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Expertentipps zur Erziehung:Welche Geschenke Kinder glücklich machen

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Hoffentlich liegt nicht das Falsche unter dem Baum...

(Foto: Lise Gagne / iStockphoto)

Einige Kinder finden unter dem Weihnachtsbaum wahre Geschenkeberge vor und sind nach dem Auspacken trotzdem enttäuscht. Psychologin Svenja Lüthge erklärt im Interview die Kunst des Schenkens und wie Heiligabend für die ganze Familie zu einer schönen Erinnerung wird.

An Weihnachten werden manche Kinder mit Präsenten überschüttet, bei anderen Familien reicht das Geld nicht für große Geschenke. Psychologin Svenja Lüthge sagt, warum Eltern die Länge des Wunschzettels begrenzen sollten und was an Heiligabend wirklich wichtig ist.

Süddeutsche.de: Kinder zu beschenken ist doch eigentlich einfach, schließlich haben sie immer viele Wünsche. Warum beschleicht Eltern trotzdem am Weihnachtsabend das Gefühl, dass nicht das Richtige unter dem Baum lag?

Svenja Lüthge: Kinder, egal welchen Alters, tragen einen Herzenswunsch in sich, und den sollten Eltern, wenn es ihnen irgendwie möglich ist, auch erfüllen. Auf den Wunschzetteln stehen oft viele "Nebenbei-Wünsche", die den Kindern eigentlich gar nicht so wichtig sind. Wenn nur die statt dem Herzenswunsch da liegen, sind die Kleinen etwas enttäuscht. Wenn sich Eltern mit ihren Kindern auseinandersetzen und Wünsche hinterfragen, finden sie heraus, was ihnen wirklich am Herzen liegt. Auch sollten sie sich schon vor dem Advent merken, was ihren Kindern besonders gut gefallen hat, zum Beispiel der Spielzeug-Arztkoffer in einem Wartezimmer oder ein Schnitzmesser. Tauchen diese Dinge nicht auf der Wunschliste auf, können Eltern sie in Erinnerung bringen.

Wie lang darf der Wunschzettel denn werden?

Wenn 25 Dinge draufstehen, misst das Kind den einzelnen Sachen kaum noch Bedeutung bei. Ist die Länge der Liste aber auf fünf bis sechs Dinge begrenzt, muss es sich vorher überlegen, was es wirklich will - dann freut es sich umso mehr auf und über die einzelnen Präsente. Auf dem Wunschzettel ist weniger mehr, wie beim Schenken generell.

Allerdings sind es oft nicht nur Mütter und Väter, die den Kindern eine Freude machen wollen, sondern auch Großeltern, Tanten, Onkel ... Wie steuern Eltern das sinnvoll?

Es ist ganz wichtig, dass Eltern rechtzeitig die Koordination übernehmen. An Heiligabend gibt es den Herzenswunsch und bei den Verwandtenbesuchen noch Kleinigkeiten, die das Hauptgeschenk auch vervollständigen können. Bekommt zum Beispiel das Kind einen Kaufladen, schenken die Großeltern weitere Waren zum Einräumen und einen Einkaufskorb dazu. Wollen Verwandte noch mehr spendieren, landet das besser im Sparschwein.

Mehr Geschenke machen also wirklich nicht glücklicher?

Gerade jüngere Kinder sind neurologisch noch nicht in der Lage, den Geschenkeberg in ihrer Wahrnehmung und Gefühlswelt einzuordnen. Also tut man ihnen damit keinen Gefallen, sie sind überfordert. Dabei wissen wir doch von uns selbst, dass wir nicht viel brauchen, um uns zu freuen. Ein Schmuckstück, das wir uns schon lange gewünscht haben, macht uns mehr Freude als zehn andere Dinge. Manchmal reicht ein selbstgemaltes Bild, weil sich der andere für uns Mühe gegeben hat.

Nun wird in Familien gerne darüber diskutiert, was besser ist: alle Geschenke vorher zusammenbauen oder gemeinsam mit dem Kind?

