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Zum Tod von Dino De Laurentiis:150 Filme und ein Fehler

Wenn es gut lief, suchte er sich größere Ziele, wenn es schlecht lief auch: Zum Tod von Dino De Laurentiis, der in den 50ern Federico Fellinis "La Strada" und später die Hannibal-Lecter-Filme produzierte.

S. Vahabzadeh

Der ideale Filmproduzent ist einer, der sich nicht der Kunst verschrieben hat und nicht dem Kommerz, sondern alle Arten von Kino gleichermaßen liebt und fördert. Dino De Laurentiis, geboren 1919 als Sohn eines Nudelherstellers in Kampanien, war so einer - er fühlte sich vom Neorealismus bis zu King Kong für alles zuständig. Manches davon - sein "King Kong"-Remake von 1976 beispielsweise, mit Jessica Lange, ging grandios daneben, aber De Laurentiis war furchtlos. Wenn es gut lief, suchte er sich neue, noch größere Herausforderungen, und wenn es schlecht lief - dann auch.

Für Fellinis "La Strada" gewann er den Oscar, später produizierte er "Conan der Barbar" und begründete damit die Karriere von Arnold Schwarzenegger: Am Donnerstag ist Dino De Laurentiis im Alter von 91 Jahren in Beverly Hills gestorben.

(Foto: AFP)

"Wenn man in einer Provinzstadt wie Torre Annunziata lebte, wo es nichts gab was man abends tun konnte, außer mit Freunden ins Kino gehen, wird das Kino zur Fantasiewelt. Ich war schon immer ins Kino verliebt", erinnerte er sich später. Mit 17 Jahren ging Dino De Laurentiis nach Rom, studierte dort kurz an einer Filmhochschule und nahm ansonsten jeden Job rund ums Kino an, den er bekommen konnte, hinter der Kamera, aber manchmal auch als Schauspieler. Schon mit Anfang zwanzig wurde er Produzent, doch der Krieg, seine Zeit als Soldat, bremsten ihn ein wenig aus.

1946 gründete er seine eigene Filmfirma und produzierte Giuseppe de Santis' "Bitterer Reis" (1949). Der Film wurde ein Klassiker des italienischen Neorealismus und für Laurentiis in jeder Hinsicht schicksalhaft. Fortan war er einer der wichtigsten Produzenten Italiens, und mit seiner Hauptdarstellerin Silvana Mangano blieb er bis zu deren Tod 1989 verheiratet. In den fünfziger Jahren tat sich De Laurentiis mit Carlo Ponti zusammen Sie arbeiteten mit Federico Fellini, brachten dessen ersten großen Erfolg "La Strada" (1954) heraus - für den Ponti und Di Laurentiis einen Oscar bekamen -, und Robert Rossellinis "Europa 1951" (1952, mit Ingrid Bergman").

Nebenher entstanden große Epen. Mario Camerinis "Die Fahrten des Odysseus" (1954) etwa, und vor allem King Vidors "Krieg und Frieden" (1956), mit großer internationaler Besetzung - Audrey Hepburn und Henry Fonda - und großem internationalen Erfolg. Es hat Dino De Laurentiis aber nicht wohl nicht genügt, damit das amerikanische Kino erreicht zu haben. Er gründete ein eigenes Studio, die "Dinocitta" - und ging damit baden."Mein einziger Fehler", sagte De Laurentiis später.

Er hat sich davon nicht aus dem Konzept bringen lassen und ging nach Amerika, trotz sehr überschaubarer Englischkenntnisse, und fing noch mal von vorne an. Allerdings gleich mit einen Klassiker des Polizeifilms, "Serpico", mit Al Pacino, mit dem unvergleichlich düsteren Agentenfilm "Die drei Tage des Condor" von Sydney Pollack und mit Ingmar Bergmanns "Schlangenei". Er begründete die Karriere von Arnold Schwarzenegger mit "Conan der Barbar" und beförderte die von David Lynch mit "Dune", er produzierte die Hannibal-Lecter-Filme - mehr als 150 Filme insgesamt. 2001 verlieh ihm die Academy den Irving-Thalberg-Award für sein Lebenswerk, 2003 ehrte ihn das Filmfestival in Venedig. Am Donnerstag ist Dino De Laurentiis im Alter von 91 Jahren in Beverly Hills gestorben.

© SZ vom 12.11.2010/kar

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