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Serien:Wenn Puppen morden

Dark Crystal Netflix Dunkler Kristall

Echte Puppen in echten Kulissen: Die Netflix-Serie "Der Dunkle Kristall: Ära des Widerstands" hat etwas zauberhaft Analoges.

(Foto: Kevin Baker/Netflix)

Mit "Der Dunkle Kristall: Ära des Widerstands" veröffentlicht Netflix eine unwahrscheinliche Serie: Ein Puppenspiel für Erwachsene - und eine Hommage an den großen Jim Henson, den Erfinder der "Muppets".

Gefragt, auf welches seiner Projekte er am stolzesten sei, nannte der große Puppenmeister und Erfinder der "Muppets", Jim Henson, ein Werk, das wohl kaum einer gesehen hat: "Der Dunkle Kristall", eine düstere Fantasysaga aus dem Jahr 1982, die nichts mit dem fröhlichen Anarchismus von Kermit dem Frosch oder Miss Piggy gemein hat. Sie erzählt die Geschichte von Jen - ein elfenartiges Wesen aus dem Stamm der Gelflinge - der den verwüsteten Planeten Thra vor der Herrschaft der bösartigen Skekse retten will. Einen "verwässerter J.R.R. Tolkien" schimpfte die New York Times den Film damals, was wohl daran lag, dass Henson in seinem technisch ambitionierten Versuch, ein bildgewaltiges Epos in einem Puppenspiel zu erzählen, das Drehbuch etwas vernachlässigte. Ein Fehler, den das nun von Netflix produzierte Prequel Der Dunkle Kristall: Ära des Widerstands nicht wiederholt.

Die zehnteilige Serie, erdacht von Hensons Tochter Laura und dem Regisseur Louis Leterrier, erzählt die Vorgeschichte der Saga. Thra ist vordergründig noch ein friedlicher Ort, doch im Geheimen braut sich das Unglück zusammen. Die von den Bewohnern des Vielvölkerstaates noch als Herrscher akzeptierten Skekse nutzen ihre gutgläubigen Untertanen schamlos aus. Um sich unsterblich zu machen, experimentieren sie an hilflosen Kreaturen und gefährden die Quelle allen Lebens auf dem Planeten, den titelgebenden dunklen Kristall. Nur drei widerständige Gelflinge lehnen sich dagegen auf.

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"Der Dunkle Kristall: Ära des Widerstands" ehrt den "Muppets"-Erfinder Jim Henson mit einem Fantasy-Puppenspiel. Die dritte Staffel "Tote Mädchen lügen nicht" ist eine brutale Version von TKKG.

Ein großes Übel, das eine Welt befällt, ein Heiligtum, das beschützt werden muss und eine Myriade an Völkern - von den geierartigen Skeksen über die feenhaften Gelflinge bis zu den putzige Podlingen: Die Parallelen zu "Herr der Ringe" und Game of Thrones sind nicht zu übersehen in Ära des Widerstands. Und doch sprengt die Serie die Sehgewohnheiten. Kein einziger Mensch ist hier zu sehen und die 180 auftretenden Figuren sind nicht etwa computeranimiert, sondern wurden von Puppenspielern in mühsamer Kleinstarbeit durch Filmsets bewegt. Das wirkt zunächst merkwürdig theatralisch und die schnörkeligen Baumstämme und das sanfte Abendlicht helfen sicherlich nicht, den Eindruck der etwas verkitschten Achtzigerjahre-Anmutung zu entkräften.

Doch wer sich einmal auf die Ästhetik einlässt, erlebt den Zauber des Analogen. So kunstfertig das Ganze inszeniert ist, so spürbar bleibt doch, dass es sich hier um ein Spiel mit echten Puppen in echten Kulissen handelt. Die warme Lebendigkeit, die so entsteht, wird verstärkt durch die liebevoll charakterisierten Figuren: Die schrullige Muttergöttin, die die Machtübernahme ihres Planeten verschlafen hat, die vorlaute Gelfling-Prinzessin, die von einem Fettnäpfchen zum nächsten stolpert, der unbeholfene Podling, der mit einem Kochlöffel bewaffnet zum Krieger aufsteigen will. Verglichen mit dem Original ist die Neuauflage um einiges witziger und dynamischer. Den Kern von "Der dunkle Kristall" (und die Basis jeder guten Fantasy-Erzählung) behält die Serie jedoch bei: Sie erschafft eine Welt, deren Gesetze man bereitwillig akzeptiert, so aberwitzig sie auch sein mögen.

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