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Entscheidung im Europäischen Parlament:Klebefleisch muss gekennzeichnet werden

Schluss mit Mogelpackungen: Das Europäische Parlament hat nach jahrelangem Ringen neue Regeln für die Kennzeichnung von Lebensmitteln beschlossen. Politiker loben den aus ihrer Sicht "ausgewogenen Kompromiss" - Verbraucherschützer sind dagegen bitter enttäuscht.

Bessere Kennzeichnung von Lebensmitteln zum Schutz der Verbraucher: Nach zähen, drei Jahre währenden Verhandlungen hat das Europaparlament den Weg zu strengeren Regeln für die Lebensmittelkennzeichnung freigemacht. Doch bei Verbraucherschützern stößt die Neuregelung auf Kritik.

Ab 2014 muss in einem Nährwertkasten auf der Rückseite jeder Lebensmittelpackung angegeben werden, wie viele Kalorien eine Milchschnitte oder Tiefkühlpizza enthält, wie viel Fett, Zucker, Salz, Eiweiß und Kohlenhydrate. Solche Inhaltskästen finden sich schon heute auf vielen Produkten.

Gekennzeichnet werden müssen darüber hinaus erstmals auch Lebensmittel-Imitate wie Analogkäse oder Klebe- beziehungsweise Formfleisch - und zwar auf der Vorderseite, direkt neben dem Markennamen. Die Herkunft von Frischfleisch muss zukünftig ebenfalls ausgewiesen werden. Bislang ist diese Ursprungsbezeichnung nur für frisches Rindfleisch obligatorisch. Parlamentsberichterstatterin Renate Sommer (CDU) sprach von einem "ausgewogenen Kompromiss", der den Verbrauchern nun eine bewusste Kaufentscheidung ermögliche.

Doch nicht alle sind mit der Einigung zufrieden. Die Organisation Foodwatch beklagte, dass sich der Vorschlag zu einer sogenannten Ampelkennzeichnung nicht durchsetzen konnte. Dafür hatten sich Verbraucherschützer und Ärzte starkgemacht. Anhand einer grünen, gelben oder roten Kennzeichnung "wären Fett- und Zuckerbomben im Supermarkt selbst für Kinder auf einen Blick zu erkennen gewesen".

"Chance vertan"

Mit dem Kompromiss sei eine Chance vertan worden, bedauerte auch der europäische Verbraucherverband BEUC in Brüssel. Die Neuregelung werde es Kunden nicht ermöglichen, "auf einen Blick das gesündeste Produkt zu wählen". Ebenfalls enttäuscht äußerten sich der Bundesverband der Verbraucherzentralen in Berlin. Nach Angaben von Foodwatch hat sich die Industrie den Kampf gegen schärfere Regeln mehr als eine Milliarde Euro kosten lassen.

Voraussichtlich noch vor Ende des Jahres soll die neue Regelung in Kraft treten. Für die Umsetzung wurden der Lebensmittelindustrie jedoch Fristen von drei bis fünf Jahren eingeräumt.

© suddeutsche.de/dapd/AFP/leja/jobr

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