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RTL-Dschungelcamp 2018:Tag zehn im Dschungel: Ansgars Abgang

Dschungelcamp 2018: Ansgar Brinkmann verlässt das Camp

Ex-Fußballer Ansgar Brinkmann nimmt sich selbst aus dem Spiel.

Ex-Fußballer Ansgar Brinkmann ruft: "Ich bin ein Star, holt mich hier raus!" Und rettet RTL damit an einem mauen Tag die Quote.

Thema des Tages: Die Welt ist ein Jammertal. Da fährt RTL seit Tagen das komplette Arsenal an Quälereien auf, die das Format in elfeinhalb Staffeln erprobt hat - und was passiert? Nichts. Klar, es gibt Zoom-Bilder von zerstörten Gesichtern und jede Menge Nörgeleien. "Ich hab' 'nen brutalen Tiefpunkt." / "Ich bin komplett abgefuckt gerade." / "Ich hasse den Laden hier." / "Was für eine Schikane." Aber für einen gelungenen Spannungsbogen braucht es mehr als nur Tiefpunkte. So sehr sich der Sender bemüht, die Highlights an Tag zehn sehen so aus: Regen, der auf tropisches Grün tropft. Ein nicht identifizierbares Tier, das nachts durchs Camp huscht. Und Daniele Negroni, der seine erste Zigarette nach Tagen des unfreiwilligen Entzugs raucht.

Daniele sagt: "Das war der Kick schlechthin, traumhaft, das war ein innerlicher Orgasmus gerade." Als Zuschauer fühlt man mittlerweile gar nichts mehr beim Gucken, außer dem Jucken der Erdnussflips-Krümel im Ausschnitt. Kann nicht mal wieder jemand das Camp verlassen? So richtig dramatisch, mit androhen, zurückzucken und dann doch durchziehen?

Tragende Rolle: der Retter der RTL-Quote, dargestellt von Ex-Fußballer Ansgar Brinkmann. Für ihn ist aggro keine Attitüde, sondern eine Lebenseinstellung. Als der Sender ihm eine Strafe aufbrummen will, weil Ansgar sein Mikrofon zwischenzeitlich nicht getragen hat, reagiert Ansgar so, wie er es schon oft getan hat in seiner Karriere: mit einem Abgang, den Mariah Carey nicht divenhafter auf die Bühne brächte. Erster Akt: Möglichst arrogant rüberbringen, dass man diesen ganzen Scheiß überhaupt nicht nötig hat ("Langweilt mich. Abfahrt!"). Zweiter Akt: Sich von den Mitcampern beknien lassen, doch bitte, bitte dazubleiben (David Friedrich: "Du bist ein Kämpfer!"). Dritter Akt: Vorgeben, man würde noch mal in sich gehen ("Ich muss atmen können"). Finaler Akt: Longboard nehmen und gehen.

Diesen Mann konnten 39 Fußballtrainer nicht zähmen. Wer mit Stolz behauptet: "Ich konnte mit Abmahnungen mein Haus tapezieren", der lässt sich auch von RTL nichts sagen! Na ja, außer natürlich den entscheidenden letzten Satz: "Ich bin ein Star, holt mich hier raus!"

Für die TV-Annalen: "Was ist denn jetzt wieder los gewesen? Ich krieg' überhaupt nichts mehr mit", beschwert sich Schlagersängerin Tina York. Sie hat den Auftritt von Ansgar Brinkmann komplett verschlafen.

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Von Freitag an wird die Sendung wieder Kneipengespräch sein. Ob man will oder nicht, man wird sich dazu äußern müssen. Diese Sätze können Sie sich dafür merken.

Und die Dschungelprüfung? Passt zum Rest des Tages. Das Spannendste ist noch David Friedrichs trotziges: "Ich sag' bestimmt nicht, was mich erschrecken würde. Wenn's mich erschreckt, erschreckt's mich." Er hätte sich keine Sorgen machen müssen - diese Dschungelprüfung ist für Bluthochdruck-Patienten bedenkenlos empfehlenswert. David muss in einem Plexiglaszylinder Türchen aufschrauben, während sich der Zylinder mit Wasser füllt. Zehn langsam verstreichende Minuten lang. Zwischendurch fragt Moderatorin Sonja Zietlow: "Und biste jetzt in the flow?" Das Wasser plätschert, der Rest ist Reality-TV-Ödnis.

Ergebnis: null Sterne (David hat es nicht geschafft, in der vorgegebenen Ewigkeit alle Türchen zu öffnen). Stattdessen Trostpreis-Rhetorik von den Moderatoren. Daniel Hartwich: "Das war knapp." Sonja Zietlow: "Das war mega knapp."

Worüber wurde am Lagerfeuer gesprochen? Über die Pflegekrise. Also die ganz persönliche von Matthias Mangiapane. Ein Jahr lang kümmerte er sich um seine demente Schwiegermutter. Und ist im Rückblick erstaunt über sich selbst: "Ich hätte nie gedacht, dass ich einen Menschen in dem Sinne pflegen kann, dass ich Windeln wechsle und ihn wasche."

Bevor Sie jetzt denken: "Huch, Niveau und Tiefe!" - RTL ist beim Casting gründlich, auch diese Geschichte hat eine Pointe, die ins Programm passt. Einen Teil der Asche seiner Schwiegermutter hat Matthias mit ins Camp genommen: Sie befindet sich in einem Anhänger, den er an einer Kette um den Hals trägt.

Moral der Geschichte? "Wir sind reich, weil wir gesund sind. Alles andere ist Luxus", sagt Ansgar Brinkmann. Und beweist damit ein letztes Mal, warum er zu Recht beinahe eine eigene Kategorie in dieser TV-Kritik bekommen hätte. Aber so eine Rubrik muss man sich eben auch durch Beständigkeit verdienen. Wer hat noch mal gesagt: "Aufgeben ist ein bisschen wie sterben"? Ach ja, Ansgar Brinkmann.

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