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Die Recherche:Wie viel Gleichberechtigung brauchen wir noch?

Bei der Diskussion zu Gleichberechtigung wird es schnell persönlich - und hitzig.

(Foto: Collage Jessy Asmus/SZ.de)
  • Thema des aktuellen Projekts Die Recherche ist die Gleichberechtigung heute.
  • Machen Sie mit und berichten Sie von Ihren Erfahrungen mit Diskriminierung.

Von Antonie Rietzschel

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

wussten Sie, dass gerade einmal acht Prozent aller Tatort-Folgen von Frauen gedreht wurden? Dass zwar 50 Prozent aller Studierenden weiblich sind, aber nur elf Prozent der C4-Professuren von Frauen besetzt sind? Fast alle Sprechstundenhelfer(innen?) sind Frauen, Aufsichtsräte dagegen mehrheitlich Männer. Und nur 27 Prozent der Väter nehmen Elternzeit.

Eine nüchterne Bestandsaufnahme war nötig, um schließlich im Rahmen der Recherche die von SZ-Lesern gewählte Frage zu beantworten: "Wie viel Gleichberechtigung brauchen wir noch?" Die Antwort: Es gibt nach wie vor viel zu tun. Wir haben zahlreiche Daten gesammelt, fast alle belegen die Ungleichheit zwischen Mann und Frau. Dazu kommen die vielen Geschichten aus Redaktion und Bekanntenkreis, die zeigten, wie wichtig dieses Thema auch 2016 ist. Und wie persönlich es innerhalb kürzester Zeit wird.

Wir hatten hitzige Themenkonferenzen und heftige Diskussionen in der Mittagspause. Sie drehten sich um sexistische Witze oder um die Geschlechterquoten in den einzelnen Ressorts: In der Gesellschaft arbeitet bei uns nur ein Mann. Im Sport arbeiten gerade einmal zwei Frauen. Frauen berichteten, dass ihnen geraten wurde, aggressiver aufzutreten. Mehr auf den Tisch zu hauen - so wie die männlichen Kollegen. "Ich will so nicht sein", kommentierten einige Frauen den gut gemeinten Rat. Andere setzten ihn um - und bekamen das Label "Zicke". Doch auch Männer sagen: "Ich will so nicht sein." Wohlwissend, dass sie sich damit womöglich den Aufstieg nach oben verbauen. Vertreter beider Geschlechter konnten von Erlebnissen berichten, in denen sie sich diskriminiert fühlten.

Wie sieht das bei Ihnen aus? Wir möchten Ihre persönlichen Erfahrungen wissen, liebe Leserinnen und Leser: vom blöden Spruch im Fitnessstudio, der unangenehmen Berührung auf einer Party. Von der dummen Bemerkung der Kollegen, weil man sich als Mann entscheidet, Elternzeit zu nehmen. Von Vätern, die auf dem Spielplatz schief angeschaut werden. Oder erleben Sie vielleicht etwas ganz anderes?

Wir möchten Erfahrungen von Frauen lesen - und von Männern. Denn Männer sind nicht aus der Diskussion um Gleichberechtigung ausgeschlossen, sie glauben nur manchmal, dass sie sie nicht betreffe. Das ist jedoch falsch. Sie sind Freunde, Lebenspartner, Ehemänner, Väter, Kollegen, Chefs.

Das soll auch unser Hashtag #istgleich ausdrücken. Er stellt die Frage: Ist Gleichberechtigung schon erreicht? Was ist Gleichberechtigung überhaupt? Ist es gleich (also bald) schon so weit, dass wir gleichberechtigt sind? Oder ist Frau gar nicht gleich Mann und es braucht ein ganz anderes Verständnis von Gleichberechtigung?

Posten Sie auf Facebook, twittern Sie oder mailen Sie uns - wir behandeln alle Einsendungen vertraulich und sichern den Beitragenden auf Wunsch Anonymität zu. Ausgewählte Einsendungen werden wir im Rahmen der Recherche auf SZ.de präsentieren.

Unsere Texte zur aktuellen Recherche erscheinen bereits in wenigen Tagen. Viele davon sind sehr persönlich angelegt, weil das Thema allen nahegeht. Nicht nur, wie wir arbeiten, sondern auch wir wir leben, lieben, erziehen und miteinander umgehen.

Daher haben wir für die Recherche unterschiedliche Paare gefragt, wie sie sich die Aufgaben im Alltag einteilen: Machen sie 50:50 oder bleiben sie im traditionellen Rollenmuster - und warum? In einem anderen Text ärgert sich ein männlicher Kollege darüber, dass Frauen sich nach der Schwangerschaft widerstandslos in die traditionelle Rolle drängen lassen. Wir haben Dutzende prominente Männer gefragt, ob sie Feministen sind und uns dabei fast ausschließlich Absagen abgeholt - ein paar haben aber doch mit uns geredet, darunter die Musiker von Fettes Brot und der Politiker Gregor Gysi.

Außerdem beschäftigen wir uns mit der Frage, was die Emanzipation mit der Erotik anstellt, warum weibliche Emojis Krönchen tragen und ob Frauen über sexistische Witze lachen dürfen.

Wir freuen uns über Ihr Interesse und Ihre rege Beteiligung

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Ihre Antonie Rietzschel, Die Recherche

© SZ.de/bavo/jobr

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