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Medienkolumne "Abspann":Nicht zu retten

Wulff-Prozess

Verleger Hubert Burda.

(Foto: Julian Stratenschulte/picture alliance / dpa)

Der "Focus" schafft das Kulturressort ab. Über einen Fehler.

Von Kurt Kister

Es ist schwierig geworden, im Verlagsgewerbe, gar mit Journalismus, Geld zu verdienen. Vor einigen Jahren, und mehr noch vor ein paar Jahrzehnten war das nicht so schwierig, auch wenn es nie leicht war. Weil das so war, gibt es heute noch etliche Familien, die früher im Verlagsgewerbe so viel Geld verdient haben, dass sie immer noch reich sind. Manche, natürlich ganz wenige undankbare Journalisten glauben deswegen, dass Verleger dazu neigen, aus den Hirnschalen ihrer Angestellten Champagner zu trinken.

Hubert Burda ist ein Verleger, der sehr reich ist. Und er ist ein Verleger der alten Schule, Kunstmäzen, promovierter Kunsthistoriker, einer, der sich mit Intellektuellen umgibt und der viel Geld für gute Zwecke spendet. Burda hat sich sehr intensiv mit dem Iconic Turn beschäftigt. Das ist die Erkenntnis, dass in der postmodernen Welt, nein: in der post-postmodernen Welt, die Macht und Bedeutung der Bilder jeder Art wächst, durchaus auf Kosten der Bedeutung des Worts. (Das ist jetzt wahrscheinlich zu simpel erklärt, aber schließlich haben auch lange Zeit Verleger aus der Hirnschale des Autors dieser Zeilen...)

Focus ist ein Magazin, das nicht mehr sehr gut geht. Es gehört zum Burda-Verlag, und als es 1993 von Helmut Markwort erfunden wurde, sollte es die Alternative zum Spiegel werden. Der Spiegel braucht heute keine solche Alternative mehr, weil er mittlerweile selbst Titelgeschichten über Haustiere macht. Focus war mal recht erfolgreich, hat sich aber vielleicht überlebt. In dieser Gefahr schweben manche, wie sagt man so schön, Presseorgane, darunter durchaus solche, die mal zum Gerüst der Bundesrepublik gehörten, wie der Stern.

Weil das so ist, wurde dem Focus gerade ein cultural turn verordnet oder vielleicht sollte man besser sagen: ein noncultural turn. Die Kulturredaktion, anderswo das Feuilleton genannt, wird komplett aufgelöst. Na ja, offiziell wird sie nicht komplett aufgelöst, weil das Ressort "Kultur und Leben" dem Namen nach weiter existieren wird, und was einen Namen hat, das weiß der Philosoph, existiert in gewisser Weise unabhängig von seinem materiellen Zustand. Neun festangestellte Menschen, die bisher dem Namen des Ressorts mit Texten und Bildern gerecht wurden, werden abgefunden, versetzt oder gekündigt. Zwei Redakteure sollen überbleiben als Kopf ohne Körper und "Kultur und Leben" anderweitig befüllen.

Gewiss, alle in der Branche müssen sparen, und der Stern verzichtet gerade auf eine eigene Politikredaktion. Aber leider gibt es Verlagsmanager (und auch Chefredaktionen), die nicht nur an den Ästen sägen, sondern auch den Baum nur für einen dicken Ast halten. Das, würde vielleicht auch Hubert Burda sagen, wenn der Focus nicht gerade ihm gehörte, ist ein irrational turn.

© SZ/hy
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