"Show Me a Hero" auf Sky Da ist kein Held, nirgends

Mit Populismus zum Erfolg und wieder zurück: Oscar Isaac als Nicholas Wasicsko in Show me a hero.

(Foto: Paul Schiraldi)

Die Miniserie "Show Me a Hero" wirkt brennend aktuell, obwohl sie vor einem Vierteljahrhundert spielt. Denn noch immer herrscht überall Fremdenhass.

Von Benedikt Frank

Bürgermeister der Stadt Yonkers im amerikanischen Bundesstaat New York zu sein, hatte Nick Wasicsko sich einfacher vorgestellt. Mit 28 wird er Ende der 1980er-Jahre ins Amt gewählt, obwohl er als Außenseiter angetreten ist. Seine Strategie: reiner Populismus. Die weiße Mittelschicht ist gegen den Bau von Sozialwohnungen für Schwarze in ihren Vierteln, Wasicsko (Oscar Isaac) hatte gegen dieses Vorhaben gestimmt und versprochen, Widerstand gegen das Projekt zu leisten.

Doch noch bevor er den Eid schwört, wird er mit der Realität konfrontiert: Er hat nichts zu entscheiden, die Gerichte haben die Stadt längst zum Bau verpflichtet. "Where you gonna hide when the people find out that you lied?" klingt Steve Earles Country-Song im Abspann der Pilotfolge nach.

Die Miniserie erinnert stark an The Wire

Die sechsteilige Miniserie Show Me a Hero von HBO erinnert mit fast dokumentarisch anmutenden Szenen aus den amerikanischen Projects, den schwarzen Armenvierteln, stark an The Wire. Kein Wunder: David Simons, der die in Baltimore spielende hochgelobte Polizeiserie schuf, ist auch hier Showrunner, Produzent und Drehbuchautor. Als Regisseur hat er Paul Haggis engagiert, der seinen Film L.A. Crash ebenfalls thematisch dem Rassismus widmete.

Doch der Alltag in den schwarzen Stadtteilen ist in dieser Produktion eher Nebenhandlung, immer wieder ins Geschehen drängender Kontrast zum weißen, bürgerlichen Kleinstadt-Milieu. Im Zentrum steht auch nicht wie bei The Wire die Kriminalität, sondern der politische Prozess. Im Vergleich zu Netflix' großer Polit-Serie House of Cards wird dieser angenehm unaufgeregt, ja geradezu bürokratisch alternativlos dargestellt.

Show Me a Hero versucht reale Konflikte darzustellen

Die Spannung kommt demnach auch nicht daher, dass man als Zuschauer den waghalsigen Schachzügen eines machtbesessenen Kongressabgeordneten folgt. Stattdessen versucht die Serie, die realen Konflikte darzustellen. Dazu passt, dass die Vorlage kein Roman ist, sondern das gleichnamige Sachbuch von Lisa Belkin.

Dass die konkreten gesellschaftlichen Kämpfe, die hier gezeigt werden, ein Vierteljahrhundert alt sind, macht sie nicht weniger relevant für die Gegenwart, in der nach wiederholten Fällen von Polizeigewalt gegen Schwarze wieder mehr über Rassismus diskutiert wird. Auch hierzulande ist das Thema aktuell: In Yonkers demonstrieren die Bürger vor dem Rathaus gegen die Baupläne; auch drinnen stören sie jede Stadtratssitzung mit aufgebrachten Rufen.

Er hetzt gegen den Neubau der Sozialwohnungen: Alfred Molina spielt in Show me a hero einen Ex-Polizisten und Politiker.

(Foto: Paul Schiraldi/HBO)

Vor allem Fremdenhass wird thematisiert

In Deutschland empören sich Bürger über Flüchtlingsunterkünfte und Asylbewerber in ihrer Nachbarschaft. Die beschwörungsartigen Parolen der Menschen sind die gleichen: wenn Fremde kommen, werde die Gemeinschaft gestört, die Kriminalität steige und der Wert ihres Eigentums sinke, sagten sie 1988 in Yonkers, sagen sie heute auch hierzulande. Dort marschierte der Ku-Klux-Klan mit, hier die Neonazi-Kameradschaften.

Die Politik weiß derweil zwar, dass sie sich arrangieren muss, aber die Spirale des Populismus hat sich längst in Gang gesetzt. Als Nick Wasicsko einsieht, dass es naiv war, den Wählern nach dem Mund zu reden, steht schon der nächste Politiker bereit, der sich der rassistischen Meute nun noch stärker anbiedert. "Zeig' mir einen Helden", bedeutet der Serientitel, "und ich schreibe dir eine Tragödie", geht das Zitat von F. Scott Fitzgerald weiter, auf das der Titel anspielt. Aber da ist kein Held, nirgends.

Show Me a Hero, sechs Folgen, von Montag an auf Abruf bei Sky.