Kirsten Fuchs:

Einmischen klingt immer so unangenehm, zumindest sollten Sie sich nicht direkt in die Situation einmischen. Das schwächt die Autorität Ihres Freundes als Vater. Ich würde mit Ihrem Freund reden. In den Knien locker, einatmen, ausatmen und schön fair bleiben: Ihnen ist das aufgefallen, Sie finden das nicht gut usw., weil es für den Sohn auch nicht gut ist. Und jetzt brauchen Sie Argumente, und die liefere ich Ihnen auch gleich: Der Sohn liebt seinen Vater auch, wenn der ihn erzieht. Und der Sohn braucht das sogar. Das ist gut für ihn. Will er Zucker essen und bekommt etwas Gesundes, ist das auch Liebe. Hat Ihr Freund ein schlechtes Gewissen, weil er ein Feriendaddy ist? Ohne schlechtes Gewissen kann man wesentlich besser erziehen. Oder hat er gar keine Lust auf Erziehen? Das ist aber seine Aufgabe. Außerdem muss er es auch der Mutter nicht unnötig schwer machen, indem er ihr die unliebsame Position der alleinigen Erziehung überlässt. Ja, reden Sie mit ihm.

Kirsten Fuchs ist Schriftstellerin und lebt mit Tochter, Mann und Hund in Berlin. Sie schreibt vor allem Kurzgeschichten und Romane, aber auch Theaterstücke sowie Kinder- und Jugendbücher. Ihr Buch "Mädchenmeute" erhielt 2016 den Deutschen Jugendliteraturpreis.

Bild: Stefanie Fiebrig 11. September 2018, 11:082018-09-11 11:08:40 © SZ vom 8.9.18/vs