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Tag der Freundschaft:Freundschaft zwischen Erwachsenen

Die Lebensfreundschaft

Es gibt Freundschaften, die sind wie eine Ehe. Und zwar im idealtypischen Sinne: in guten wie in schlechten Zeiten. Die Freundin, mit der man im Sandkasten gespielt hat, die neben einem in der Grundschulklasse saß. Mit der man den ersten Zahn, die erste Menstruation und die erste Liebe teilte. Sogar das Tagebuch, ein zerfleddertes schwarzes mit roten Ecken, das in den Pausen die Besitzerin wechselte, und in das man im Wechsel seine intimsten Gedanken notierte - für eine einzige Leserin.

So eine Freundschaft ist nichts für Konfliktscheue oder Bindungsangsthasen. Es ist eine Freundschaft, die immer wieder neu verhandelt werden muss. Kann ich ihren nervigen neuen Freund ertragen? Oder diese Tussis, mit denen sie neuerdings immer rumhängt? Warum habe ich das Gefühl, viel schneller erwachsen zu werden als sie?

Egal, wie viel sich sonst im Leben ändert: Es gibt tatsächlich Beziehungskünstler, die sich über all diese Fragen immer und immer wieder einigen können, die dadurch Kompromisskönige werden. Und so tatsächlich Freunde bleiben bis an ihr Lebensende. Mindestens.

Die Männerfreundschaft

Gerhard Schröder und Wladimir Putin haben sicherlich eine. Helmut Kohl und Franz Josef Strauß hatten angeblich auch eine. So gesehen kein Wunder, dass dem Wort Männerfreundschaft stets etwas Verschworenes-Seilschaftartiges anhaftet. Völlig zu Unrecht. Denn eine Männerfreundschaft ist etwas Wunderbares. Sie hält fast immer über viele Jahre, es macht ihr aber auch nichts aus, wenn sie ein paar Monate ruht, weil man anderweitig beschäftigt oder mit anderen zusammen ist.

Nie käme es den Beteiligten in den Sinn, sich fortwährend über die Sinnhaftigkeit oder Gültigkeit dieser Freundschaft über Gespräche oder E-Mails rückzuversichern. Eine Männerfreundschaft ist eine wohltuende Konstante in Zeiten der Unsicherheit und des ständigen Sich-alle-Optionen-Offenhaltens. Sie besteht, entgegen der billigen Klischees, in den meisten Fällen aus viel mehr als Fußballgucken, Biertrinken und über sekundäre weibliche Geschlechtsmerkmale reden. Sicher, diese Themen mögen am Rande eine Rolle spielen, aber Männer diskutieren auch über Musik, Kunst, Politik und ja - auch über Gefühle.

Manche zeigen diese sogar in aller Öffentlichkeit - wie in den Siebzigerjahren die beiden FC-Bayern-Fußballer Paul Breitner und Uli Hoeneß, als sie im Hotelzimmer gemeinsam unter einer Decke lagen. Oder so wie heute die beiden US-Schauspieler James Franco und Keegan Allan, die auf Twitter ein paar Selfies posteten, die sie gemeinsam im Bett zeigen. Bilder, die ohne jene Peinlichkeit auskommen, weil sie darauf verzichten, den homoerotischen Touch zu ironisieren. Franco und Keegan zelebrieren einfach ihre "Bromance", eine platonische Liebesbeziehung unter Männern.

Die Zweck-Freundschaft

Kann aus einer Begegnung Freundschaft entstehen, wenn man sich drei Wochen zuvor bei einer Radtour oder auf einem Elternabend kennengelernt hat? Ist es Freundschaft, wenn man sich stundenlang über Reifendruck, Downhill-Touren im Pustertal oder das ungewöhnliche Sabberverhalten der kleinen Lisa-Sophie unterhalten kann? Ja, denn plötzlich ist da ein Mensch, der volles Verständnis für die eigene Situation aufbringt, weil er sich in der gleichen befindet. Ein Seelenverwandter, der nicht die Augen verdreht, weil er lieber über die neueste Dating App oder die Bedeutung der Weltmeisterschaft für die Wirtschaft in Brasilien sprechen möchte.

Oft endet so eine Zweckbeziehung, sobald das gemeinsame Thema auserzählt ist. Doch manchmal wird auch mehr daraus. Wenn die angehenden Freunde bereit sind, ihr gemeinsames Themengebiet zu verlassen und sich auf unbekanntes Terrain vorwagen. Manche stellen dann fest, dass die Schnittmenge größer ist als angenommen.

Wer hätte gedacht, dass der leidenschaftliche Mountainbiker auch die Vorliebe für italienische Küche teilt - und die Ansichten über Fußball und Ökonomie? Über eines müssen sich die Beteiligten aber im Klaren sein: Je weiter sie sich öffnen, umso größer ist die Gefahr, doch irgendwann über Dating-Apps sprechen zu müssen.