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Karl Lagerfeld:"Ich bin doch kein Inder"

Der deutsche Modedesigner Karl Lagerfeld ist immer gut für einen Spruch - auch in Paris hat er uns nicht enttäuscht. Eine Hommage in Bildern ...

Von Violetta Simon

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Der deutsche Modedesigner Karl Lagerfeld ist immer gut für einen Spruch - auch in Paris hat er uns nicht enttäuscht. Eine Hommage in Bildern ...​

Einer Waldlandschaft an einem Novembertag sollte das beeindruckende Ambiente der Schau von Karl Lagerfeld für Chanel auf der Pariser Fashion Week im März 2011 gleichen. Leider erinnerte die Szenerie eher an einen Meteoriten-Einschlag: staubende Kohle, düstere Wandbemalung, schwarzes Gestein. Aus einem Tor, treten Models, gehüllt in Nebelschwaden. Was will uns der Meister damit sagen? "Das ist mir im Halbschlaf eingefallen", sagt der Designer der Bild-Zeitung in einem Interview, "und ich hab's sofort gezeichnet."

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Auf die Frage, wie er bei all dem Trubel so ruhig bleiben könne - ob er vielleicht Yoga macht?, antwortet Lagerfeld: "Yoga? Ich bin doch kein Inder!" An Ruhestand denkt der Modeschöpfer noch lange nicht - auch wenn er den Pariser Designer Haider Ackermann als seinen Nachfolger bei Chanel ins Gespräch gebracht hat: "Aufhören? Nein! Ich liebe, was ich tue", verriet er der Bild.

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Lagerfeld sieht sich selbst als Marke: "Ich bin einzigartig. Meine Silhouette kennt jeder auf der Welt." Dennoch kennt auch er seine Grenzen: Dass er das Brautkleid für Prinz Williams Verlobte Kate Middleton entwerfen wird, findet er eher unwahrscheinlich. "Das Mädel muss ja einen englischen Designer wählen. Sonst gibt's Ärger", sagte er. Gerüchten zufolge soll die Nachfolgerin des verstorbenen britischen Modeschöpfers Alexander McQueen, Sarah Burton, den begehrten Auftrag erhalten haben.

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Nach eigenen Angaben wurde Karl Lagerfeld am 10. September 1938 in Hamburg als Sohn des Gründers der Glücksklee-Milch GmbH geboren. "Es gibt Leute, die behaupten, ich werde 75", sagte der Modeschöpfer im September 2008 - nach Lagerfelds Berechnungen dessen 70. Geburtstag. Sein wahres Alter liege irgendwo dazwischen. Blütenweißes Hemd mit Vatermörderkragen, schwarzer Anzug oder knallenge Jeans, weiß gepuderter Zopf und schwarz getönte Brille - so kennt man den ihn. Auf die Frage, ob er sich für schön halte, antwortete Lagerfeld einmal: "Ich finde, dass ich niemandem ähnlich sehe. Das ist besser."

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Lagerfeld mit seiner Muse "Clooodia". Models waren ihm stets die liebste Gesellschaft. Was er weniger mag, sind Kinder. "Kinder machen Lärm und können enttäuschend sein. Ich gebe allen Kindern, die ich treffe, denselben Rat, den ich als Kind bekommen habe: Entweder, du machst auf erwachsen, oder du hältst gleich den Mund." Lagerfeld darf nicht nur über Kinder schimpfen, er darf überhaupt alles. "Ich habe allerhand Freiheiten, weil ich sie mir nehme", behauptete er in einem Interview (SZ, Mai 2008).

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2008 entwarf der Designer höchstpersönlich einen Steiff-Teddybär - natürlich ist er nicht zum Spielen gedacht. Das 40 Zentimeter große, handgefertigte Schmuse-Tiere kostet 1000 Euro und trägt Sonnenbrille, schwarze Seidenkrawatte sowie weißes Hemd mit Stehkragen und Knopf-Leiste. Warum? "Ich interessiere mich nur für mich selbst und mein Spiegelbild", erklärt Lagerfeld.

Foto: 2008 / Reuters

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Er sei nicht allzu lange Kind geblieben, sagt Lagerfeld über sich. Tiere hingegen liebe er sehr. "Vor allem, wenn sie mit Baumwolle oder Polyester gestopft sind. So kann man am besten sicherstellen, dass sie nicht beißen, nicht fressen, nicht schlecht riechen und ihre Sachen nicht schmutzig machen." (Die Welt, 2006)

Foto: Haute Couture Fashion Show in Hong Kong, März 2006 / AP

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Lagerfeld ist der Ansicht, ein Mann sollte sich nicht nur auf sein Äußeres verlassen, weil ihn sonst irgendwann die Zeit verrate. "Bei gut aussehenden Leuten besteht die Gefahr, dass sie glauben, das Gutaussehen reiche schon zum Leben. Da muss es aber schon auch noch eine intellektuelle oder spirituelle Entwicklung geben. Sonst führt die Einbahnstraße direkt vor die Wand." 2008 erweiterte der Modedesigner seinen Wirkungsbereich und gestaltete als Innenarchitekt 80 Luxusvillen in Dubai. Die Stadt wird, da ist er sich sicher, bald als "Hauptschlagader der Modewelt" gelten."

