Debatte um Henri Nannen:NDR-Redaktion zu Gesprächen bereit

Debatte um Henri Nannen: Henri Nannen und die SS-Propaganda-Einheit "Südstern": Zwei NDR-Beiträge haben in den Archiven alte Flugblätter ausgegraben.

Henri Nannen und die SS-Propaganda-Einheit "Südstern": Zwei NDR-Beiträge haben in den Archiven alte Flugblätter ausgegraben.

(Foto: imago/teutopress)

Angehörige von Henri Nannen hatten gefordert, zwei Beiträge um die NS-Vergangenheit des "Stern"-Gründers zu ändern. Der NDR lehnt das ab, macht aber Zugeständnisse.

Von Johannes Korsche

Der NDR weist die Vorwürfe "entschieden zurück", in zwei Beiträgen über Stern-Gründer Henri Nannen die journalistische Sorgfaltspflicht verletzt zu haben, wie der Sender in einer Pressmitteilung mitteilt. Medienrechtsanwalt Christian Schertz hatte im Auftrag von Nannens Sohn Christian und der Enkel Stephanie und Jan-Oliver Nannen in einem Schreiben an den NDR gefordert, Teile dieser Recherche mit redaktionellen Hinweisen zu versehen, andere offline zu nehmen. Dem will der NDR nicht nachkommen. Allerdings sei man bereit, so heißt es weiter, die Überschrift eines Beitrags zu ändern. Das "erfolgt im Sinne eines Aufeinanderzugehens und ausdrücklich ohne Präjudiz für die Sach- und Rechtslage", schreibt der NDR. Die Redaktion habe angeboten, mit der Familie Nannen ins Gespräch zu kommen.

Den Ausgangspunkt bilden die beiden NDR-Filme Verleger-Legende Henri Nannen: Antisemitische Propaganda (Strg_F) und Nannen: Seine Rolle als Chef einer SS-Propaganda-Einheit (Zapp), der künftig "Henri Nannen - SS-Propaganda im II. Weltkrieg" heißen soll. Nannens Beteiligung an der SS-Propaganda-Einheit "Südstern", ist unstrittig. Auch seine informelle, aber führende Rolle ist mehrfach belegt - und berichtet, unter anderem im Stern, in dem 2014 über den Gründungsvater zu lesen war: "Sir Henri war der Boss". Außerdem wird Nannen in den NDR-Beiträgen mit mehreren antisemitischen Flugblättern in Verbindung gebracht, die bei "Südstern" entstanden sind und die NDR-Rechercheure nun in einem Archiv fanden. Der Beitrag liefere aber keinen Beweis für eine Beteiligung Nannens, argumentiert Schertz. Der NDR hält in der Pressemitteilung ein Nannen-Zitat dagegen, das das Gegenteil dokumentieren soll. Darin bezieht sich Nannen explizit auf Inhalt und Verbreitung eines eindeutig antisemitischen Flugblatts.

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