Serie "Dogs of Berlin" Und am Ende brennt Berlin

Und Action: Antonio Wannek (3.v.l.) und Felix Kramer auf Tätersuche.

(Foto: Stefan Erhard/dpa)
  • In Dogs of Berlin sollen zwei höchst unterschiedliche Ermittler den Mord an einem Fußballspieler aufklären.
  • Die Netflix-Serie spielt in Berlin und ist unter anderem mit Fahri Yardim, Felix Kramer, Anna Maria Mühe und Katrin Sass besetzt.
  • Dogs of Berlin ist action- und temporeich, leider aber auch voller Klischees.
Von Kathrin Hollmer

Hass macht nicht vor Spielplätzen Halt. Die blasse Frau im Anorak zieht einen dunkelhaarigen Jungen von der Rutsche und sagt zu ihren Enkeln: "Ihr lasst euch doch nicht den Platz wegnehmen von diesen Kuffnucken." Eva - natürlich heißt sie Eva - Grimmer, Nebenfigur in der zehnteiligen Serie Dogs of Berlin , erinnert schmerzlich an den Rechtsruck im realen Deutschland.

Das ist das Setting der zweiten deutschen Netflix-Produktion nach Dark. Dogs of Berlin ist ein Polizeidrama, die Ausgangssituation ist klassisch. Zwei Ermittler arbeiten wider Willen zusammen: der Ostberliner Polizist Kurt Grimmer (Felix Kramer), spielsüchtig, Ex-Mitglied einer Neonazigruppe. Seine Mutter Eva und sein Bruder sind noch aktiv. Und Erol Birkan (Fahri Yardim), deutsch-türkischer Drogenfahnder, der hinter dem libanesischen Drogen-Clan von Tarik-Amir her ist, der die Kaiserwarte kontrolliert, wo Birkan aufgewachsen ist. Grimmer ist korrupt, Birkan will Gerechtigkeit. Beide legen die Gesetze großzügig aus, um zu kriegen, was sie wollen.

Das Personal: Ein ermordeter Fußballer, ein korrupter Ermittler und einer für die Quote

Als ausgerechnet einen Tag vor dem WM-Qualifikationsspiel gegen die Türkei ein deutsch-türkischer Fußballnationalspieler ermordet aufgefunden wird, sollen die beiden die Ermittlungen leiten. Grimmer, weil er sie an sich reißt und mit dem Insiderwissen eine Wette auf einen Sieg der Türkei platziert, um Schulden loszuwerden. Birkan, weil die Polizeipräsidentin auf einen türkischen Ermittlungsleiter besteht - für die Publicity.

Christian Alvart, Serienschöpfer, Autor, Regisseur und Co-Produzent über die eigene Produktionsfirma Syrreal Entertainment in Personalunion, inszenierte auch die Tatorte mit Til Schweiger. Dogs of Berlin ist seine erste Serie. Die Idee dazu soll er bereits 2009 gehabt haben. 4 Blocks , die mehrfach ausgezeichnete Überfliegerserie von TNT über kriminelle Clans in Berlin, kam ihm 2017 allerdings zuvor. Dogs of Berlin ist nun ebenso düster und roh in Sprache und Gewalt, erreicht aber nicht den Flow und das Kultpotenzial der Dialoge von 4 Blocks, wenigstens in den ersten vier Folgen, die vorab zu sehen waren. Dogs of Berlin ist radikal, action- und temporeich. Am Ende stören die ständige Überinszenierung, die Klischees. Dabei machte Produzent Siggi Kamml selbst gern den Vergleich auf zu Breaking Bad und The Wire. Seine Serie ist eher 4 Blocks mit den Mitteln eines Schweiger-Tatorts und mit einer zu großen Vorliebe für dramatische Kamerafahrten sowie Zooms in Gesichter der Protagonisten. 4 Blocks macht Gangster zu Ikonen, Dogs of Berlin ist dennoch unrealistischer. Für mehr Street Credibility soll dann in weiteren Folgen Rapper Haftbefehl auftauchen.

Bereits die ersten Sekunden der Serie deuten darauf hin, dass am Ende Berlin brennt. Bis dahin ermitteln Grimmer und Birkan unter Neonazis, Fußballfans, der Wett- und der Drogenmafia und der Familie des toten Fußballers, die nicht wollte, dass ihr Sohn für die Deutschen spielt.

Trotz des männlich dominierten Casts faszinieren vor allem die Frauen. Anna Maria Mühe als Grimmers Geliebte und Sozialhilfeempfängerin, mit ungewaschenen Haaren und geklebten Fingernägeln, die bei einer Telefonsexhotline jobbt und den Kindern Butterkekse mit Kakao zum Frühstück gibt, ist grandios. Als Vorbereitung verbrachte die Schauspielerin, die schon Beate Zschäpe in Mitten in Deutschland: NSU verkörperte, einen Tag in einem Berliner Arbeitsamt. Katrin Sass als rechte Oma ist angsteinflößender als alle Gangster und Neonazis zusammen. Doch das ist nichts gegen eine Oma, die ihren Enkeln im Zoo erklärt, dass es Arten gebe, "die verdienen zu sterben". Immer dann, wenn es nicht um Möchtegern-Gangster geht, ist Dogs of Berlin am stärksten.

Dogs of Berlin, auf Netflix.

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