"Gottschalks großes Klassentreffen" auf RTL:Brutal souverän wegmoderiert

"Gottschalks großes Klassentreffen"

Thomas Gottschalk mit seinen Gästen Matthias Schweighöfer (l.) und Tom Beck.

(Foto: RTL / Max Kohr)

Bei "Back to School - Gottschalks großes Klassentreffen" muss Moderator Thomas Gottschalk seinen amüsanten Gästen dankbar sein. Ohne rechten roten Faden tröpfelt die Show dahin. Am Ende des Abends bleibt eine etwas traurige Wahrheit.

Eine TV-Kritik von Matthias Kohlmaier

Eigentlich hätte es Thomas Gottschalk bald hinter sich, wäre die Sache mit dem Rundfunk nicht passiert. Wäre er nicht erst beim Radio und später beim Fernsehen gelandet, der studierte Grund- und Hauptschullehrer, 63, stünde kurz vor der Pensionierung. Nur noch ein paar Jahre hätte er in Staatsdiensten auszusitzen. Aber Gottschalk hat die Moderatoren- der Lehrerlaufbahn vorgezogen - mit dem Ergebnis, dass er nun noch ein paar Jahre bei RTL auszusitzen hat.

Beim "Supertalent" wollte er aber nicht lange der Grüßaugust an der Seite von Krawall-Bohlen sein. Dann kam die Reunion mit seinem Kumpel Günther Jauch in ihrer mäßig spannenden Quizsendung "Die 2", auf der zweitägigen Feier des 30. Geburtstages von RTL Anfang des Jahres durfte er freilich auch nicht fehlen. Und nun hat ihm der Kölner Sender auch noch ein Showformat verpasst, in welchem er seine zu "Wetten, dass..?"-Zeiten perfektionierte Oberlehrerhaftigkeit gekonnt in Szene setzen kann.

In "Back to School - Gottschalks großes Klassentreffen" lädt Gottschalk zwei Prominente ein, die auf alte Schulkameraden treffen und ein bisschen längst verschütt gegangenes Schulwissen abgefragt werden. Also darum geht es wenigstens theoretisch. Praktisch ist das große Klassentreffen eine von gelegentlichen Werbeblöcken unterbrochene Nostalgieorgie.

"Baywatch" war schon toll

Die Gäste Matthias Schweighöfer und Tom Beck plaudern mit Gottschalk in Episode eins über die Musik von früher, der Zuseher erfährt, dass Schweighöfer 1991 mit einer Klassenkameradin geknutscht hat und Beck sich anno dazumal "bei der Nadja ziemlich wohl gefühlt hat". Außerdem fand er "Baywatch" vor 20 Jahren super. Zwischen solchen Belanglosigkeiten glänzt Gottschalk mit ein paar Altherrenwitzchen. Kleine Kostprobe zum Thema Schule: "Meine Zeugnisse sind in den Wirren des Krieges verlorengegangen." Haha.

Bitte nicht falsch verstehen, bei der Moderation als solcher macht dem gealterten Berufsblonden noch immer keiner was vor. Gottschalk hat sich durch die zahllosen Samstagabendshows eine so brutale Souveränität zugelegt, er würde ein Format wie "Back to School" zu jeder Tages- und Nachtzeit und auf einem Bein stehend wegmoderieren. Das ist nicht besonders aufregend, aber immerhin geht so der Abend einigermaßen flott rum.

"Ich habe allen Grund, mich bei euch zu bedanken"

So fällt auch kaum auf, dass es der Show mit ihren ständigen Wechseln zwischen Couchplaudereien, kurzen Raterunden und sonstigen Einlagen gar so sehr an einem roten Faden mangelt. Halbwegs amüsant gestaltet sich die Sendung nur durch die sehr bemühten und zu jedem Schabernack bereiten Schweighöfer und Beck. Das weiß auch Gottschalk zu würdigen und moderiert schließlich, seinen Gästen zugewandt, folgendermaßen ab: "Ich habe allen Grund, mich bei euch zu bedanken."

Warum sich Gottschalk all das bei RTL noch antut, die Frage hat auch dieser Abend nicht beantworten können. Denn eigentlich, ja, eigentlich könnte Thomas Gottschalk doch auch ohne Pensionsansprüche an die Staatskasse gemütlich in Rente gehen. Da er darauf aber ganz offenbar keine Lust hat, wird er die Sache noch so lange aussitzen, bis RTL einen Besseren für derlei Jobs gefunden hat. Denn die etwas traurige Wahrheit lautet: Der Gottschalk der Gegenwart steckt die meisten Show-Moderatoren-Kollegen dieses Landes noch immer locker in die karierte Sakkotasche.

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