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"Tagesthemen"-Bericht über Slowenien:Ministerpräsident gegen ARD-Mann

Parlamentswahl in Slowenien

Janez Janša twitterte gegen den ARD-Korrespondenten Nikolaus Neumaier vom BR.

(Foto: dpa)

Sloweniens Janez Janša kritisiert ARD-Korrespondenten und greift zum NS-Vergleich.

Der slowenische Ministerpräsident Janez Janša hat den ARD-Korrespondenten Nikolaus Neumaier Zensur im Stil des NS-Hetzblattes Der Stürmer vorgeworfen. Grund ist ein Bericht in den ARD-Tagesthemen von Ende März. Dieser thematisierte die Gefährdung der Medienfreiheit in Slowenien. Der Chefredakteur des Bayerischen Rundfunks, Christian Nitsche, wies die Anschuldigungen als "völlig haltlos" zurück.

In dem ARD-Bericht werfen Journalisten des slowenischen öffentlich-rechtlichen Rundfunks RTV dem Ministerpräsidenten vor, dass er Twitter, ähnlich wie der frühere US-Präsident Donald Trump, dafür nutze, unabhängige Medien zu attackieren. Zudem äußerte die RTV-Direktorin Natalija Gorščak in dem Beitrag die Sorge, dass Janša versuche, den unabhängigen Sender in einen Staatssender zu verwandeln. Der Premier kritisierte Neumaiers Beitrag auf Twitter. In einem Tweet unterstellte Janša dem Journalisten, dass er in seinem Beitrag nur jene zu Wort kommen hat lassen, die seine Sichtweise vertreten.

Jedoch kam in dem Tagesthemen-Beitrag auch der Regierungssprecher Uroš Urbanija vor. Dieser wies darin die Vorwürfe der RTV-Journalisten zurück und behauptete, dass 90 Prozent der slowenischen Medien "links und gegen die Regierung" seien. BR-Chefredakteur Nitsche bewertet Janšas Anschuldigungen als "böswillig diffamierend", der und erklärte: "Der inakzeptable Geschichtsvergleich ist zugleich ein Versuch, unabhängigen Journalismus zu diskreditieren."

© SZ/dpa/tyc
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