Foto: 2008 / dpa

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Als in Frankreich die Pflicht eingeführt wird, eine Sicherheitsweste im Auto mitzuführen, wirbt Lagerfeld für das neongelbe Leibchen. Der Modeschöpfer posiert auf dem Plakat im schwarzen Anzug mit Fliege und Sonnenbrille - darüber die gelbe Weste. Daneben steht: "Sie ist gelb. Sie ist hässlich. Sie passt zu nichts. Aber sie kann Leben retten". Lagerfeld verlangt kein Honorar für die Aktion, es sei ihm wichtig, sich an der Kampagne für Verkehrssicherheit zu beteiligen, erklärte eine Sprecherin.

Foto: 2007 / dpa

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Lagerfeld verachtet Waagen, weil das ständige Wiegen "zu einer Besessenheit führen kann". Um sein Gewicht von exakt 60 Kilo zu halten, bedient er sich einer anderen Methode: "Ich trage enge Anzüge, damit ich nicht zunehmen kann. Mein einziger Ehrgeiz ist es, weiterhin bei Dior Größe 48/46 tragen zu können", sagt er 2006 in einem Interview.

Foto: New York 2006 / AFP

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Lagerfeld trägt gern grungige Silberketten um die Handgelenke und fast immer Lederhandschuhe, die die beringten unteren Fingerglieder frei geben. Dass das ein wenig ungewöhnlich ist, weiß er: "Es gibt Branchen, in denen es nicht verstanden werden wird, wenn ein Mann sich so anziehen würde."

Foto: Paris 2005 / P

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In einem Interview mit der Bunten (September 2003) beschreibt Lagerfeld seinen Gemütszustand mit folgenden Worten: "Auf Kälte und Wärme reagiere ich nicht. Ich bin ja selbst nicht mehr menschlich. Ich bin eine Abstraktion. Eine Marionette, die von mir selbst manipuliert wird. Will ich auch sein. Ich habe mit irdischen Problemen wenig zu tun."

Foto: Paris 2005 / AFP

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Das Outfit repräsentiert für Lagerfeld die innere Haltung: "Ich kann verstehen, wenn Menschen keinen besonderen Wert auf Garderobe legen. Sich gehen lassen ist aber auch nicht gut, weil es der Gesundheit schadet. Wenn die Leute zu viel trinken, zu viel rauchen, zu viel essen, zu viel fernsehen, dann ist es wie bei einem schlampig gewarteten Auto: Der Motor geht kaputt." (Die Welt, November 2006)

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2004 entwirft Lagerfeld eine Kollektion für die Textilhandelskette H&M. "Mir brachte diese Sache unglaubliche Popularität. Es hat ja auf der ganzen Welt funktioniert. Und zwar so, dass ich nicht mehr unerkannt auf die Straße gehen kann", erzählt er 2004 in einem SZ-Interview. Dabei sei er es gewohnt, begafft zu werden. Gegenüber der Welt erzählt er: "Als ich ungefähr zwölf war, sagte meine Mutter: "Hast du mal in den Spiegel geguckt? Du bist doch selbst schuld!" Sie hatte Recht. Die anderen Jungen hatten Bürstenschnitt, ich machte auf exotische Blüte, mit langen Haaren und großen Locken."

Foto: 2004 / dpa

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2002 eröffnet Lagerfeld in München die Fotoausstellung "Bodywave/Waterdance". Inspiriert wurde er von dem dänischen Schwimmer Christian Nielsen, den er persönlich ins rechte Licht rückte. Intime Beziehungen zu anderen Menschen bleiben indes im Dunkeln. Auf sein mysteriöses Liebesleben angesprochen, erklärt Lagerfeld der Bunten gegenüber: "Was soll an meinem Liebesleben geheimnisvoll sein? Ich habe die Altersgrenze erreicht, ab der mein Liebesleben kein Unterhaltungsthema mehr sein sollte. Ich bin diesbezüglich der Welt so sehr abhanden gekommen, dass ich aus solchen Nebensächlichkeiten keine persönliche Affäre mehr mache."

