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Expertentipps zur Erziehung:Wie profitieren Kinder von zwei Monaten Väterzeit?

Süddeutsche.de: Bringt es den Kindern langfristig überhaupt etwas, wenn der Vater zwei Monate rund um die Uhr da ist und dann oft wieder rund um die Uhr weg?

Röhrbein: Zunächst einmal gehen heute vier von zehn Anträgen über eine längere Väterzeit als zwei Monate, da hat sich was verändert. Und ja, auch zwei Monate sind wertvoll! In dieser Zeit gewinnen Väter mehr Verständnis für den Charakter ihres Kindes, sie haben in diesen Wochen Höhen und Tiefen gemeinsam erlebt. Das verbindet! Nun wissen Väter eher, welches das Lieblingskuscheltier ist, bei Älteren, wie deren wichtigsten Freunde heißen - auf die Erfahrungen dieser Zeit können sie immer wieder zurückgreifen und etwa mit gezielten Nachfragen weiterhin Interesse am Alltag ihres Kindes zeigen.

Süddeutsche.de: Mehr als zwei Monate sind trotzdem für viele Väter nicht drin. Wie können diese Väter, die unter der Woche kaum zu Hause sind, dennoch ein gutes Verhältnis zu ihren Kindern bewahren?

Röhrbein: Sie sollten sich die Frage stellen, was von der Väterzeit danach weitergehen soll und kann: Sei es das gemeinsame Schwimmen einmal in der Woche oder dass der Vater das Kind morgens in die Krippe bringt. Wo kann ich als Vater weiterhin Verantwortung übernehmen und den Kontakt zum Kind halten? Von Anfang an sollten sich Väter genau überlegen, welche Rolle sie spielen wollen in Beruf, Freizeit und Familie. Die Arbeit wird oft zum Automatismus. Daher sollten sich beide Eltern etwa halbjährlich zusammensetzen und besprechen, ob sie mit dem jetzigen Zustand zufrieden sind und was sie sich voneinander wünschen. Und wie können sie sich wechselseitig den Rücken freihalten, wenn die Mutter wieder arbeitet? Das auszuhandeln und zu ritualisieren ist wichtig, damit das Paar nicht auf der Strecke bleibt.

Süddeutsche.de: Arbeit, Familie und Freizeit in einer Sieben-Tage-Woche unterzubringen, ist nicht ganz einfach ...

Röhrbein: Deshalb macht es Sinn, eingefahrene Strukturen immer wieder in Frage zu stellen. Und die Eltern sollten von Anfang an Paarrituale in kurzen Zeitabständen fest einplanen. Da ist ein guter Babysitter sein Geld, ja Gold wert. Denn mit Zeit für den Partner und Zeit für Kommunikation beugen die Eltern Unzufriedenheit und Streit vor.

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