Spiel des Jahres 2015 Wilder Western aus Karton

Zugüberfall mal ganz anders: mit Pappkakteen und Holzbanditen.

(Foto: ludonaute/asmodee)
  • Das Spiel des Jahres 2015 heißt "Colt Express". Darin geht es um einen Zugraub im Wilden Westen.
  • Die Jury aus Spielekritikern hat auch das Kinderspiel des Jahres gekürt und das "Kennerspiel des Jahres", das sich an all diejenigen richtet, die komplexere Spielideen bevorzugen.

Die Banditen überfallen einen fahrenden Zug. Revolver rauchen, Fäuste fliegen, während die Wild-West-Gangster von Waggon zu Waggon hechten, um die Reisenden zu berauben. Das ist - kurz zusammengefasst - der Inhalt des Brettspiels "Colt Express", das zum Spiel des Jahres 2015 gewählt worden ist.

Der diesjährige Gewinner bricht mit dem Vorurteil, ein Brettspiel habe flach auf dem Tisch zu liegen. Spieleentwickler Christophe Raimbault präsentiert einen dreidimensionalen Kartonzug, stilecht mit Kartonkakteen und -büschen.

Was sich auf diesem Zug abspielt, erinnert an eine Szene aus dem Stummfilm "The General". Wie Buster Keaton stolpern die Spielfiguren - metaphorisch gesprochen - über den Zug. Reihum decken Spieler ihre Karten auf und setzen die darauf beschriebenen Aktionen um. Doch auch wer noch so vorbildlich plant - ein gezielter Kinnhaken eines Konkurrenten und man befindet sich einen Waggon weiter links, schießt ins Leere und findet im falschen Abteil keine Beute. Das Resultat: Slapstickeinlagen für die ganze Familie.

Gehen Sie nicht über Los!

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"Ein Spiel wie eine Westernparodie! Wer gerade noch darüber feixt, anderen Gaunern die Absichten vermasselt zu haben, tappt schon bald selbst in einen Hinterhalt. Diese Mischung aus Planung und Chaos hat Charme und viel Witz. Lok und Waggons als dreidimensionaler Spielplan machen 'Colt Express' zudem zu einem echten Hingucker", so die Begründung der Jury für die Auszeichnung.

"Colt Express" ist für zwei bis sechs Spieler ab zehn Jahren geeignet und dauert etwa 40 Minuten. (Hier ein Youtube-Kurzvideo zum Spiel).

Die Jury, die aus Spielekritikern und Journalisten besteht, vergibt den Preis für das beste Brett- oder Kartenspiel bereits seit 1979. Die Preisträger erhalten kein Geld, allerdings dürfen die Spieleverlage mit dem Signet der Jury werben. Dafür müssen sie Lizenzgebühren zahlen. Ausgezeichnete Spiele konnten in der vergangenen Jahren immer mit höheren Verkaufszahlen rechnen.

Berücksichtigt werden deutschsprachige Spiele des aktuellen Jahres und des Jahres davor. Seit 2011 wird zusätzlich das anspruchsvollere Kennerspiel des Jahres ausgezeichnet. Der Preis geht in diesem Jahr an "Broom Service". Die Spieler wetteifern darum, wer frisch gebraute Zaubertränke am schnellsten und effektivsten ausliefert. Dabei müssen sie entscheiden, ob sie mutig und damit lukrativer oder feige und damit weniger gewinnträchtig handeln. Dieser Entscheidungszwang "sorgt für Spannung am Fließband", so die Jury.

Das Kinderspiel des Jahres heißt "Spinderella". Die Handlung: ein Wettkampf zwischen Spinnen und Ameisen im Wald. "Ein außergewöhnliches dreidimensionales Spiel, das mit einer gelungenen Mischung aus Fortuna und Taktik auch bei älteren Mitspielern für viel Spannung sorgt", so das Urteil der Jury.

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