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ARD-Intendantin Monika Piel im Gespräch:"Ein Programm ist kein Selbstläufer"

SZ: Ihr Vorgänger Peter Boudgoust vom SWR hat zu Beginn seiner Amtszeit als ARD-Vorsitzender eingeräumt, dass die ARD ein Legitimationsproblem habe. Es ist nicht zu sehen, dass dieses Problem gelöst wäre. Für die Gebühren, die zufließen, muss eine Gegenleistung erbracht werden: Qualität.

60 Jahre ARD

Wer bin ich? Und wie viele?

Piel: Die wird ja auch erbracht. Da sehe ich kein Legitimationsproblem. Wir kriegen die Rundfunkgebühr nicht nur, weil wir Fernsehen veranstalten, sondern auch, weil wir Hörfunk machen, weil wir Arte und 3sat und Phoenix und den Kika haben, das ZDF, das Deutschlandradio.

SZ: Ist das Programmangebot der ARD noch richtig gewichtet?

Piel: Dass man daran arbeiten muss, finde ich selbstverständlich. Ein Programm ist kein Selbstläufer. Sie müssen auch sehen, was Sie drucken. Ihre Wirtschaftsseiten werden wahrscheinlich auch nur von wenigen Leuten gelesen ...

SZ: ... das stimmt nicht ...

Piel: ... oder das Feuilleton. Sie erlauben es sich trotzdem. Wir sind in einem schwierigen Spagat. Wir sind sehr öffentlich-rechtlich. Das zeigen alleine schon unsere sechs Polit-Magazine im Ersten.

SZ: Mit sechs Redaktionen.

Piel: Warum nicht. Wir sind ein föderales System, das ist ein föderales Programm. Wir haben zudem auch jede Menge Dokumentationen.

SZ: Die ARD hat gerade einen Dokumentationssendeplatz abgebaut.

Piel: Nein, wir müssen uns an die Fakten halten. Der Informationsanteil ist bei dieser Programmreform gegenüber der Unterhaltung sogar noch einmal erhöht worden, und es wird übers Jahr nicht eine einzige Dokumentation im Mengengerüst wegfallen.

SZ: Das haben Sie exklusiv.

Piel: Ich habe das Versprechen, dass keine Doku wegfällt, und darauf werde ich als ARD-Vorsitzende achten.

Florian Weber

Ein Talent in der ARD