Schauspielerin Eva Green Zu schüchtern für das echte Leben

Alle Kameras sind auf eine Frau gerichtet: Eva Green hat ein Faible für düstere Genres und Extreme, für brutale, manische, mindestens mysteriöse Frauen.

(Foto: AFP)

Die Schauspielerin Eva Green gilt als Femme fatale. Tatsächlich trat sie vor die Kamera, um ihre Ängste zu überwinden.

Porträt von Marten Rolff

Wer etwas über die Schauspielerin Eva Green lernen möchte, sollte sie einmal kurz in Beziehung setzen zu ihrer unmittelbaren Umgebung. Und Zeuge werden, welche Welten sich dazwischen auftun.

Der Ort: ein Korridor eines Luxushotels in London Mayfair. Der Anlass: Interview-Marathon für den neuen Film. Der Flur ist erfüllt vom soldatischen Hämmern der Absatzschuhe. Assistentinnen delegieren Reporter und Kamerateams. Wer ist wann dran, wer wartet wo? PR-Alltag.

Journalisten-Wünsche werden an solchen Tagen stets maximal säuselnd quittiert, trotzdem klingt hier jedes "Ich sehe, was ich für Sie tun kann" stets wie "Vergiss es!". Alles ganz normal. Bis man in eine Suite geschoben wird und vor einer gequält lächelnden Eva Green steht. "Grausam, oder?", sagt sie verständnisvoll. "Solche Interviews können enorm frustrierend sein."

Ein Star, der sich vorab für ein Gespräch entschuldigt - natürlich muss das nichts bedeuten. Höfliches Eröffnungsgeplänkel, ein wenig kokett womöglich. Hier jedoch ist man damit direkt beim Thema: Denn viele werden Eva Green vor allem als 007-Trauma aus "Casino Royale" kennen, und nicht wenige halten sie dazu für Hollywoods Erotikjoker fürs Fach der Femme fatale.

Doch Green selbst hält sich für das Gegenteil davon, für eine notorische Außenseiterin der Filmwelt. Und sie erklärt das später ungefähr so: Sie sei auch Schauspielerin geworden, weil sie oft nicht wusste, wie sie der Realität entgegentreten sollte. Nun erweise sich leider vieles, was die Schauspielerei mit sich bringt, als beängstigend real. Es klingt nicht wie eine Klage. Eher wie eine Feststellung.

Sie hat eine Händedruck, der an gekühlte Aubergine erinnert

Auch äußerlich wirkt Green anders, als ihre Rollen suggerieren. Sie hat ein Faible für düstere Genres und Extreme, für brutale, manische, mindestens mysteriöse Frauen. Ob als Schwert schwingende Kreuzfahrerkönigin bei Ridley Scott, als Hexe in "Camelot" oder als Lehrerin, die ihre Schülerin missbraucht, in "Cracks".

Im neuen Tim-Burton-Film, einem liebevoll die Exzentrik feiernden Märchen, spielt sie die resolute Leiterin eines Heims für Kinder mit besonderen Begabungen. Ihre Schützlinge muss sie mit der Armbrust vor augapfelfressenden Monstern verteidigen.

Wer solche Bilder im Kopf hat, ist eher auf raumgreifende Ein-Meter-Achtzig gefasst. Und nun steht da eine zierliche Frau in hochgeschlossener, schwarzer Spitze, mit einem Händedruck, der an gekühlte Aubergine erinnert. In der Linken hält sie die Schuhe, weil ihre Füße schmerzen.

Sie kann sich auch in kurze Antworten so vertiefen, dass es wirkt, als spiele sie

Im Gespräch hat Greens Aufmerksamkeit etwas Somnambules. Weil sie sich auch in kurze Antworten so vertiefen kann, dass es wirkt, als spiele sie. Erzählt sie etwa von den Dreharbeiten mit Tim Burton, dann klingt ihre Stimme sanft verschwörerisch. "Die Insel der besonderen Kinder" war der zweite Film mit ihm, sie liebt es, "dass man sich am Set selbst fühlen darf wie ein Kind".

Burton arbeitet oft mit denselben Leuten. "Es ist ein Familiending, man ist geschützt wie in einer Blase", sagt Green. Es gebe viel Spielraum für eigene Ideen und vor allem: "kein richtig oder falsch". Ganz im Gegensatz zur Arbeit mit vielen anderen Regisseuren, die - nun rollt ihr Ton dunkel metallisch, so als spreche da Darth Vader - "einem nur sagen: Mach dies! Lass das! Geh dorthin!"