Bud-Spencer-Doku bei Arte "Wir sterben vom ersten Moment unseres Lebens"

Der ewige Outlaw, die beidarmige Ohrfeige, der einhändige Dampfhammer: Eigentlich wollte Bud Spencer Jurist oder Chemiker werden, dann erfand er ballettartig ausgefeilte Prügelszenen. Nun stellte der italienische Schauspieler die für Arte produzierte Doku "Bud's Best - Die Welt des Bud Spencer" in Berlin vor.

Von Anja Perkuhn

Und dann ist Bud Spencer einfach da. Das heißt: So einfach auch wieder nicht. Carlo Pedersoli, 82, muss sich mit beiden Händen an der Limousinentür festhalten, um sich ein wenig vom Sitz hochzuziehen, zwei Begleiter stützen ihn, er tastet sich mit kleinen Schritten und einem Gehstock vor zu den vier Metern roter Teppich vor dem Berliner Programmkino Babylon, dreht sich um. Und dann ist Bud Spencer da.

Carlo Pedersoli alias Bud Spencer stellte seine Doku Bud's Best - Die Welt des Bud Spencer in Berlin vor.

(Foto: dapd)

Sein Blick aber ist noch der aus seinen Filmen, mit denen er als Bud Spencer zum Star wurde: der Blick eines Cowboys, der immer in die Sonne sieht und dem die Welt nichts anhaben kann. Der Mann, der berühmt ist für die beidarmige Ohrfeige und den einhändigen Dampfhammer in etlichen Haudrauf-Komödien aus den Sechzigern und Siebzigern (Die rechte und die linke Hand des Teufels, Vier Fäuste für ein Halleluja), hebt seine Hand auf Brusthöhe und winkt patenhaft nur mit den Fingern. Eine Faust macht er nicht.

Mit einer fast identischen Szene beginnt eine Dokumentation, die an diesem Dienstag in Berlin im Beisein des Hauptdarstellers gezeigt wurde: Bud's Best - Die Welt des Bud Spencer. Die Aufnahme stammt aus dem vergangenen Sommer. Damals stand die Biographie des Italieners auf den Bestsellerlisten in Deutschland ganz oben, und er gastierte in Berlin, weil dort eine erste deutsche Retrospektive seiner Filme organisiert worden war. Schnell und bunt und atemlos scheint das Leben Pedersolis gewesen zu sein, vorbeirauschende Eindrücke - Bud-Spencer-Shirt, Comicbilder, Poster, Filmszenen, außerdem Pedersoli als junger Schwimmstar, Student, Musiker.

Warum die Westernkomödien, später Actionkomödien, mit Spencer und Filmpartner Terence Hill so gut funktionierten und immer noch funktionieren, erklären junge Filmkritiker, Filmwissenschaftler, Journalisten: Gut gegen Böse, ballettartig ausgefeilte Prügelszenen, respektlose Dialoge.

"Keine wilde Prügelei, sondern ein Vermächtnis"

Wie Bud Spencer selbst funktioniert, erklärt seine Familie. "Er ist ein Junge", klagt Ehefrau Maria, die sogar seine Briefe für ihn öffnet, weil er keine Lust auf Unangenehmes hat. "Einer, der immer noch träumt."

Im Laufe der Doku, die Medea Film für Arte und den RBB produzierte, wird das mächtige Spencer-Kreuz dann zusehends zum altersbeladenen Rücken, dafür wächst der Bauch. Bud's Best ist keine wilde Prügelei, sondern ein Vermächtnis. Pedersoli erklärt im blauen Kunstledersessel wippend seine Philosophie von "Futtetenne!" ("Scheiß drauf!") und erzählt von seinem Jugendtraum, Jurist oder Chemiker zu werden.

Im Berliner Kinosaal wünscht er sich mit getragener Stimme Vereinigte Staaten von Europa und erklärt, dass Fäuste niemals helfen, Probleme zu lösen. "Warum halten wir nicht einen Moment inne und lächeln", fragt er, "oder überlegen, wie wir andere zum Lächeln bringen können? Wir sterben vom ersten Moment unseres Lebens an." Pedersoli lässt sich noch einmal beim Aufstehen helfen. Und dann ist Bud Spencer einfach wieder weg.

Bud's Best, Arte, 17. März, 21.50 Uhr.

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