Sexuelle Gewalt Australien

Hollywood ist plötzlich Downunder

In Australien war "Me Too" bis vor ein paar Tagen kein großes Thema. Es war eine Hollywood-Geschichte, exotisch und unterhaltsam. Schließlich hat Australien seinen eigenen Missbrauchsskandal: Vergangenes Jahr brachte eine Untersuchung zutage, dass katholische Priester Jahrzehnte lang systematisch Kinder missbraucht haben.

Dann wurde zur Prime Time im Fernsehen berichtet, dass Craig McLachlan, einer der bekanntesten Schauspieler Australiens ("McLeods Töchter"), angeblich über Jahre Frauen bedrängt und belästigt hat - verbal und tätlich. Sogar auf der Bühne, vor 2000 Zuschauern, während der "Rocky Horror Show", als er mit einer Darstellerin eine Bettszene spielte. "Er hat mir unter der Decke den Slip weggezogen und mich auf den Hintern geküsst", erzählte die Schauspielerin vor der Kamera unter Tränen.

Plötzlich war Hollywood Downunder. Der Beschuldigte galt sofort als schuldig, sogar Qualitätsmedien nannten ihn sofort beim Namen. Viele Männer verunsichert das. Nachgefragt bei Paul, 39, Angestellter in einem Heimwerkermarkt bei Sydney. "Männer stehen plötzlich unter Generalverdacht. Das stinkt mir", sagt Paul.

Von Catherine Deneuve habe er noch nie gehört. Er sei aber froh, dass die Französin mit ihrer Warnung vor "Hass von Männern und Sexualität" die Debatte "auf den Boden der Realität" zurückgebracht habe. "Nicht alle Männer sind Schweine", stellt Paul klar. "Ich habe jedenfalls noch nie eine Frau belästigt." Urs Wälterlin