Kolumne "Vor Gericht":Blut und Sperma

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(Foto: Steffen Mackert)

Sein erstes Praktikum als Jurastudent machte unser Kolumnist bei einem Strafverteidiger, der aus Prinzip kein Mandat ablehnte. Eine Lektion fürs Leben.

Von Ronen Steinke

Menschen, die als Strafverteidiger arbeiten, kennen diese misstrauischen Blicke, wenn sie auf Partys erzählen, womit sie ihr Geld verdienen. Jetzt mal ehrlich, so lautet dann die Frage, die sich viele zumindest insgeheim stellen - wie kannst du das mit deinem Gewissen vereinbaren? Vergewaltiger rauskloppen? Mörder vor dem Knast bewahren? Täter vor Strafe schützen? Die meisten Verteidiger nehmen das locker, sie kennen das schon, und wenn man sie dann fragt, ob sie denn wirklich gar keine Tabus kennen würden, sondern alle Beschuldigten als Mandanten annähmen, dann nicken manche nur und sagen trocken: "Blut und Sperma." Das ist Verteidiger-Jargon. Es bedeutet: Ja, auch Gewalt- und Sexualdeliktsvorwürfe. Keine Tabus. Da ist die Entgeisterung in den Augen dann besonders groß.

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