Was ist eigentlich Tofu?:Das Fleisch vom Feld

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Nie wieder Außenseiter!

Im Biomarktregal liegen "Nürnberger Röstle", "Wiener Minis", Curry-Ananas-Bratlinge und marinierter Bärlauch-Tofu. Das klingt nach purem Fleischersatz. Vegetarier, die Tofu als solchen verzehren, sehen sich häufig dem Vorwurf ausgesetzt, nicht konsequent genug zu sein.

Tatsächlich ist Tofu auch eine Glaubensfrage: In Südostasien hat er sich vor allem mit dem buddhistischen Glauben verbreitet, der auf einer vegetarischen Lebensweise basiert. Dennoch wehren sich Tofuverfechter dagegen, den Eiweißlieferanten lediglich als "Fleisch vom Feld" zu bezeichnen.

Euphoriker sprechen viel lieber von der "Powerbohne". Und wahrlich: Wen der Quark bislang äußerlich nicht angesprochen hat, kann sich seiner inneren Werte kaum entziehen: Tofu ist kalorien- und cholesterinarm (72 Kilokalorien pro 100 Gramm), besitzt viel hochwertiges Eiweiß (15,7 Gramm pro 100 Gramm), ungesättigte Fettsäuren, die Vitamine B1, B2, B6 und E sowie die Mineralstoffe Kalium, Kalzium, Folsäure und Zink.

Darüberhinaus steht er Fleisch in nichts nach: Neben wichtigem Eisen enthält auch Tofu acht wertvolle Aminosäuren, im Gegensatz zum Fleisch aber keine Säure. Amerikanische Studien haben den enthaltenen Isoflavonen (aktiven Pflanzenstoffen) eine cholersterinsenkende Wirkung nachgewiesen. Die American Heart Association empfiehlt deshalb - zur Schonung des Herzens und der Blutfettwerte - den Verzicht auf Fleisch und Genuss von Tofu.

Sogar die Beauty-Food-Industrie sieht Potential in dem Quark. Die enthaltene Extraportion der Aminosäure Lysin soll gegen juckende Lippenbläschen (Herpes) helfen. Und zu guter Letzt verteidigen fleischessende Sportler die Sojabohne. In Fachmagazinen wird Tofu als willkommene Abwechslung zu Fleisch gepriesen, da er leichter verdaulich ist und den Organismus von Ausdauersportlern weniger belastet.

Der Hamburger Professor für Ernährungswissenschaften, Michael Hamm, rät ebenfalls zum Bohnensteak: "Ebenso wie Gemüse, Obst und Hafer sind Sojaprodukte wahre Fitmacher. Sie liefern hochwertiges Eiweiß und sind zudem leichter verwertbar."

Wer es weniger sportlich, sondern vegetarisch nimmt, könnte sich am Ende vielleicht doch von der Quarkvielfalt überzeugen lassen: Dank Tofu endlich mal wieder Hot Dog essen und beim Grillfest kein Nudelsalat essender Außenseiter mehr sein!

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