Foto: München 2002 / dpa

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Die meisten seiner Kollegen liefern zwei Kollektionen pro Jahr. Lagerfeld liefert etwa 15, davon allein acht für Chanel. Ferien hält er für überflüssig: "Wir tun ohnehin den ganzen Tag, was uns Spaß macht. Entwerfen ist für mich so selbstverständlich wie Atmen. Ich denke noch im Schlaf an meine Arbeit und schreibe die Gedanken beim Aufstehen auf." (Focus, 2007)

Foto: Paris 2002 / AP

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Als seine Mutter ihn als 30-Jährigen in Paris besucht - er ist Kreativdirektor bei Chloé -, begrüßt sie ihren Sohn abends mit den Worten: "Schade, dass du dich nicht über den Hof gehen siehst, sonst hättest du gesehen, was für einen dicken Po du gekriegt hast." Erst 20 Jahre später hat auch der 102-Kilo-Mann keine Lust mehr auf sein moppeliges Spiegelbild und beginnt unter Aufsicht seines Leibarztes Jean-Claude Houdret eine strenge Diät. Er nimmt so lange ab, bis er sich rundum perfekt findet.

Foto: Paris 2000 / dpa

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Mithilfe der so genannten 3D-Diät, die er von einem eigenen Koch zubereiten lässt, verliert Lagerfeld innerhalb von 13 Monaten 42 Kilo Gewicht. Man nennt ihn nun den "Strich von Paris". Sein einziges Ziel im Leben sei jetzt, mit 60 Kilo Körpergewicht, "die kleinste Hosengröße zu haben." Während er sich früher in voluminöse Yamamoto-Anzüge der Größe XL hüllte, trägt er heute Jeans, die man nur im Liegen schließen kann. "Da kommen nicht mal meine schlanksten Assistenten rein", triumphiert er, "höchstens die Kinder meiner Freunde" (Berliner Zeitung, 2003). Seine alten Hosen hat er inzwischen im Park seines Anwesens vergraben - damit er nicht in Versuchung kommt, wie er erklärt.

Foto: Paris 2002 / AP

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Quelle: 2000 / AP

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Ein Bild, das längst vergessen ist - und das er stets verdrängt: So sah Lagerfeld im Jahr 2000, mit etwa 100 Kilo, aus. In einem Gespräch mit der SZ erklärt er acht Jahre später: "Noch mehr als Essen liebe ich gut sitzende Kleidung, also muss man was opfern. Der alte Spruch 'Erlaubt ist, was gefällt' funktioniert bei mir andersrum: Mir gefällt nur, was erlaubt ist." Er hasse aufgezwungenen Faschismus, aber für ihn sei er genau die richtige Disziplin: "Ich bin Autofaschist." (SZ, Mai 2008)

Foto: Paris 2000 / AP

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Der Fächer war das Markenzeichen seiner "fetten Jahre" - ebenso wie Brille und Mozartzopf. Im Dezember 1999 lässt Lagerfeld verlauten, dass er sich von seinem Zopf trennen will. Er tat es dann doch nicht, zum Glück. Gegenüber dem Focus sagt er: "Man muss sich selbst ständig neu erfinden. Schön und gut, ein Ziel zu erreichen, aber was macht man danach? Aus Erfolgen lernt man überhaupt nichts, und Perfektion ist trügerisch."

Foto: 1997 mit Nadja Auermann bei "Wetten dass ..." / dpa

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Als Kind wollte er Bäcker werden, aber seine Mutter verbot es ihm mit der Begründung: 'Kommt nicht in Frage. Macht dick'. So lange er denken könne, habe er sich für Kleidung interessiert, erzählt er 2007 in einem Interview. Mit 16 Jahren gewann er einen internationalen Modezeichner-Wettbewerb zwischen 200.000 Kandidaten. "Seither glaube ich an die Macht des Glücks. Es gibt Menschen mit viel Talent - aber ohne Fortune. Glück zu haben ist Zufall." (Focus)

Foto: Paris 1996 / AP

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Lagerfeld hatte 20 Jahre lang ein Liebesverhältnis mit einem 13 Jahre jüngeren Mann. Er starb 1989 an dem HI-Virus. Die Beziehung zu ihm beschreibt der Modeschöpfer eher als Vater-Sohn-Verhältnis: "Seine Welt war nicht meine Welt". Lagerfeld, der Heiraten als "Freiheitsberaubung" empfindet, hasst es, Tag und Nacht Leute um sich zu haben. "Am liebsten beurteile ich mich selber bei meinem Tun. Und daneben gibt es noch jemanden, der genau beobachtet, was ich tue. Das bin aber auch ich". (Weltwoche, 2003).

Foto: 1996 mit Claudia Schiffer und Naomi Campbell in Paris / AP

© sueddeutsche.de/vs/jaja
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