Prominente im Garten:Grüne Weisheiten

Man möchte sich am liebsten ins gemachte Beet setzen. Aber ein schöner Garten macht Mühe. Es sei denn, man kennt gute Tricks - wie Joop, Dörrie und Co.

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Gärtnerin, Tulpen, Garten, AP

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Liebe Leser,

"nach 2000 Jahren Pflege wird mein Rasen recht annehmbar sein, denke ich." Richtig, das ist: Asterix bei den Briten. Im Comic ist ein Herr mit kleiner goldener Sichel zu sehen. In der typischen Gartenliebhaber-Haltung, die der Orthopädie seit 2000 Jahren zuverlässig Kundschaft zuführt: tief gebeugt. Mag auch die Sichel vom Rasenmäher verdrängt worden sein: Demut, Hingabe und Rückenleiden sind geblieben. Gärten sind großartige Sehnsuchtsorte. Unsere acht Seiten reichen natürlich nicht, um die Magie zwischen Himmel und Nacktschneckenhölle zu erklären. Versuchen wir's trotzdem.

Hier bückt sich Gärtnerin Renate Hagen auf dem Gelände der Bundesgartenschau 2009 nach den Tulpen.

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Wolfgang Joop; Garten; getty

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Wolfgang Joop entwirft Wunderkind Couture und baut in seinem Potsdamer Gemüsegarten exzessiv Kopfsalat, Kürbis und Zucchini an:

"Der Trick ist, die Tomaten zusammen mit dem Basilikum anzubauen. Die zwei mögen sich; sie passen zusammen, auf dem Teller und im Beet. Ich mag die unperfekten Früchte, also die mit der unordentlichen Figur, am liebsten. Die Amadeo F1 ist eine eher kleine Fleischtomate mit leichten Rippen; die Schlesische Himbeere klingt nicht nur hübsch, sie schmeckt auch sehr gut: etwas fester und dabei mild-süß. Das Pikieren habe ich schon als kleiner Junge von meiner Mutter gelernt. Die Erde muss ordentlich gelockert werden, und die Setzlinge brauchen genügend Platz. Das Wichtigste überhaupt: Konzentration auf die Pflanze und die direkte Ansprache wirken Wunder. Ich habe den Eindruck, die Tomatenpflanzen strengen sich dann besonders an. Meine Gemüsebeete liegen in Seenähe, dort ist die Erde besonders feucht. Das regelmäßige Wässern ist bei Tomaten essentiell. Aber bitte nur den Fuß! Sonst fangen sie an zu faulen. Die Triebe müssen so lange gerupft werden, bis die Pflanzen kräftig sind. Spezielle Geräte? Ein großer Löffel und eine Fleischgabel tun es auch! Mein Outfit? Kein spezielles, ich wechsle auf der Terrasse nur die Schuhe. Im Garten trage ich gerne Clogs. Der Gemüseanbau ist dem Designprozess nicht unähnlich. Man braucht Geduld, Hoffnung und weiß erst bei der Ernte, ob man die richtigen Samen gesät hat."

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Doris Dörrie; Berlinale; Garten; Getty

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Doris Dörrie, Regisseurin, hat in München-Schwabing keinen Garten, aber einen Balkon mit Kräutern:

"Mein Favorit: Kapuzinerkresse, Kapuzinerkresse, Kapuzinerkresse. Einmal, weil es schnell und dankbar wächst, zum Zweiten, weil es die wunderschönsten Farben von Zitronengelb über Orangensaftorange bis zu Blutrot kann und zum Dritten, weil man damit jeden Salat aufhübscht. Ich gebe zu, das Anziehen der Samen ist mühsam, und wenn man Schnecken hat, komplett sinnlos. Schneller geht es, wenn man auf Ableger vom letzten Jahr zurückgreifen kann oder ein paar kleine Pötte im Gartencenter kauft. Achtung, die Kresse blüht nur, wenn nicht zu stark gedüngt wird, und schöne Blüten gibt es auch nur dann, wenn sie einen Platz an der Sonne bekommt."

