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Skischulen :Krokodil auf der Piste

Winter im Sauerland Kinder üben am 14.01.2017 in Winterberg (Nordrhein-Westfalen) auf einer Piste auf dem Altastenberg das Skifahren.

Kinder lernen, wie sie dank Pizzastück den Berg hinunterkommen.

(Foto: dpa)

Kinder lernen immer früher Skifahren - mit neuen Methoden, die vieles leichter machen.

Das Kind will Ski fahren. "Mama, UNBEDINGT!" Seit es zwei Jahre alt ist, stellt es sich auf alles, was lang und flach ist, Bretter, Styroporverpackungen, platt gedrückte Küchenrollen. "Will Ski fahren!" Die älteren Cousins haben offenbar Eindruck hinterlassen.

Beste Voraussetzungen, denkt man, und stellt den Zweijährigen beim ersten Schnee auf die geerbten Mini-Skier der Cousins. Er rutscht begeistert den Hang hinunter, immer geradeaus, ohne zu bremsen. Nur dummerweise ist dem Kind nicht entgangen, dass die anderen mit Stöcken fahren. "Wo sind meine Stöcke?", ist bald der Satz, der Wutanfälle beschert und Nerven raubt. Jegliche Erklärungsversuche, dass man erst mal ohne Stöcke das Skifahren lernen muss, scheitern. Ebenso gut könnte man auf einen Schneemann einreden. Schnell steht fest: Nächsten Winter - Skikurs.

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Wie viele Kinder jeden Winter in Deutschland das Skifahren erlernen, dazu gibt es keine Zahlen. Doch hört man sich unter Skischulen in Deutschland und Österreich um, klagt keiner über fehlenden Nachwuchs. Eher fehlen die Skilehrer. Die meisten vermelden gleichbleibende, an manchen Orten sogar leicht steigende Schülerzahlen, und das, obwohl vor allem in den tiefer liegenden Gebieten die Zahl der Schneetage und Skifahrer seit Jahren rückläufig ist.

Woran das liegt? Zum Beispiel daran, dass Skischulen heute sogar schon Schnupperkurse für Zweijährige anbieten. Galt früher das Grundschulalter als ideales Skieinstiegsalter (von einem früheren Beginn rieten viele Orthopäden ab), hat heute ein Großteil der Kindergärten in bergnahen Regionen Skikurse im Programm. Die Skischule Ecki Kober in Lenggries-Wegscheid etwa kooperiert mit etwa 80 Kindergärten und einem Dutzend Schulen aus München und Umgebung. An Hochtagen lernen bis zu 500 Kinder auf der Sonnenseite des Braunecks das Skifahren. Die Größeren in Mehrtageskursen - die ganz Kleinen nur stundenweise. "Das Schwierige ist im Vergleich zu früher, dass sich die Kurse in schneearmen Wintern an wenigen Tagen ballen", sagt Eckhard Kober, seit 40 Jahren Skilehrer, seit 30 Jahren Inhaber einer Skischule. Schneit es, muss er seine Schule manchmal über Nacht von null auf hundert hochfahren. Bis zu 60 Skilehrer sind dann gleichzeitig im Einsatz. Denn das Versprechen der Skischule lautet: nie mehr als neun Kinder in einem Kurs.

"Mama, will nicht Ski fahren, nur zuschauen!" - für 43 Euro ein teurer Spaß

Hundert Kilometer weiter in Kössen in Tirol sind Wiesen und Wälder vor Silvester noch grün. Nur ein weißes Kunstschneeband windet sich den 1300 Meter hohen Unterberg hinunter und ergießt sich wie ein Lavastrom ins leicht abschüssige Bambini-Land. "Mama, will nicht Ski fahren. Nur zuschauen." So beginnt der erste Tag des Skikurses. Unser Sohn ist gerade drei geworden. Zwei Stunden Bambini-Skikurs haben wir am Vortag für ihn gebucht. Da hatte er noch verkündet: "Will Ski fahren, unbedingt!" Jetzt also nicht mehr, okay, dann eben nur zuschauen - ein ziemlich teurer Spaß für 43 Euro, doch mit Zwang, das habe ich im vorherigen Winter von Gerhard Told, Skischulleiter in Scheffau gelernt, geht vor allem beim Skifahren gar nichts. Die Lust müsse sorgsam gehegt und gepflegt werden. Ein "verdorbenes" Kind kriege man so schnell nicht wieder auf die Skier - zumindest nicht im selben Winter.

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Der Pflug heißt jetzt Pizza: Durch neue Lehrmethoden und die verbesserte Ausrüstung lernen Kinder das Skifahren jetzt doppelt so schnell wie ihre Eltern.

(Foto: Dik Wilmar/Outdoor Achiv)

Wir schauen also zu, beobachten, wie die anderen vier Stöpsel sich aufwärmen. "Wer sind wir?", fragt Franzi, 28, Skilehrerin aus Köln. "Die Schneemäuse!", rufen die Kinder. "Hip hip hurra!" Alle Arme fliegen hoch. "Woher kommt der Schnee?" "Aus der Schneekanone! Hip hip hurra!" Dann, nach fünf Minuten geschieht ein kleines Wunder: Das Kind lässt sich mir nichts, dir nichts von Franzi auf die Skier stellen. Schnapp macht das Krokodil, also die Bindung, zwei Mal. Dann sind die Skier angeschnallt und die Eltern vergessen.