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Geschäft mit Brettspielen:Tausche zwei Lehm gegen ein Schaf

Fast jeder Deutsche hat schon mal "Die Siedler von Catan" gespielt. Kaum jemand weiß, dass deutsche Brettspiele ein Exportschlager sind. Spielregeln für ein gut funktionierendes Geschäft.

Fünf Menschen wollen Tokio in Schutt und Asche legen. Eine Frau aus Frankreich ist King Kong, der kleine Junge neben ihr Godzilla, drei erwachsene Männer streiten um die verbliebenen Monsterfiguren. Dann wird es still am Tisch. Alle lauschen geduldig dem gebrochenen Englisch eines Mannes, der neben ihnen kniet: "You have six black monster dice. Roll them! Keep some. Then roll the rest again!" Nach Ihrem Nicken zu urteilen, haben die Spieler die Regeln des Familienspiels King of Tokyo verstanden.

Zur weltgrößten Spielemesse, der SPIEL in Essen, kamen Ende Oktober mehr als 150.000 Besucher. Auf 48.000 Quadratmetern sahen sie, dass das analoge Brettspiel in Zeiten von GTA V und Battlefield 4 keineswegs verschwunden ist.

Natürlich lässt sich auch GTA V übers Netzwerk mit Freunden spielen - doch kein Videospiel ersetzt den Gesichtsausdruck des Gegners, wenn sein Monster von einem Energiestrahl, von einer Spielkarte ausgelöst, getroffen zu Boden sinkt. Um Videospiele gibt es einen Hype. Kommt ein neues Spiel heraus, überbieten sich Medien mit dem schnellsten Spielbericht, der treffendsten Einschätzung. Aber wie ist es um das analoge Spiel bestellt?

Der deutschen Spielebranche geht es gut. Laut der Fachgruppe Spiel e.V. ist der Umsatz im Einzelhandel um 5 Prozent gegenüber den ersten drei Quartalen des Vorjahres gewachsen. Der Sprecher des Vereins, Hermann Hutter, erwartet, dass dieses Jahr sogar die 400 Millionen-Umsatzgrenze geknackt werden könnte. Das Weihnachtsgeschäft sei entscheidend.

Spiele entwickeln - ein Hobby und ein Job

Für Verkaufszahlen und Entlohnung der Erfinder gelten in der Branche besondere Spielregeln.

Im Schnitt verkaufen sich Brettspiele für Erwachsene etwa 5000 Mal, die erfolgreichen bis zu 20.000 Mal. Kinderspiele können deutlich höhere Verkaufszahlen erreichen. Anders läuft es, sobald ein Spiel den begehrten, auch im Ausland anerkannten Preis "Spiel des Jahres" verliehen bekommt. Dann können sich Spiele, wie die diesjährigen Gewinner Hanabi (Spiel des Jahres 2013) und Die Legenden von Andor (Kennerspiel des Jahres 2013), bis zu einer halben Million Mal und mehr verkaufen.

Spiel des Jahres Strategiespiel mit fieser Wendung Video
"Legenden von Andor" im Test

Strategiespiel mit fieser Wendung

Mit Schwert, Axt, Bogen und Zauberstab das Land gegen einfallende Monsterhorden verteidigen - so wollen es "Die Legenden von Andor". Bis zu vier Spieler schlüpfen in die Rolle von Helden, gemeinsam müssen sie strategisch vorgehen und dann auf Würfelglück hoffen. Das als "Kennerspiel des Jahres" ausgezeichnete Brettspiel im Videotest.

Kann man allein vom Entwickeln von Brettspielen leben? Der freiberufliche Spieleautor Stefan Feld sagt Süddeutsche.de, was man an einem Spiel verdient: Je nach Vertrag bekommt der Erfinder des Spiels 4 bis 6 Prozent vom Händlerpreis, der wiederum bei 50 Prozent des Verkaufspreises liegt. Somit verdient Feld an Spielen wie Brügge und Amerigo zwischen 50 Cent und einem Euro pro verkauftem Spiel. Nach dieser Rechnung dürfte Klaus Teuber, der Erfinder des deutschen Verkaufsschlagers Die Siedler von Catan, Millionär sein.