"Auslandseinsatz" im Ersten Frauen als Kollateralnutzen

Im Mittelpunkt steht ein "Cimic"-Team, Soldaten der Truppe von der "zivil-militärischen Zusammenarbeit", wenn man so will bewaffnete Entwicklungshelfer der Bundeswehr; eine gute Idee des Drehbuchs. Diese Teams sind jene, die den engsten Kontakt mit der Zivilbevölkerung haben. Der Idealist Daniel Gerber (Max Riemelt), der ruppige Ronnie Klein (Hanno Koffler, der schon in Nacht vor Augen mitgespielt hat) und der afghanischstämmige Unteroffizier Emal Demir (Omar El-Saeidi) bauen in Milanh eine Schule auf - und werden bald Teil der afghanischen Tragödie, als sie versuchen, einem traumatisierten Mädchen zu helfen.

Das ist ein interessanter Aspekt des Films, ein klein wenig blauäugig, aber im Kern durchaus realitätsnah. Cimic-Einheiten versuchen tatsächlich, Schulausbildung und Status der Mädchen in Afghanistan zu verbessern; die Bundeswehr beschäftigt eigene Gender-Beraterinnen, und bei den Abzugsplanern ist die Sorge erheblich, was denn nach 2014 Afghanistans Frauen und Mädchen droht, sollten die Taliban wieder an die Macht kommen.

Was droht, zeigt der Film in brutaler Form: Übergriffe der Untergrundkämpfer, Terror gegen Kinder, abgeschnittene Finger, Zwangsheirat. Das Argument, der Nato-Einsatz gegen Taliban und al-Qaida nach 9/11 habe die Frauen, quasi als Kollateralnutzen, zumindest aus einem Zustand der völligen Rechtlosigkeit befreit, gilt in deutschen Friedenskreisen übrigens als politisch unkorrekter Versuch, vom Nato-Militarismus abzulenken. Offensichtlich kennt auch die Gleichberechtigung Grenzen.

In seinen besseren Momenten hat Auslandseinsatz etwas von der Wucht amerikanischer Kriegsfilme wie The Hurt Locker, welche die Verlorenheit des Einzelnen in einer brutalen Welt zum Thema haben. Sie zweifeln immer mehr an dem, was sie tun sollen, bis sie in Situationen geraten, in denen Befehl gegen Gewissen steht, jede Wahl die zwischen zwei Übeln ist.

Authentischer Soldaten-Alltag

Der Film zeigt überdies relativ authentisch den Alltag vieler Soldaten: der staubige Außenposten, die mit Glühbirnenkette und Flachbildschirm ausgestattete "Betreuungseinrichtung"; vor allem aber die Grenzen der eigenen Möglichkeiten, etwas zu verbessern in einem Land, auf dem Hass und Gewalt liegen wie ein alttestamentarischer Fluch. Was er nicht zeigt, und in der verdichteten Handlung auch nicht zeigen kann, ist die Monotonie, die Ödnis gleichförmiger Dienste.

Gedreht wurde natürlich nicht in Afghanistan, sondern in Marokko, das ganz ähnlich entrückte Landschaften bietet. So oft waren vor allem angelsächsische Regisseure schon dort, dass die üblichen Taliban-und Terroristendarsteller, wie das Filmteam erlebte, sich ihre Fundamentalistenbärte erst gar nicht mehr abrasieren.

Auslandseinsatz entwickelt sich immer mehr zu einem düsteren Film. Ideale werden zerrieben, Hoffnungen geweckt und zerstört, Menschen getötet. Das Dorf Milanh und sein Ältester Jamil (Vedat Erincin) versuchen zu überleben und geraten zwischen alle Fronten: Mördertrupps der Taliban, schießwütige US Special Forces - und die Aufbauhelfer der Bundeswehr, die das Beste wollen, aber damit eine Eskalation der Gewalt auslösen, die Jamal nicht mehr kontrollieren kann. "Ich wollte jemanden zeigen, der letztlich den Preis für die Vorstellungen und Überzeugungen anderer zahlen muss", sagte Drehbuchautor Holger Karsten Schmidt: "Jamal repräsentiert jene Afghanen, die von den Taliban ermordet werden, wenn sich die Nato-Truppen in zwei Jahren aus dem Land zurückziehen." Es ist zu fürchten, dass er recht hat. Und sich die Frage nach dem Sinn dieses Einsatzes dann erst richtig stellen wird.

Auslandseinsatz. ARD, Mittwoch, 20:15 Uhr

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