Studie des Allensbach-Instituts:Sexismus-Debatte und Frauenquoten-Kontroverse

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Mitte der neunziger Jahre und um die Jahrtausendwende waren noch um die 60 Prozent der Deutschen der Meinung, dass ein umfassendes Engagement für die Gleichberechtigung notwendig sei. 1998 wurden SPD und Grüne an die Spitze gewählt, zwei Parteien, die schon zum damaligen Zeitpunkt über eine Frauenquote für Ämter und Mandate verfügten. Außerdem war der Begriff des "Gender Mainstreaming" in aller Munde, die Gleichstellung von Mann und Frau in allen Lebensbereichen. Mitte 1999 erkannte das Kabinett dieses Gender Mainstreaming als Leitprinzip der Bundesregierung an - und erhöhte damit noch einmal die Aufmerksamkeit für bestehende Ungleichheiten. Dementsprechend fielen die Ergebnisse der Allensbach-Umfrage aus: 62 Prozent der Bevölkerung sahen im Jahr 2000 Handlungsbedarf in Sachen Gleichberechtigung.

Obwohl sich in der gesellschaftlichen Realität wenig änderte, fiel der Wert 2001 drastisch auf 49 Prozent, auch in den darauffolgenden Jahren sollte das Thema Gleichberechtigung nur noch eine untergeordnete Rolle spielen. "Die Agenda 2010 und Hartz IV haben in dieser Zeit die öffentliche Diskussion geprägt, für Gleichstellungspolitik war da recht wenig Platz", erklärt Sabine Berghahn.

Ein ähnlich hoher Kritik-Wert (61 Prozent) wie 2000 wurde erst 2008 wieder erreicht, als Deutschland nicht nur das fünfzigjährige Bestehen des Gesetzes über die Gleichberechtigung von Mann und Frau feierte, sondern auch den Equal Pay Day einführte und angeregt über Alice Schwarzers Kritik am "neuen Wellness-Feminismus" diskutierte. Die Kritik überwog in diesem Jahr deutlich, sie bleibt aber nicht lange erhalten, sondern verflacht - womöglich im Angesicht der Wirtschaftskrise.

Prägend: die Sexismus-Debatte

Es brauchte den #Aufschrei und eine neue Debatte über die Frauenquote, um das Thema Gleichberechtigung erneut in die Köpfe zu bringen. Im Januar 2013 hatte die Journalistin Laura Himmelreich im Stern ihr umstrittenes Porträt über FDP-Spitzenkandidat Rainer Brüderle veröffentlicht, in dem sie den Sexismus im Berliner Politbetrieb kritisierte. Wenig später ging im Internet der Hashtag #Aufschrei viral. Die Sexismus-Debatte, die sich daraus entwickelte, zog sich über mehrere Monate und wurde in sämtlichen Medien aufgegriffen.

Im April rückte der Fokus dann erneut auf die Frauenquote für Aufsichtsräte, weil im Bundestag darüber abgestimmt wurde. Der Abstimmung ging eine öffentlich ausgetragene, heftige Kontroverse zwischen Befürwortern und Gegnern einer festen Quote voraus, die sich unter anderem quer durch die CDU zog - und am Ende wurde die Quote abgelehnt, obwohl kurioserweise eigentlich eine Mehrheit dafür ist. Kein Wunder also, dass derzeit mehr als jeder zweite Deutsche bei der Gleichberechtigung Handlungsbedarf sieht.

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