Thronfolge in Großbritannien William statt Charles

Schlechte Nachrichten für Prinz Charles, den ewigen Kronprinzen: Die Queen baut ihren Enkel William zum Nachfolger auf.

Von Wolfgang Koydl

Bei Hofe spricht man nicht gerne darüber, und wenn man nachfragt, dann erhält man eine trockene, offizielle Antwort: Das Land habe nur eine Monarchin, ihr Name sei Elisabeth, und sie sei trotz ihres hohen Alters topfit. Deshalb werde sie auch ihr Versprechen erfüllen, ihren Untertanen so lange wie nur irgend möglich zu dienen. Eine Nachfolgedebatte sei ebenso voreilig wie überflüssig.

Familienfoto: Prinz William (l.), Prinz Harry (2.v.l.), Königin Ellisabeth II. (5.v.l.), neben ihr Prinz Philip, der Duke of Edinburgh. In Weiß: Camilla, Duchess of Cornwall und Prince Charles (re.) auf dem Balkon des Buckingham Palace.

(Foto: Foto: dpa)

Anderswo freilich spricht man sehr wohl darüber, wie es nach Elisabeth II. weitergehen wird, und immer öfter hört man dabei nicht den Namen ihres Sohnes Charles, sondern den des Enkels: William, der strahlende Prince Charming, so wird vernehmlich gemunkelt, sei doch ein viel besserer, zeitgemäßerer und vor allem populärerer Thronfolger als der miesepetrige und exzentrische Charles mitsamt seiner Camilla. Besonders shocking: Sogar die Queen teile diese Ansicht, heißt es.

Camilla reist eh nicht gern

So laut sind diese Spekulationen mittlerweile geworden, dass sich Buckingham Palace nun zu einem hochoffiziellen Dementi gezwungen sah. "Vollständig unwahr" seien Berichte, dass die Königin ihren Enkel ihrem Sohn vorziehe. Und unrichtig sei es auch, dass die alte Dame, die in diesem Jahr ihren 83.Geburtstag feierte, ihre offiziellen Verpflichtungen zurückschrauben wolle.

Dem widerspricht freilich, dass die Queen und ihr Ehemann Prinz Philip seit einiger Zeit in der Tat ein wenig langsamer treten und immer häufiger anderen, jüngeren Mitgliedern der Familie den Vortritt überlassen, wenn es gilt, eine britische Grafschaft oder einen Commonwealth-Staat zu besuchen, eine Schule zu eröffnen oder jemanden zum Ritter zu schlagen. Und von Camilla weiß man, dass sie sowieso nicht gerne verreist, vor allem nicht in warme Weltgegenden.

Im Januar wird Prinz William zu seiner ersten großen Auslandsreise aufbrechen, die er im Namen und in Vertretung seiner Großmutter unternimmt. In der neuseeländischen Hauptstadt Wellington wird er das neue Gebäude des obersten Gerichtshofes eröffnen, anschließend fährt er nach Australien. Hier, wo republikanische Strömungen stark sind, kommt der 27-Jährige bei der Bevölkerung deutlich besser an als sein Vater.

Geschwärzte Passagen

Nahrung erhielten die Spekulationen über eine prominentere Rolle von William durch ein Dokument des britischen Finanzministeriums, das sich eine Gruppe von Anti-Monarchisten beschafft hatte. Darin ging es um Steuerfragen Prinz Charles betreffend, und es enthielt den Passus: "Die Prinzen (William und sein jüngerer Bruder Harry) werden zunehmend Kosten verursachen, wenn sie Termine in Vertretung der Queen wahrnehmen." Die Gruppe will zudem geschwärzte Passagen des Dokuments sichtbar gemacht und daraus entnommen haben, dass William zu einer Art "Schattenkönig" aufgebaut werden soll.

Allen Dementis des Palastes zum Trotz können sich auch viele britische Monarchisten mit dem Gedanken an einen König William gut befreunden. Die Dokumentarfilmerin Margaret Holder, die die Königsfamilie seit Jahren professionell begleitet, ist von der Vorstellung begeistert. "William ist die Antwort auf die Gebete der Königin", jubelte sie, "er sieht gut aus, er ist jung, und er ist auf der ganzen Welt beliebt."

Nun fehlt William eigentlich nur noch eines: eine Frau. Doch auch dem könnte schon bald abgeholfen werden. Derzeit verdichten sich Gerüchte über eine bevorstehende Verlobung mit Langzeitfreundin Kate Middleton. Wann? Ganz romantisch - zu Weihnachten.

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