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Peter Kloeppel; RTL; Garten; Getty

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Peter Kloeppel ist Nachrichtenmoderator (RTL-Aktuell) und Diplom-Agraringenieur und hat in Bonn 250 Quadratmeter Rasenfläche zu pflegen:

"Die wirkliche Gartenarbeit obliegt fast ausschließlich meiner Frau, sie verhilft unseren Hortensien zur vollen Blüte. Ich bin für flankierende, botanisch anspruchslose Maßnahmen wie Rasenmähen, Vertikutieren, Moosbekämpfung, Maulwurf-Vergrämung und zur Reinigung der Regenrinnen zuständig. In Sachen Moos habe ich früher per Hand vertikutiert. Bei 250qm Rasen ist das wirklich kein Spaß. Meine schlaue Frau hat mir dann einen elektrischen Vertikutierer geschenkt. Seither bin ich hochmotiviert, die beste Anschaffung überhaupt! Man muss zwar aufpassen, dass man das Kabel nicht zersäbelt, aber dafür ist er nicht so laut wie ein benzinbetriebener. Der Rasen sieht danach wie eine geschorene Katze aus, rappelt sich dann aber innerhalb weniger Tage auf und wächst kräftig nach. Vorher verteile ich mit einem Streugerät Rasendünger mit integriertem Moosvernichter. Diese Two-in-One-Produkte sind besser, als ich dachte. Meine Frau, die ja Amerikanerin ist, hat hohe Ansprüche, was unseren Rasen angeht. In den USA gibt es bessere Rasensorten und aus mir unerklärlichen Gründen wächst er drüben sehr viel dichter. Nun ja, wir sind auf einem guten Weg bei uns zu Hause. Und mit dem Rasen ist es im Grunde so wie mit den Nachrichten: Der Arbeitsfluss hört nie auf."

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Eva Demski; Garten; dpa

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Eva Demski, Autorin, schreibt nicht nur über ihren Frankfurter Garten (Gartengeschichten), sie bestellt ihn auch selbst:

"Die Nieswurz habe ich durch Zufall entdeckt, an den noch frühlingskahlen Südhängen im Rheingau. Da saßen Blumennester in einem unwahrscheinlichen Grün, das allergrünste Grün, das ich je gesehen habe. Auch die Blüten waren grün, aber ein bisschen heller, und sie saßen wie Lichter auf der Pflanze. Ich hatte keine Ahnung, was das sein könnte, guckte es mir genau an, auf die Verwandtschaft mit der eindeutig winterlichen Christrose bin ich gar nicht gekommen. Diese frühen Frühlingsblumen waren im Gegensatz zu denen so unbändig heiter, ich habe mich aber nicht getraut, eine auszugraben und umzusiedeln. Vita Sackville-Wests florale Skrupellosigkeit habe ich noch nicht gelernt. Aber ich bin auf einem guten Weg. Wie die hübschen Dinger heißen, sah ich kurz drauf im Klostergarten von Seligenstadt, da wuchsen sie auch und hatten ein Schildchen. Nieswurz. Die Rheingauer Exemplare - es sind sehr viele - sind höchstwahrscheinlich aus Gärten in die Wildnis ausgewandert. Deshalb habe ich sie in die Zivilisation zurückgeholt, auf dass sie das grünste aller Grüns auch zu mir in den Garten bringt. Die Nieswurz mag Halbschatten und ein bisschen kalkhaltigen Boden. Als Gesellschaft ziehe ich Skabiosen in Erwägung, die blühen später. Als Halbwilde kommen sie mit wenig Wasser aus, überhaupt vertraue ich auf ihren Behauptungswillen, schließlich sind sie ein Hahnenfußgewächs!"

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Dieter Kosslick; Berlinale; Garten; ddp

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Dieter Kosslick leitet die Berliner Filmfestspiele und züchtet in seinem kleinen Stadtgarten Rittersporn und Tomaten aus Lanzarote:

"Vor Jahren habe ich in einem Antiquariat die Bücher des Gärtners Karl Foerster entdeckt. Der Erfinder des Automatischen Blütengartens ist ein großer Staudenkenner. Als ich noch auf meinem Bauernhof bei Hamburg lebte, habe ich nach seiner Methode angebaut. Herrlich, denn das ganze Jahr über blüht etwas. In meinem kleinen Berliner Garten funktioniert nur die abgespeckte Version. Seine Rittersporn-Sorten Tempelgong und Jubelruf gedeihen prächtig, wenn die Erde nicht zu sauer ist. Vorher also prüfen! Beim Pflanzen brav die Abstände einhalten. Am besten pflanzt man kleine Stauden, an denen man sich erfreuen kann, wie an einem heranwachsenden Kind. Der Rittersporn ist sehr empfindlich, man muss sich um ihn kümmern. Ein Bambusstab als Stütze empfiehlt sich sehr, auf keinen Fall grünes Plastik, das passt nicht zu ihm. An seiner Seite machen sich Phlox, die wunderschöne und zarte Schachbrettblume oder Eisenhut sehr gut. Wer noch mehr Inspiration will, besucht den Karl Foerster Garten in Bornim bei Potsdam."

Foto: ddp

Text: SZ vom 03.04.2010 (sueddeutsche.de/leja)

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