Es gibt natürlich Kinder, denen das gemeinsame Werkeln so viel Freude macht, dass es ihnen nicht zu lange dauert. Aber die meisten sind nicht so geduldig. Sie wollen gleich losspielen und ihr Geschenk ausprobieren. Wenn da erst ewig gesteckt, geschraubt und vielleicht ein wenig geflucht wird, ist ihnen schnell langweilig. Und die Eltern sind genervt, sie würden gerne zum entspannten Teil des Weihnachtsabends übergehen, statt möglichst schnell eine hundertteilige Herausforderung bewältigen zu müssen, bevor die Ritter in die Burg einziehen können.

Und wenn das Kind ein Pony will?

Wenn der größte Wunsch des Kindes aber keine Ritterburg ist, sondern ein Pony oder ein Hund, können und wollen Eltern das meist nicht erfüllen.

Das müssen sie ihren Kindern unbedingt noch vor dem Wunschzettelschreiben erklären: Das Christkind oder der Weihnachtsmann wird kein Pony bringen, weil es weiß, dass wir nicht genug Platz dafür haben. Aber Eltern sollten auch diesen Wunsch ernst nehmen und sich überlegen, wie sie ihn zumindest ein Stück weit wahrmachen können: Dann liegt unter dem Baum eben ein Brief vom Christkind, in dem es ankündigt, dass die Eltern einmal im Monat mit dem Kind einen Ponyhof besuchen werden.

Manche Familien können sich die größten Wünsche ihrer Kinder gar nicht leisten, es fehlt das Geld für Dinge, die andere wie selbstverständlich bekommen. Wie haben diese Familien dennoch ein schönes Weihnachten?

Selbst wenn nicht so viel Geld für Geschenke da ist, sollen sich Kinder geborgen fühlen. Da ist das Drumherum noch wichtiger: Familientraditionen, die Halt geben. Sei es, dass am Weihnachtstag Futter für die Tiere herausgebracht wird. Oder es wird gemeinsam gebacken oder gespielt. Die Krippe wird aufgestellt und Teelichter angezündet. Alle Eltern sollten sich überlegen, welche Rituale ihnen selbst früher wichtig waren - und auch, welchen neuen Brauch sie gerne weitergeben wollen.

Weihnachten ist das Fest der Liebe, Geborgenheit und Familie. Stehen die Geschenke zu sehr im Vordergrund?

Sie sind den Kindern natürlich sehr wichtig. Aber wenn Sie sich an Ihre Kindheit zurückerinnern, werden Ihnen die Familienbräuche einfallen und weniger die Präsente. Man denkt daran, wie alle zusammen den Baum nach Hause getragen und geschmückt haben. Wie alle beim Warten auf die Bescherung gesungen haben. Man denkt an das gemeinsam Erlebte, und dafür sollte man sich an Weihnachten bewusst Zeit nehmen und das auch genießen - und sich nicht davon stressen lassen, dass der Baum nicht perfekt und die Gans ein wenig knusperig ist. Wir sind an Weihnachten immer zur Großmutter aufs Land gefahren. Es war wunderbar an Heiligabend auf dem Dorf, alle haben sich in der Kirche getroffen und im Wohnzimmer knarzten die alten Dielen. Das war Weihnachten für mich.

Erinnern Sie sich auch noch an Ihr schönstes Geschenk?

Das war eine sehr kommerzielle Puppe namens Suse. Die konnte man an den Puppenwagen anstöpseln und einen Knopf drücken, dann hob sie die Arme und klimperte mit den Augen. Ich dachte, dass ich sie niemals bekommen würde. Denn meine Mutter fand diese Puppe so doof, dass ich überzeugt war, dass der Weihnachtsmann ihre Meinung teilte. Als Suse dann doch unter dem Baum lag, war ich glücklich.

Die Diplom-Psychologin Svenja Lüthge führt eine Praxis in Kiel, in der sie neben Einzel- und Paarberatung unter anderem auch Elterncoaching anbietet und Lösungsmöglichkeiten bei familiären Konfliktsituationen aufzeigt.

Fragen Sie ein Kind nicht, weshalb wir Weihnachten feiern. Es antwortet sowieso: wegen der Geschenke. Sein Wunschzettel ist lang, die Wünsche sind teuer. Und dann mischen sich auch noch die Großeltern ein. Die Erziehungskolumne.

© Süddeutsche.de/mrj/holz
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