Gesellschaft:Studie: Gewalt gegen Frauen kein Randphänomen

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Ein Mann und eine Frau stehen hinter einem zerbrochenen Teller in einer Küche. (Foto: Sebastian Gollnow/dpa/Illustration)

Laut Statistik wurden 2022 in Sachsen knapp 300 Frauen Opfer einer Vergewaltigung, Nötigung oder von schweren sexuellen Übergriffen. Ein großer Teil der Fälle kommt nicht ans Licht - das hat einen Grund.

Direkt aus dem dpa-Newskanal: Dieser Text wurde automatisch von der Deutschen Presse-Agentur (dpa) übernommen und von der SZ-Redaktion nicht bearbeitet.

Dresden (dpa/sn) - Gewalt gegen Frauen ist auch in Sachsen Alltag und kommt in allen gesellschaftlichen Schichten vor. Das ist ein Fazit der ersten Dunkelfeldstudie im Freistaat zur Betroffenheit von Frauen durch verschiedene Formen von Gewalt. „Geschlechtsspezifische Gewalt gegen Frauen ist kein Randphänomen. Die blanken Zahlen sprechen da für sich“, sagte Justizministerin Katja Meier (Grüne) am Donnerstag in Dresden. „Diese Studie ist eine wichtige Grundlage, um präventiv zu arbeiten und Maßnahmen zu entwickeln, mit denen wir gezielt auf die Bedarfe von Menschen eingehen können, die von häuslicher oder sexualisierter Gewalt oder Stalking betroffen sind.“

Laut der Studie der Hochschule Merseburg erlebte fast ein Drittel (30 Prozent) der Teilnehmerinnen bereits Gewalt in Form von Zwang zu sexuellen Handlungen, mehr als die Hälfte den Versuch etwa zu einer Vergewaltigung. Die Täter waren fast ausschließlich Männer. Der Tatort lag meist im eigenen Wohnumfeld. 45 Prozent der Befragten erfuhren häusliche Gewalt auf psychischer Ebene, 35 Prozent auf körperlicher. Etwa jede dritte Befragte erfuhr vom Partner körperliche und/oder sexuelle Übergriffe erfahren. Neun von zehn befragten Frauen gaben an, Belästigungen wie aufdringliche Blicke oder als unangemessen empfundene Sprüche erlebt zu haben. 40 Prozent der Studien-Teilnehmerinnen haben Erfahrung mit Stalking.

„Neun von zehn Vorfällen bleiben im Dunkelfeld“, sagte Meier. Vor allem bei sexuellen Übergriffen, aber auch bei Stalking und häuslicher Gewalt sei damit von einem sehr großen Dunkelfeld auszugehen. Laut Meier wird geschlechtsspezifische Gewalt häufig verharmlost und den Opfern eine Mitschuld unterstellt.

Die Frauen im Alter ab 16 Jahren wurden im Zeitraum von Mitte Mai 2022 bis zum 1. Oktober befragt. Gut 1300 online Fragebögen wurden ausgewertet.

Meier zufolge entwickelt die sächsische Regierung derzeit einen Landesaktionsplan zur Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen. Er soll Maßnahmen für die kommenden sechs Jahre enthalten und im vierten Quartal dieses Jahres beschlossen werden. Nach den Worten der Ministerin untermauert die nun vorliegende Studie sehr klar, welche Bedarfe beim Schutz- und Hilfesystem noch vorhanden sind.

Die polizeiliche Kriminalstatistik erfasste im vergangenen Jahr in Sachsen 927 Frauen als Betroffene von Stalking und knapp 300 weibliche Opfer von Vergewaltigung, Nötigung und besonders schwerwiegenden sexuellen Übergriffen. „Ein großer Teil der Übergriffe taucht jedoch nie in der Statistik auf, weil sie nicht angezeigt und damit nicht verfolgt werden - oftmals aus Scham oder Angst der Betroffenen, nicht ernst genommen zu werden“, hieß es.

© dpa-infocom, dpa:230406-99-231798/2

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