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Matthias Thieme beim Berliner Verlag:Chef von morgen

Matthias Thieme

Künftig allein an der Spitze: Matthias Thieme.

(Foto: dpa)

Vor ein paar Monaten haben Silke und Holger Friedrich den Berliner Verlag gekauft. Jetzt haben sie die Redaktionsleitung von "Berliner Zeitung" und "Berliner Kurier" ausgetauscht.

Dass beim Berliner Verlag einiges im Umbruch ist, erkennt man, sobald man die Webseite der Berliner Zeitung ansteuert. Dort sind die Artikel nicht mehr nur auf Deutsch zu lesen, sondern auch auf Englisch und Russisch. Unter dem Titel "What we want" findet sich auch jenes Editorial, mit dem die neuen Eigentümer des Berliner Verlages, das Unternehmerehepaar Holger und Silke Friedrich, im November für Aufsehen sorgten, weil sie darin nicht nur ihre Ideen für die Zeitung formulierten, sondern auch lobende Worte für den früheren SED-Chef Egon Krenz.

Am Montag gab der Verlag nun auch eine personelle Veränderung bekannt: Die redaktionelle Leitung von Berliner Zeitung und Berliner Kurier werde "mit sofortiger Wirkung" neu organisiert, heißt es in der Rubrik "In eigener Sache". Alleiniger Chefredakteur ist nun Matthias Thieme, der vor Kurzem als Digital-Chef angefangen hat. Er soll gemeinsam mit dem von den Friedrichs geholten Herausgeber, dem Österreicher Michael Maier, die Weiterentwicklung der Print- und Onlineausgaben verantworten. Die bisherigen Chefredakteure, Jochen Arntz und Elmar Jehn, "werden das Unternehmen verlassen und sich neuen Aufgaben widmen". Zu den Gründen äußert sich der Verlag nicht, Neu-Verleger Holger Friedrich hatte die alte Chefredaktion im Interview mit der SZ Anfang November noch als "coole Typen" bezeichnet, bei denen man schlecht beraten wäre, sie infrage zu stellen. In der Verlagsmitteilung heißt es, man danke den beiden für die Arbeit der vergangenen Jahre und würdige ihren Beitrag, den Verlag von der DuMontMediengruppe in ein unabhängiges Berliner Medienhaus zu überführen.

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Klar ist: Die personellen Veränderungen gehen einher mit strukturellen. Der Berliner Verlag will sich digital komplett neu aufstellen. Dazu sind Stellen ausgeschrieben, gesucht werden etwa "Digital Editors", ein "Content-Manager" und ein "Quality Manager". Inhaltlich wird der Bereich Bildung gestärkt. Für das neue Familien-Ressort wurde die Sachbuchautorin Eva Corino geholt, für die investigative Medienberichterstattung der Journalist Kai-Hinrich Renner. Und man will wohl auch die Berichterstattung in eigener Sache hinter sich lassen, die die Redaktion beschäftigte, seit bekannt wurde, dass es über Holger Friedrich eine Stasi-Akte gibt. "Why settle for yesterday's journalism in a city that has always been about tomorrow?", wird nun auf der Webseite gefragt, warum sich in einer Stadt, in der sich alles um das Morgen dreht, mit dem Journalismus von gestern begnügen.

© SZ vom 11.02.2020/cag
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