ARD-Krimi 1000. Folge "Tatort": Liebesgrüße an Tarantino

Unheilvolle Begegnung: Lindholm und Borowski (l.) geraten durch Zufall an einen traumatisierten jungen Mann.

(Foto: NDR/Meyerbroeker)

"Taxi nach Leipzig" ist ein spannendes, manchmal skurriles Kammerspiel. Der Krimi zeigt, dass im Laufe der Jahre nicht alles nur schlechter geworden ist.

TV-Kritik von Katharina Riehl

Kommissar Borowski aus Kiel hat sogar für einen TV-Kommissar gerade eine ziemlich heftige Woche. Am vergangenen Sonntag ermittelte er im Milieu radikaler Islamisten, am Ende war eine junge Frau tot, die er doch eigentlich hatte beschützen wollen. Und an diesem Sonntag kommt es noch viel schlimmer, da nimmt ihn ein durchgeknallter Elitesoldat in einem Taxi als Geisel. Doppelter Einsatz also für den NDR-Ermittler Klaus Borowski, aber in der ARD scheinen ja gerade ohnehin Konzeptwochen für thematische und sonstige Dopplungen bei der Tatort-Programmierung zu sein.

Der zweite Auftritt des Kieler Kommissars innerhalb von acht Tagen ist aber natürlich kein normaler, es ist der 1000. Tatort, und was könnte es zu diesem Anlass Feierlicheres geben als einen Doppelauftritt gleich zweier verdienter ARD-Ermittler? Borowski (Axel Milberg) jedenfalls lernt Charlotte Lindholm (Maria Furtwängler) bei einem Polizeiseminar kennen, sie isst ihm die letzte Käsesemmel weg, und dann steigen die beiden gemeinsam in das verhängnisvolle "Taxi nach Leipzig".

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Zur Feierlichkeit dieses Jubiläumsfilms gehört neben dem Zusammentreffen von Borowski und Lindholm auch der Titel, denn "Taxi nach Leipzig" hieß ja auch schon der erste Film der Reihe aus dem Jahr 1970. Kommissar Trimmel (Walter Richter) von der Hamburger Kriminalpolizei ermittelte damals ungebetenerweise zum Tod eines Jungen in der DDR; ins Taxi nach Leipzig stieg er freiwillig, um die Mutter des Kindes zu befragen.

Abgesehen vom Titel gibt es keine Parallen zwischen beiden Folgen

Abgesehen vom Titel gibt es aber keine Parallelen zwischen den beiden Filmen, Lindholm und Borowski geraten durch Zufall an einen traumatisierten jungen Mann (Florian Bartholomäi), der gleich nach ein paar Minuten völlig unvermittelt einen dritten Kommissar ermordet, der mit Lindholm und Borowski das Taxi teilen wollte.

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Alexander Adolph (Buch und Regie) hat aus der Situation im Auto ein spannendes, manchmal skurriles Kammerspiel inszeniert, einige Liebesgrüße an Quentin Tarantino untergebracht und ein paar unvermeidliche Wölfe. Und wenn man innerhalb weniger Tage beide Filme mit dem Titel "Taxi nach Leipzig" ansieht, wird schon sehr deutlich, dass im Laufe der Jahre nicht alles nur schlechter geworden ist.

ARD, Sonntag, 20.15 Uhr.

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