Arte-Serie "Das Seil":Der Wald schlägt zurück

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Arte-Serie "Das Seil": In "Das Seil" finden Wissenschaftler in der Nähe ihres Forschungszentrums zufällig ein Seil. Eine Gruppe bricht auf, um herauszufinden, wohin es führt.

In "Das Seil" finden Wissenschaftler in der Nähe ihres Forschungszentrums zufällig ein Seil. Eine Gruppe bricht auf, um herauszufinden, wohin es führt.

(Foto: Les Films de l'instant / G. Chekaiban /Arte)

Die Arte-Serie "Das Seil" handelt vom menschlichen Zwang, den Dingen auf den Grund zu gehen. Über ein merkwürdiges Stück Fernsehen.

Von Aurelie von Blazekovic

Satellitenschüsseln ragen aus einer endlosen Waldlandschaft, der Wissenschaftler Bernhardt raucht eine Pfeife und spaziert ein wenig um die Sternwarte, die er seit 15 Jahren leitet, da sieht er es: das Seil. Im dichten Laub liegt das lose Ende, Bernhardt hebt es auf, macht ein paar Schritte, findet keinen Ursprung. Zack, plötzlich peitscht ihm ein Ästchen ins Auge, Blut fließt. "Idiot," murmelt er zu sich selbst und kehrt durch den Wald zurück zur Forschungsstation.

Dabei hätte er es belassen, das Seil Seil sein lassen können. Doch so funktioniert der Mensch nicht, er will die Dinge um jeden Preis verstehen. Davon handelt die Arte-Serie "Das Seil".

Einen Teil der Forschergruppe lässt die Sache mit dem Seil nicht los, sie folgen dem Seil ins Dickicht, wollen seinen Ursprung finden, aber der Wald schlägt immer zurück. Zum Beispiel, als sich einem der Wissenschaftler ein Ast in den Oberschenkel bohrt. Irgendwann macht sich bald eine größere Truppe auf den Weg, angeführt von Sternwartenleiter Bernhardt (Richard Sammel), diesmal will die Gruppe an ihr Ziel gelangen. Für die Frage nach dem Warum ist es schon zu spät.

Hier wird eine große Metapher erzählt

Es gäbe gute Gründe, in der Sternwarte zu bleiben. Dort sucht man mit hochsensiblen Teleskopen nach dem Geheimnis bestimmter Strahlungen aus dem All. Nach Jahren der Rückschläge gab es gerade endlich grünes Licht, einen Versuch zu starten, der es ermöglichen könnte, die Strahlung vor allen anderen zu entschlüsseln. Komplizierte Angelegenheit, aber möglicherweise ein Durchbruch bei der Erforschung des Universums.

Die Sache mit dem Seil scheint irgendwie greifbarer. Wer ihm folgt, hofft, vielleicht wenigstens diese eine Sache im Leben zu verstehen. Wohin führt das Seil, und warum ist es da?

Arte-Serie "Das Seil": Agnès (Suzanne Clément) hält die Stellung in der Sternwarte. Von der aufgebrochenen Truppe wird sie lange nichts hören.

Agnès (Suzanne Clément) hält die Stellung in der Sternwarte. Von der aufgebrochenen Truppe wird sie lange nichts hören.

(Foto: Les Films de l'instant / G. Chekaiban /Arte)

Verkompliziert wird die Seil-Expedition durch den Umstand, dass es in der Umgebung der Sternwarte kein Wlan und keinen Handyempfang gibt, "wegen der Interferenzen". Und so folgt und folgt die Truppe dem Seil, und liefert sich nicht nur dem Wald aus, sondern auch allen denkbaren gruppendynamischen Verwerfungen. Bernhardts Ehefrau, die blinde Agnès (Suzanne Clément), hält die Stellung in der Sternwarte und wird lange nichts mehr von den Aufgebrochenen hören. Die Suche wird existenziell und metaphysisch und nur wenige Antworten liefern.

Regisseur Dominique Rocher ist mit der dreiteiligen Serie ein wahrlich merkwürdiges Stück Fernsehen gelungen, eine Art "Warten auf Godot" im norwegischen Wald. Die Geschichte basiert auf dem 2012 erschienenen Roman "Das Seil" des deutschen Diplomaten Stefan aus dem Siepen, bei dem die Suche nach dem Seil allerdings in einem Dorf vor dem Ersten Weltkrieg spielt. Das Setting in "Das Seil" ist auch austauschbar, denn natürlich wird hier eine große Metapher erzählt.

Was am Ende des Seils wartet, ist auf viele Arten deutbar. Möglicherweise ist es der Mensch selbst und sein verzweifelter Wunsch nach Sinn.

Das Seil, Arte-Mediathek, am 27. Januar ab 21.45 Uhr im Fernsehen.

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