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Zum Tod von Bud Spencer:Doktor Faustus

Es gab Zeiten, da war Bud Spencer mit seinen Kopfnüssen beliebter als James Bond. Eine Hommage an den charmantesten Raufbold der Filmgeschichte.

Christian Mayer

10 Bilder

Bud Spencer dies at 86

Quelle: dpa

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Carlo Pedersoli wurde als Kultcharakter Bud Spencer an der Seite von Terence Hill berühmt. Nun ist der charmanteste Raufbold der Geschichte im Alter von 86 Jahren gestorben.

Reich war der junge Mann aus Neapel vor allem an Talenten. Mit seiner Intelligenz, seiner Kreativität und dem Jura-Abschluss hätte er es in Italien locker zum Politiker gebracht (was er tatsächlich auch mal versuchte), wenn er nicht zugleich ein großer Schwimmer und Wasserballer gewesen wäre, ein Spitzenathlet, der trotz der vielen Zigaretten zwei Mal bei Olympischen Spielen starten durfte.

Hector Bud Spencer r in Szene 1975 UnitedArchives01365042

Quelle: imago/United Archives

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Es war wohl glückliche Fügung, dass Carlo Pedersoli dann zu etwas ganz anderem wurde: zu Bud Spencer, dem charmantesten Raufbold der Filmgeschichte. Ein Mann von Statur, der seine unzähligen Widersacher mit Kopfnüssen, Fausthieben, Ohrfeigen und dem Einsatz seiner Wampe flachlegte.

Im Bild: Szene aus Hector - ein Ritter ohne Furcht und Tadel, 1975

"ZWEI WIE PECH UND SCHWEFEL" - KABEL 1

Quelle: OBS

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Bud Spencer hatte sich in mehr als 100 Filmen ein eigenes Genre erarbeitet. Er begann als Leibwächter des größenwahnsinnigen Nero in "Quo Vadis?", reiste durch den südamerikanischen Dschungel und komponierte Anfang der sechziger Jahre italienische Schlager, bevor er endgültig beim Film hängenblieb. Gemeinsam mit Terence Hill, der als blondes Schlitzohr nicht von seiner Seite wich, produzierte er Kinoerfolge in Serie.

Im Bild: mit Terence Hill in "Zwei wie Pech und Schwefel", 1974

Bud Spencer und Terence Hill bei den Dreharbeiten zum Film "Zwei Himmelhunde auf dem Weg zur Hölle"

Quelle: imago stock&people

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Allein die deutschen Titel sagen alles aus über den Karacho-Mann, dessen großes Vorbild Charlie Chaplin ist: "Gott vergibt, wir beide nie", "Vier Fäuste für ein Halleluja" und "Zwei Himmelhunde auf dem Weg zur Hölle" (im Bild).

On continue a l appeler Trinita de Enzo Barboni avec Terence Hill et Bud Spencer 1972 AD00365257 PUB

Quelle: imago/AGD

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Den Inhalt dieser Filme kann man getrost vergessen, denn für die Zuschauer kam es nur darauf an, zwei Chaoten beim fröhlichen Hauen, Fressen und Motorradfahren zu begleiten. Kinder und Männer, die nicht erwachsen werden können, lieben diese Art der Konfliktlösung, bei der nicht lange gefackelt wird.

Im Bild: Szene aus "Vier Fäuste für ein Halleluja", 1971

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Quelle: Imago Stock&People

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In seinen besten Zeiten war Spencer ein extrem körperlicher Selbstdarsteller, der das Leichte und das Schwere verband: Hart waren seine Hiebe, aber sie waren immer auch so zärtlich, dass sich die getroffenen Knallchargen nach ein paar Schrecksekunden torkelnd aufrichten konnten.

Im Bild: "Die Miami Cops", 1985

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Quelle: imago

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Mord und Totschlag wurden durch Komik ersetzt; physische Grausamkeit und Brutalität gab es bei ihm nicht. Sein Spiel erinnerte an die clownesken Figuren der Opera Buffa, denen jegliche Schwermut fremd ist.

Im Bild: Szene aus "Das Krokodil und sein Nilpferd", 1979

Bud Spencer und Terence Hill

Quelle: dpa

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Irgendwann kamen die Produzenten auf die Idee, die beidhändigen Doppelbackpfeifen auch noch mit dem entsprechenden Sound der siebziger Jahre zu untermalen, wobei die Musik immer wieder von klingenden Bratpfannen und schepperndem Blech unterbrochen wird. Der Blödsinn hat durchaus Methode. Wahrscheinlich waren die zerdepperten Requisiten nach der Gage für die beiden Hauptdarsteller das Teuerste an der Spencer-&-Hill-Massenware, die von der Kritik komplett ignoriert wurde. Dafür jubelten die Kinobetreiber: 35 Millionen Mark spielte der "Hallelujah"-Film allein in Deutschland ein, eine halbe Million Dollar kassierten die beiden Hauptdarsteller pro Film, das war damals gutes Geld für wenig Handlung und viele Sprüche, die Bud Spencer mit seiner unvergleichlichen Brummstimme vortrug - in der deutschen Synchronisation klingt er übrigens fast noch besser als im Original. Es gab Zeiten, da war Bud Spencer beliebter als James Bond.

Im Bild: Terence Hill und Bud Spencer in "Vier Fäuste für ein Halleluja", 1972

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Quelle: imago

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"Ein Schauspieler hat viele Persönlichkeiten. Ich habe nur eine. Und die kann niemand besser spielen als ich", hat er einmal gesagt. In späteren Jahren wurde die Gemütsruhe ein wenig zum Problem, weil der Haudrauf nicht mehr ganz so flink beim Abwatschen war. Schon mit dem Film "Sie nannten ihn Mücke" setzt das Spätwerk ein. Der mächtige Körper wurde zum Panzer; der anfangs noch durch die Kulissen tänzelnde Zwei-Meter-Mann wirkte nun selbst leicht benommen. Sein Bauch, sein Bart, sein tiefer Bass, das blieb, auch sein Humor.

Im Bild: Szene aus "Sie nannten ihn Mücke" mit Raimund Harmstorf, 1978

Bud Spencer

Quelle: dpa

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Zuletzt hatte Spencer einen kurzen Gastauftritt in der deutschen Komödie "Mord ist mein Geschäft, Liebling". Er spielte da eine Art Paten, der sich hinter seiner dicken Sonnenbrille verbirgt. Das war liebevoll gemeint, als Verneigung vor dem Altmeister, ging aber in die Irre: Mord war nie sein Geschäft. Bud Spencer war stets ein Komödiant, ein Experte für die leichten Schläge des Lebens. Nun hat er sich verabschiedet, seine letzten Worte waren "Danke".

Anm. d. Red.: Dieser Text wurde erstmals 2009 veröffentlicht. Anlässlich des Todes von Bud Spencer präsentieren wir ihn erneut.

© SZ/cag

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