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Dokureihe von Steven Spielberg:"Du warst als kleiner Junge schon böse"

Warum wir hassen

Szene aus "Warum wir hassen": ein Anhänger der Alt Right-Bewegung trifft auf einen Gegendemonstranten im August in Portland.

(Foto: ZDF und getty images/Stephanie Keith)
  • Die Dokureihe "Warum wir hassen" von Steven Spielberg und Dokumentarfilmer Alex Gibney erforscht die Ursprünge von Hass - und ist ab Sonntag bei ZDF info zu sehen.
  • In sechs Teilen zeigt die Serie anhand von Experteninterviews und Videomaterial auf, dass Hass universell und weltweit verbreitet ist.
  • Die Schlussfolgerung ist fast schon naiv: wir müssen alle mehr miteinander reden.

An seine Stimme könne sie sich erinnern, sagt eine alte Dame auf der Straße. Und: "Du warst als kleiner Junge schon böse." Frank Meeink, als Kind vom Stiefvater geschlagen und gedemütigt, fand früh Anschluss in die rechtsextreme Szene Philadelphias, ließ sich ein Hakenkreuz in den Nacken tätowieren und sagte in einer TV-Show, er würde für seine eigene Rasse sterben, wenn es sein muss.

Für die Dokureihe Warum wir hassen kehrt Meeink zurück in die Straßen Philadelphias, wo er aufgewachsen ist, wo sein Hass wuchs. In sechs Teilen spüren der Hollywood-Regisseur Steven Spielberg und der Oscar-prämierte Dokumentarfilmer Alex Gibney der Frage nach, ob Hass genetisch veranlagt ist, und was passieren muss, damit sich Menschen radikalisieren. In einem CBS-Interview sagt Spielberg über das Projekt: "Es war zwingend."

In der ersten Folge analysieren Ethnologen Hass, die mit Schimpansen und Bonobo-Affen arbeiten. Die zweite Folge zeigt rivalisierende Fußballfans von Arsenal und Tottenham, US-Aktivisten der Republikaner und Demokraten und verfeindete Israelis und Palästinenser. Was klar wird: Hass ist universell und weltweit verbreitet - vom Sport über Straßenverkehr bis in die Politik.

Die vierte Episode ist Menschen wie Frank Meeink gewidmet. Abwechselnd lassen die Filmemacher Wissenschaftler, Journalisten und Betroffene zu Wort kommen, mischen Originalaufnahmen mit Handyvideos und Archivmaterial und beleuchten das Phänomen, ohne sich auf eine Seite zu schlagen. Man sieht die Anekdote Frank Meeinks aus der TV-Show, in der er damals mit kahlgeschorenem Kopf saß. Ähnlich beklemmend ist es, wenn Jesse Morton von seiner Vergangenheit als Dschihadist erzählt. Rechtsradikale und Islamisten haben, wie es eine Extremismusforscherin im Film betont, ein gemeinsames Narrativ: "Unser Weg oder kein Weg." Keine Kompromisse. Diese Haltung werde zunehmend populär. Momentan kämen Ideologien zurück, von denen man gehofft habe, sie seien überwunden, so Forscherin Sasha Havlicek. Oberstes Ziel extremistischer Gruppen sei die Spaltung der Gesellschaft. Nur bleibt die Expertin vage, wie man dem entgegentreten könne: "Wir brauchen glaubhafte Stimmen." Dabei kann die Dokureihe nicht über ein Manko hinwegtäuschen: dass auch gesellschaftliche, strukturelle oder ökonomische Zwänge Hass auslösen können. Da wirkt die Schlussfolgerung, aufeinander zu zugehen und miteinander zu reden, die etwa Frank Meeink formuliert, fast naiv. Vielversprechender klingt eine andere Botschaft, die wissenschaftliche Experimente in der ersten Folge belegen und die Spielberg selbst im CBS-Interview betont: "Wir können Hass auch verlernen."

Und dann sitzen zwei an einem Tisch: der einstige islamistische Extremist Morton und Jason Kessler, der 2017 in Charlottesville den Aufmarsch "Vereinigt die Rechte" organisiert hat, dort erschienen Anhänger der Alt-Right-Bewegung, Neonazis und Mitglieder des Ku-Klux-Klans. Morton fragt Kessler, was er gedacht habe, als ihn ein ehemaliger Dschihadist kontaktierte. Kessler sagt: "Ich war offen, weil ich den Eindruck hatte, du interessierst dich ernsthaft für mich."

Warum wir hassen, ZDF info, Teile eins und zwei, Sonntag, 20.15 und 21 Uhr; Teil drei am 11. November, 20.15 Uhr; Teil vier am 12. November, 22.30 Uhr; Teil fünf am 13. November, 20.15 Uhr und Teil sechs am 18. November, 20.15 Uhr; außerdem Teil vier im ZDF am 12. November 20.15 Uhr.

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