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CNN feuert Rick Santorum:Ein Satz zu viel

Meetings at Trump Tower

Santorum wusste, "dass meine Kommentare nicht das sein würden, was CNN-Zuschauer normalerweise hören". Aber genau deshalb hatte ihn der Sender engagiert.

(Foto: Albin Lohr-Jones / Pool/picture alliance / dpa)

CNN hat sich von Rick Santorum getrennt. Der konservative Kommentator hatte sich abfällig über amerikanische Ureinwohner geäußert.

Von Jürgen Schmieder, Los Angeles

US-Nachrichtensender CNN hat sich von Rick Santorum getrennt, und viele Beobachter fragen: Warum erst jetzt? Der einstige Senator der republikanischen Partei hatte im April während einer Rede vor konservativen Jugendlichen gesagt: "Wir haben eine Nation aus dem Nichts geboren. Ich meine, hier war ja nichts. Ich meine, ja, wir haben zwar Indianer, aber ehrlich: In der amerikanischen Kultur ist nicht viel Kultur der amerikanischen Ureinwohner." Erst vier Wochen später und nach heftigen Protesten entließ CNN den streitbaren Kommentator, der in den vergangenen vier Jahren immer wieder als unbeirrbarer Verteidiger von US-Präsident Donald Trump für Aufregung gesorgt hatte.

Santorum war bei CNN engagiert, um provokant-populistisch zu sein

"Als ich bei CNN anfing, war mir schon klar, dass meine Kommentare nicht das sein würden, was CNN-Zuschauer normalerweise hören", schrieb er nun bei Twitter. Doch: Genau deshalb hatten sie ihn eingestellt. News-TV in den USA hat nichts mit Nachrichten zu tun, es ist Theater für die Zuschauer, ausgerichtet auf deren politische Sicht. Die Aussagen von Santorum sollten provokant-populistisch sein, er sollte den treudoofen Trump-Vasall geben, an dem sich die gemäßigten CNN-Journalisten abarbeiten konnten, und er sollte dem Publikum die Botschaft schicken: Wenn ein ehemaliger Senator und Präsidentschafts-Bewerber (2012 und 2016) das Klügste ist, was CNN bei den Republikanern so finden kann, wie müssen dann erst die anderen drauf sein? Er war der Prügelknabe von der anderen politischen Seite. So etwas gibt es auch, mit anderer Ausrichtung und anderer Besetzung, bei konservativen Sendern wie Fox News.

Santorum, 63, sollte also kontroverse Sachen sagen, doch bei seiner Rede vor der konservativen Organisation Young America's Foundation ging er zu weit - vor allem aber sagte er eine Woche später in der CNN-Sendung Cuomo Prime Time nur: "Die Art und Weise, wie wir Indianer behandelt haben, war schrecklich." Er entschuldigte sich aber nicht für die Aussagen während der Rede. Er wurde entlassen, so wie CNN vorher andere konservative Kommentatoren wie Jeffrey Lord und Paris Dennard nach jeweils fragwürdigen Aussagen rausgeworfen hatte. Wer wird jetzt bei CNN der Prügelknabe für das allabendliche News-Theater?

© SZ/tyc
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