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Barack und Michelle Obama:"Ehe ist Arbeit"

Sie gelten als Traumpaar - doch hinter der perfekten Fassade kracht es bisweilen gewaltig: Ungewöhnlich offen bekennen US-Präsident Obama und seine Frau Krisen und Opfer in ihrer Ehe.

Ihre Antwort fällt, jedenfalls für eine First Lady der Vereinigten Staaten, nicht eben standesgemäß aus: "Mmphf." Kein Wort, nur dieses kurze, rebellische Schnauben - das ist die ganze, sehr spontane (und wohl recht ehrliche) Replik der Michelle Obama auf die Frage, ob eine wirklich gleichberechtigte Partnerschaft denn überhaupt möglich ist, wenn frau mit dem mächtigsten Mann der Welt verheiratet ist.

Barack; Michelle; Obama; dpa

Barack und Michelle Obama sind ein globales Glamourpaar - in einem Interview haben sie jetzt jedoch zugegeben, dass es auch in der Ehe des "First Couples" ab und zu ordentlich kracht.

(Foto: Foto: dpa)

"Mmphf"? Das kann, das darf Barack Obama nicht so stehen lassen. Er mischt sich ein: "Na, ich will hier vorsichtig sein ..." Obama tastet sich voran, findet sein rettendes Ufer in einem Scherz: "Meine Mitarbeiter jedenfalls besorgt weit mehr, was die First Lady denkt, als das, was ich denke."

Das globale Traumpaar auf der Couch

Ja, da haben sie alle lachen müssen im Oval Office: Die Obamas, die anonymen Zuhörer im Hintergrund, und auch Jodi Kantor, die Starreporterin der New York Times, deren endlos lange und sehr exklusive Anamnese des präsidentiellen Ehelebens nun (samt Tonbandmitschnitten im Internet) im Wochenendmagazin der New York Times erschienen ist.

So direkt, so halbwegs offen hat sich noch nie ein amerikanisches "First Couple" den Fragen nach ihrem Privatleben gestellt. Michelle und Barack, das globale Traumpaar, nimmt Platz auf der Couch. Wortreich legen sie Zeugnis ab über frühere Krisen - und vielsagend schweigen sie auf Fragen, wie knapp sie einst einer Trennung entkamen.

Das war Ende der neunziger Jahre. Damals begann Barack Obamas politische Karriere im Parlament des Bundesstaates Illinois. Er war ständig unterwegs, während Michelle daheim in ihrem engen Appartement allein die Balance zwischen eigenem Job und der Betreuung von Tochter Malia finden musste. Das Geld war knapp, es krachte, wie bei so vielen jungen Eltern.

"Es zerreißt mich"

Damals, so erinnert der jetzige Präsident im Interview, sei seine Frau ihn etwa so angegangen: "Du bist ständig weg, und wir sind pleite - ist das ein fairer Handel?" Einer Freundin offenbarte Michelle in jenen Tagen auf der Parkbank eines Kinderspielplatzes, sie sehe "die Zeit kommen, da ich mich entscheiden muss - es zerreißt mich".

Wie nah also war die Scheidung? Da beschwichtigt er: Nein, da würde man "zu viel hineinlesen," sagt Barack, "aber ich will nicht so tun, als wären das keine harten Zeiten gewesen für uns". Und, haben die Obamas sich einer Eheberatung gestellt? Michelle schweigt, signalisiert mit sehr ernstem Blick, dass bitteschön er sich dieser Frage annehmen solle. "Wissen Sie - ich meine, ich denke, dass es für uns wichtig war, dass wir das verarbeitet haben." Kurze Pause, dann legt Obama nach: "Es gab keinen Punkt, an dem ich Angst hatte um unsere Ehe."

Nicht alles, was die New York Times in ihrer Analyse von Amerikas erstem Ehepaar anspricht, ist völlig neu. Dass Michelle Obama jahrelang damit zu kämpfen hatte, ihren Mann mit der Öffentlichkeit zu teilen und gleichzeitig ihre eigenen Karriere wieder und wieder zurück zu stellen, ist seit Jahren bekannt. Wie zum Ausgleich hatte sie darüber gespottet, dass ihr Barack kein Gott, sondern auch nur ein Mensch sei.

Dann jedoch geriet sie, inzwischen selbst ein Star an seiner Seite, unter Beschuss für die saloppe Bemerkung, sie sei "zum ersten Mal in meinem erwachsenen Leben stolz auf mein Land". Fortan modellierten die PR-Berater sie zur treuen und schönen Gattin. In der öffentlichen Inszenierung verdrängten die liebende Mutter und die zärtliche Gefährtin das Bild von der intelligenten, bisweilen recht scharfzüngigen Partnerin.

Keine Perfektion

Und es scheint, als habe Michelle Obama mit dieser Rolle inzwischen ihren Frieden gemacht. Ja, sie will sogar, dass andere von ihren Erfahrungen lernen. Nur deshalb hat sie ja eingewilligt ins scheintherapeutische Gespräch mit der Times: "Wenn das Auf und Ab unserer Ehe helfen kann, dass junge Paare irgendwie begreifen, dass eine gute Ehe Arbeit verlangt ..." Michelle vollendet den Satz nicht. Sie holt Luft, fängt von vorn an: Nein, sie wolle nicht so tun, als sei ihre Ehe ohne Macken und Fehler - "es wäre schlicht unfair gegenüber jungen Leuten, die selbst etwas aufbauen wollen, den Eindruck einer Perfektion zu wecken, die es nicht gibt."

Ende gut, alles gut? Die Obamas bezeugen im Interview, nie sei es ihrer Familie so gut gegangen wie nun im Weißen Haus. Der Papa arbeitet jetzt von zu Hause aus, im ovalen Büro nebenan im Erdgeschoss. Das Weiße Haus samt Garten und Zaun sei ihnen eine Art Kokon geworden - wenn auch Michelle gesteht, sie könne noch immer nicht fassen, dass Barack da im Oval Office sitze: "Was machst du denn da, geh da weg!" wolle sie ihm dann zurufen.

Auf die Frage nach der Gleichberechtigung antwortet Michelle schließlich mehr als nur "Mmphf". Ja, sie habe zurückgesteckt: "Es waren Baracks Karriereentscheidungen, nicht meine," sagt sie. Aber in der Familie, so versichert sie, gehe es gleicher zu. Soll heißen: Privat mühen sich die Obamas um mehr Moderne, als es Amerikas höchstes Amt erlaubt.

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