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Beavis und Butt-Head auf MTV:Leichtigkeit jugendlichen Schwachsinns

Kehliges Röcheln, verblichene Band-Shirts, angestrengte Schwitzgesichter: Beavis und Butt-Head, zwei beispiellose Loser, in deren pubertären Schrumpfhirnen nichts anderes gedeiht als grenzenlose Gehässigkeit, kehren zurück auf die MTV-Mattscheibe. Warum das eine gute Nachricht ist.

Die Nachricht verrät eine Menge über den fortwährenden Niedergang des Musikfernsehens und doch ist es eine gute: Von Ende Oktober an zeigt MTV in Amerika 24 neue Folgen von Beavis and Butt-Head, voraussichtlich zu Beginn 2012 werden die Episoden bei MTV Deutschland zu sehen sein.

BEAVIS AND BUTTHEAD DO AMERICA

Beavis und Butt-Head werden künftig in ihrer MTV-Sendung Serien von MTV kommentieren. In der Marketing-Abteilung des Senders wird man dazu eine dezidierte Meinung haben, nämlich diese: Heh-heh, cool, huh-huh.

(Foto: Argus)

Die siebte und bislang letzte Staffel der Comic-Serie lief vor 14 Jahren, im Leben ihrer beiden Hauptdarsteller hat sich seitdem nicht viel getan. Dies zumindest ist die Botschaft der wenigen Minuten neuen Materials, die vor Kurzem auf der weltgrößten Comic-Messe im kalifornischen San Diego ( Comicmesse in San Diego: Comic Con - Kuss des Spinnenmanns) gezeigt wurden. Kehliges Röcheln, verblichene Band-Shirts, angestrengte Schwitzgesichter - Beavis und Butt-Head, das sind noch immer zwei beispiellose Loser, in deren pubertären Schrumpfhirnen nichts anderes gedeiht als grenzenlose Gehässigkeit.

Es darf durchaus zu denken geben, dass ausgerechnet dieser Stoff als das mit Abstand klügste und beste gelten darf, das MTV seit langem auf Sendung bringt. Das Programm ist verstopft mit dröger Egalware, mit gelangweilten Wohlstandskindern, deren Leben zu einer Realität zusammengeschnitten wird, in der man wirklich nicht leben möchte.

So ist die Rückkehr des Röchelns auch deswegen eine gute Nachricht, weil MTV damit eine Art freiwillige Selbstkontrolle installiert: Früher kommentierten Beavis und Butt-Head innerhalb der Folgen Musikvideos, und mitunter entstanden dabei Sternstündchen des Vulgär-Nihilismus. In der neuen Staffel sind es quälende Reality-Formate wie Jersey Shore, die zwischen viel Heh-heh und Huh-huh zum Gegenstand ihrer Fernsehkritik werden.

Das ergibt Sinn, weil auf MTV ohnehin kaum noch Musik läuft. Vor allem aber hilft es bei der Vermarktung der Serie. Die auf MTV laufenden Musikvideos sind in aller Regel nur für den Sender lizenziert, das erschwerte in der Vergangenheit die Verwertung der Folgen auf DVD. Nun werden Beavis und Butt-Head in ihrer MTV-Sendung Serien von MTV kommentieren. In der Marketing-Abteilung des Senders wird man dazu eine dezidierte Meinung haben, nämlich diese: Heh-heh, cool, huh-huh. Die Idee zur Umstellung hatten die Fernsehleute selbst, für den Erfinder der Figuren ist sie aus einem weiteren Grund reizvoll. Reality-Shows seien "absolutes Hoheitsgebiet für Beavis und Butt-Head", sagte Mike Judge dem amerikanischen Rolling Stone.

Die besondere Herausforderung dabei bleibt es, lustige und glaubwürdige Dialoge für zwei so strunzdumme Kotzbrocken zu schreiben. Dafür gibt es kaum einen besseren als Mike Judge, der ein bemerkenswertes Gefühl für den gewöhnlichen American Idiot entwickelt hat. Viel Aufmerksamkeit hat Judge für Serien bekommen, für King of Hill oder eben Beavis and Butt-Head - seine Filme beachtete das Publikum weniger. Das ist schade, besonders im Fall von Office Space (1999), der wie ein Bauplan wirkt für die fantastische britische Serie The Office von Ricky Gervais und deren US-Ableger.

Der Neustart von Beavis and Butt-Head gibt auch irgendwie Anlass zum Kulturoptimismus. Was soll man schließlich halten von einer Generation Jungs, die drei Mal in der Woche zum Cello geht, der aber die Leichtigkeit jugendlichen Schwachsinns verborgen bleibt? Es ist natürlich widerwärtig, wenn Beavis und Butt-Head auf dem Dach ihrer Highschool stehen und den Spuckefladen hinterherschauen, die sie gerade auf ihre Reise Richtung Bordstein geschickt haben. Andererseits: Viel näher kann man als 15-Jähriger der Kontemplation kaum kommen.

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