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Fernsehen:Eine Stadt sucht keinen Mörder

Auf Wahrheitssuche: Metej Andel, Lucia Siposova und Marek Němec.

(Foto: Arte/Ceska Televize)

Mit "Mord im Böhmerwald" zeigt Arte erstmals eine tschechische Serie. Die ist nicht nur hochspannend, sondern zugleich das Porträt einer zerrissenen Gesellschaft.

Von Clara Lipkowski

Es ist grau in Buchnov, und es wird auch nie wirklich hell. Die tschechische Kleinstadt wirkt wie gelähmt, und die Bewohner bewegen sich dort wie im Kreis, keiner kommt so recht voran. Vier Monate zuvor wurde hier ein Mann gelyncht. Niemand spricht darüber, auch nicht - oder erst recht nicht - als der neugierige Dokumentarfilmer Lukas aus Prag nach Buchnov kommt und viele Fragen stellt.

Die Szenerie der achtteiligen Arte-Serie Mord im Böhmerwald wirkt von Anfang an wie ein Sog. Da ist das Rätsel des Mordes, doch schnell stellt sich heraus: Es geht zwar vordergründig um den Hergang der Tat, aber die eigentlichen Themen sind Rassismus und die Spaltung der tschechischen Gesellschaft.

Roma leben in Tschechien oft prekär, werden ausgegrenzt, angefeindet. So auch in Buchnov, wo man einen von ihnen aufgehängt hat und Journalist Lukas nicht mehr locker lässt.

Sechs junge tschechische Drehbuchautoren haben mit dem US-amerikanischen Serienautor Harold Apter und einem Berater der Roma-Minderheit die Geschichte sehr stimmig erzählt. Auftritte haben darin tschechische Schauspielstars wie Zuzana Stivínová als Bürgermeisterin und Pavel Kříž als deren Ehemann und Dorfdoktor. Besonders gut: Jiří Roskot, der den gleichnamigen Jiří spielt, der unter Mordverdacht gerät.

Die Spannung zwischen den einzelnen Folgen und die Aufklärung des Mordfalls hält bis zum Schluss. Allerdings will die Serie viele Erzählstränge unterbringen, zu viele, wie sich letztlich herausstellt.

Da ist ein Missbrauchsfall, der totgeschwiegen wird. Und eine Apothekerin, mit Verbindungen nach Deutschland, der es angeblich nur ums Geld geht. Es geht um Ehezwist und Ehebruch, um geheimen Handel mit verbotenen Waren und um die unrühmliche Vergangenheit des Journalisten, die sein ganz eigenes Interesse daran offenbart, den Mordfall aufzuklären.

Nach und nach verdichtet sich vieles davon zu einem Mosaik. Aber nicht alle Stränge werden am Ende stimmig zusammengeführt. Und dann ist da noch die Synchronisation, die einige Dialoge gestelzt und hölzern wirken lässt, sodass man den Charakteren nicht immer nahe kommt. Und dass sich das Dorf in ein- und derselben Kneipe trifft, wirkt kammerspielartig aufgesetzt.

Dennoch überzeugt die erste tschechische Arte-Serie mit einem schonungslosen Blick auf die Menschen. Es bleibt das unbehagliche Gefühl, dass Menschen, die eigentlich in der Lage dazu wären, gegen Rassismus aufzustehen, es nicht oder nur zaghaft tun. Und wenn, dann nur wenn sie selbst betroffen sind.

Mord im Böhmerwald, Arte, 1. und 8. August, ab 21 Uhr, je vier Folgen. Online bis 7. September.

© SZ vom 01.08.2019
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