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Gesellschaft - Mainz:Jugendliche dringen auf mehr politische Beteiligung

Mainz (dpa/lrs) - Die Fronten um das Wahlalter ab 16 Jahre sind in Rheinland-Pfalz seit langem verhärtet. Die für die nötige Mehrheit im Landtag erforderliche Zustimmung der CDU steht weiter aus. Inzwischen aber werden junge Menschen neu wahrgenommen, auch aufgrund der Klimaschutzproteste von "Fridays for Future". "Manche glauben fest daran, dass sich noch etwas tut", sagt die Bildungsreferentin des Landesjugendrings, Nadya Konrad. "Wir kämpfen weiter dafür, es wäre das Richtige."

"Die Jugend wird politischer", sagt Konrad im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur. Dies werde von allen aktuellen Studien bestätigt und habe sich auch beim "Dorf-Test" des Landesjugendrings gezeigt. Bei dieser Online-Umfrage sprachen sich 50,6 Prozent von mehr als 2100 jungen Menschen für das Wahlalter 16 aus. Unter der Bedingung einer besseren Vorbereitung auf eine Wahlbeteiligung lag die Zustimmung bei 72,1 Prozent.

Die Einschätzung einer zunehmend politisierten jungen Generation wird von vielen geteilt. "So politisch war die Jugend schon lange nicht mehr", sagt Bildungsministerin Stefanie Hubig (SPD) und spricht von einem guten Zeichen, das von "Fridays for Future" ausgehe: "Wir sind sehr froh über dieses Engagement, dass sich Schülerinnen und Schüler politisch engagieren für diese Ziele, die für uns alle überlebenswichtig sind."

Bei der FDP hat sich die Fraktionsvorsitzende Cornelia Willius-Senzer das kommunale Wahlalter ab 16 zum Herzensthema gemacht. "Ich werde wieder hier stehen, viermal, fünfmal, sechsmal, bis wir es irgendwann einmal erreicht haben", sagte sie im März bei der letzten Landtagsdebatte zum Thema. In einem Interview des "Trierischen Volksfreunds" kündigte sie an, dass sie noch in diesem Sommer mit CDU-Fraktionschef Christian Baldauf darüber sprechen wolle.

Politische Partizipation von Jugendlichen könne nur dann erfolgreich sein, wenn auch das politische System mit seinen Akteuren von jungen Menschen angenommen werde, erklärt die familienpolitische Sprecherin der CDU-Fraktion, Simone Huth-Haage. "Im Gegenzug muss Politik natürlich auch junge Menschen ernst nehmen." Jugendliche wollten gehört werden. "Das demonstrieren uns Tausende Schülerinnen und Schüler jeden Freitag landesweit." Entscheidend seien direkte und moderne Kommunikationsformen. "Wir müssen stärker ins Gespräch kommen, einander verstehen und erkennen, was Jugendliche bewegt - der unmittelbare Austausch sowie das gegenseitige Verständnis kann die politische Partizipation von Jugendlichen fördern."

Gerade bei den Kommunikationsformen gehen Jugendliche allerdings oft ihre eigenen Wege. Sie organisieren sich in Gruppen und Initiativen, halten sich in Gruppen von Messager-Diensten wie WhatsApp oder Telegram auf dem Laufenden. Und sie lehnen vielfach herkömmliche Strukturen mit Leitern oder Sprechern ab.

"Jugendliche beteiligen sich nicht in der klassischen Form, wie Erwachsene das wollen", sagt Nadya Konrad in der Zentrale des Landesjugendrings in Mainz. Sie fänden sich zunächst völlig informell zusammen und entwickelten ihre eigenen Regeln in der Zusammenarbeit. "Für diejenigen, die Fridays for Future mit organisieren, ist das ein Riesen-Push." Aber auch alle anderen Teilnehmer profitierten von der Erfahrung, etwas ausrichten zu können und Beachtung zu finden. "Wichtig ist, dass sie das während der Schulzeit machen - sonst wäre es kein Streik."

Sie erlebe die jetzige Generation als sehr selbstbewusst, sagt Konrad. Dies zeige sich auch darin, dass viele Jugendliche bereits mit klaren Forderungen ins Berufsleben einstiegen. In den vergangenen Jahren - etwa seit Mitte der 80er und Anfang der 90er Jahre seien Jugendliche vielfach angepasster und konsumorientierter gewesen. Das Engagement der neuen Generation tue der Gesellschaft insgesamt gut. Das Bewusstsein dafür sei schon bei Kindern im Grundschulalter zu erkennen. "Kinder sind häufig noch unverdorbener als wir. Sie haben den Blick, was wirklich wichtig ist, ein genaues Gespür für Gerechtigkeit."