wieder Beate Langmaack, Regie Dustin Loose). Ebba hat eine erwachsene Tochter und bildet mit ihrem Mann Markus (Rainer Bock) ein erfreuliches Paar. Die beiden haben ein spätes Start-up gegründet und funktionieren zusammen "wie Cello und Klarinette", sagt Markus. Sie stellen Nahrung für Komapatienten her, und damit wäre die innere Notwendigkeit umrissen, um die es geht: noch mal leben, weg von der falschen Gelassenheit.

"Manchmal fühlt es sich an, als wäre ich auf dem Sprung", sagt Ebba, und das passiert dann auch - sie verwandelt sich in einem überaus poetischen Ü-60-Märchen für eine Weile in eine Bärin, in ein schönes Tier, das tanzt. Das ist zugegeben ein etwas verrückter Plot, aber viele Leute tun darin hinreißend befreiende Dinge. Ebba tingelt mit einem Zirkusdirektor der Sorte "arm, aber sexy" an der Ostsee entlang, trinkt nachts Dosenbier in den Dünen, er zeigt ihr das Sternbild "Große Bärin", und sie tanzt nach seiner Pfeife (die eine Trompete ist) und doch ganz für sich. Dafür schreibt Markus, der Betrogene und genauso Lebenssehnsüchtige, in Riesenbuchstaben "Komm zurück, Ebba!" auf einen Schiffscontainer.

Nicht tot zu kriegen

In "Nicht tot zu kriegen" hat Simone Markus (Berben, mit Murathan Muslu) eine ungeheizte Villa, einen Stalker und einen omnipräsenten Pelzmantel.

(Foto: Alexander Fischerkoesen/ZDF)

Bemerkenswert: Auch der noch weit schrillere ZDF-Film Nicht tot zu kriegen (Regie und Buch Nina Grosse nach einem Roman von Franz Dobler) steckt seine Heldin ins Fell. Simone Markus (Berben) ist ein Star seit den Sechzigerjahren, eine Prominente der Klatschpresse mit schön wilder Vergangenheit. Sie hat eine ungeheizte Villa, einen geschäftstüchtigen Sohn - und einen Stalker, der sie hasst, weil sie nicht mehr jung ist. Der Thriller dichtet Simone Markus einen Pelzmantel an, den sie buchstäblich immer trägt, auch überm Nachthemd, auch zu Gummistiefeln, sodass einem die hier oft ganz ungeschminkte Berben eher wie ein eigensinnig verkleidetes Kind vorkommt, das ihrem jüngeren und sehr muskulösen Leibwächter eindeutig seinen Platz zuweist: in ihrem Bett.

Man kann weder behaupten, dass sich die beiden Filme thematisch ergänzen, noch, dass sie sich gleichen. Vielleicht handeln sie noch nicht mal vom Alter. Sondern einfach vom noch unerforschten Leben.

Nicht tot zu kriegen, ZDF, Montag, 20.15 Uhr; Mein Altweibersommer, Das Erste, 12. August, 20.15 Uhr.

© SZ/khil
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