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News-App:Geht so Meinungsvielfalt?

App Buzzard

Was denken die anderen? Die Buzzard-App.

(Foto: Buzzard PR)

Buzzard bietet seinen Abonnenten eine Auswahl verschiedener Medienstimmen zur Nachrichtenlage. Das soll Verständnis für Andersdenkende fördern und mehr liefern als Selbstbestätigung.

Von Anika Blatz

Dario Nassal, 28, und Felix Friedrich, 29, wollten etwas verändern an den "verhärteten Fronten" und der "Filterblase" im öffentlichen Diskurs, wie sie sagen. Seit Anfang 2017 tüftelten sie deshalb im Rahmen eines Start-up-Förderprogramms von Media Lab Bayern und dem Journalismus-Thinktank Vocer an einer Lösung. Ergebnis ist die News-App Buzzard, die ihre derzeit ungefähr 2500 Abonnenten seit nunmehr einem Monat mit "Stimmen des ganzen demokratischen Meinungsspektrums" versorgt, wie es auf der Website des Medien-Start-ups heißt. Die Idee dafür hatten die beiden bereits vor fünf Jahren während ihres Politikstudiums.

Buzzard bündelt die Medienstimmen aber nicht nur, sie werden in der unter dem Text stehenden "Anmerkung der Redaktion" auch journalistisch eingeordnet - beispielsweise ob im Beitrag aufgestellte Behauptungen verifizierbar sind.

Auch zum publizierenden Medium sowie zum Autor liefert die Redaktion Informationen: Der Originaltext ist verlinkt, Buzzard arbeitet derzeit lediglich mit frei zugänglichen Texten. Ihnen sei wichtig, das Verständnis für Andersdenkende zu fördern, sagen die beiden Gründer.

Vorab waren sie in die Kritik geraten, weil in einer Testphase teilweise auch rechtsextreme und islamfeindliche Internetseiten verlinkt wurden. Einige Medienschaffende zogen daraufhin öffentlich ihre Unterstützung zurück. Die Macher hatten daraufhin ein neues Prüfverfahren versprochen und umgesetzt.

Bequem und wirklichkeitsnah

Aus etablierten deutschen Medien, relevanten Blogs und internationalen Medien filtern sie und ihr Team, das aus insgesamt 17 Mitarbeitern besteht, von denen wechselnd immer acht anwesend sind, nun werktags verschiedene Perspektiven zu zwei an diesem Tag besonders relevanten Leitthemen heraus. Zusätzlich wird ein kontrovers diskutiertes Thema in der "Debatte des Tages" beleuchtet - gegliedert in Pro und Contra. Dazu steht ihnen eine Datenbank aus bis zu 1700 nationalen und internationalen Quellen zur Verfügung. Eine Zusammenfassung des Tages liefert einen kurzen Gesamtüberblick, in die einzelnen Themen wird knapp eingeführt.

Das ist innovativ, vor allem aber bequem und wirklichkeitsnah. Denn außerhalb der Medienberufe dürfte sich wohl kaum ein Konsument täglich die Arbeit machen, mehrere Zeitungen und verschiedene Online-Angebote zu durchforsten, um unterschiedliche Sichtweisen gespiegelt zu bekommen.

Daneben hilft das Konzept bei der Bewahrung einer Fähigkeit, die in Zeiten von Hass, Hetze und Fake News zu verschwinden droht - sich einzulassen auf verschiedene Standpunkte und Meinungen. Insofern trifft das Projekt, das auch dank einer erfolgreichen Crowdfunding-Kampagne und zahlreichen Unterstützern realisiert werden konnte, nicht nur den Zeitgeist und bedient das Bedürfnis nach praktischer Perspektivenvielfalt, sondern wird auch all diejenigen freuen, die permanente Selbstbestätigung und informationelle Isolation satthaben.

Begrenzung statt Entgrenzung

Charmant ist daneben auch die Überschaubarkeit des Angebots. Den tagesaktuellen Gesamtüberblick kann Buzzard damit freilich nicht liefern, aber die Begrenzung auf die drei wichtigsten Themen ist ein angenehmer Gegenentwurf zu den grenzenlosen, viele Menschen überfordernden Informationsmöglichkeiten des Internets.

Vor allem drei Zielgruppen möchte man erreichen, sagt Nassal: Medieneinsteiger und junge Menschen, Menschen, die wenig Zeit haben, aber trotzdem auf dem Laufenden bleiben wollen, und ältere Menschen, die bisher wenig vertraut waren mit Blogs und ausländischen Medien. Den Zielgruppen kommt man mit dem Bezahlmodell entgegen.

Schüler, Studenten, Auszubildende und Arbeitslose zahlen 3,50 Euro monatlich, alle anderen können wählen zwischen vier Paketen, die von fünf (Paket "Unterstützer*in") bis 80 Euro (Paket "Visionär*in") im Monat reichen. Ein Sponsorenprojekt ermöglicht allen Schülern und Lehrern in Bayern, Baden-Württemberg, Thüringen, Sachsen und Brandenburg ab dem nächsten Schuljahr sogar ein kostenloses Abonnement. Bald soll es neben der App auch eine Online- und Podcast-Version von Buzzard geben.

© SZ/tyc, muth
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