"Bachelor" auf RTL:Zwei Menschen treffen aufeinander, nervös und gänzlich unsouverän

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Doch gerade, als man im dumpfen Dämmerschlaf der wohl inszenierten TV-Realität zu versinken droht, zerreißt der Schleier und das Format menschelt seinen Machern davon. Sebastian begrüßt eine Kandidatin vor der Villa. Zwei Menschen treffen aufeinander, nervös und gänzlich unsouverän.

Julia: "Wie alt bist du? Wo kommst du her?"

Sebastian: "30. Aus Köln."

Julia: "Cool."

Sebastian: "Und du?"

Julia: "21. Aus Nürnberg."

Sebastian: "Sehr cool."

Frau um Frau wird zum roten Teppich gefahren. Die Kamera zoomt auf High Heels und glitzernde Kleider. Das Ambiente verlangt Grandezza, doch das, was folgt, ist herrlich unbeholfener Smalltalk. Immer und immer wieder. Wer hätte mit so viel harter Realität im Reality-TV gerechnet? Für einen Augenblick gelingt dem Bachelor das, was sonst nur großer Kunst gelingt: den Menschen in seiner ganzen existenziellen Lächerlichkeit zu zeigen - ohne ihn dabei vorzuführen. Ein Werbefuzzi, eine Bankkauffrau und eine Friseurmeisterin, die ein deutscher Privatsender in schicke Abendgarderobe gesteckt und nach Miami geflogen hat. Und die nun auch nicht so recht wissen, was das alles eigentlich soll. Ein Triumph der Menschlichkeit über das menschenverachtende System.

Welche der 22 Damen am Ende eine der ominösen Rosen bekommt, ist dann auch völlig egal. Denn natürlich ist die ganze Prämisse dieses Formats absoluter Quatsch. Niemand sucht beim Bachelor den Mann fürs Leben oder die Mutter seiner Kinder. Natürlich sind all die Gespräche und Konfrontationen nach dem nervösen Kennenlernen vor der Villa eine Performance.

Der Bachelor ist eine Bühne, so wie die ganze Welt eine Bühne ist. Für einen Augenblick aber war da ein Riss in der perfekten Show. Und was man sah, war nicht die Hölle, das war der Mensch.

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