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Zum Tod von Charles Manson:Mehr spirituelle Ikone als Musiker

Inspiriert von Gut und Böse: Marilyn Manson

(Foto: Public Address Presseagentur)

Diese Faszination hatte grausame Auswirkungen. Am bekanntesten sind die Morde, die der Sektenführer seinen Jüngern 1969 befahl. Unter den Opfern waren unter anderem die hochschwangere Sharon Tate, die mit dem Regisseur Roman Polanski verlobt war, sowie das Kaufmanns-Ehepaar Leno und Rosemary LaBianca. Auf Tate stachen Mansons Anhänger unzählige Male ein und hinterließen an den Tatorten Botschaften mit dem Blut ihrer Opfer (mit Tates Blut schrieben sie etwa "Pigs" an die Tür).

Verstörend wirkt außerdem, dass die Mörder eben keine ausgemachten Kriminellen waren, sondern Blumenkinder, die ihrem Übervater Manson im Drogenrausch blind folgten. Auf diese Weise brachte Manson die Sixties zu einem bitteren Ende und wurde zu einer düsteren Ikone der Gegenkultur. Verstörend, für manche aber trotzdem faszinierend. Staatsanwalt Bugliosi, der die Anklage im Tate-LaBianca-Mordprozess vertrat, sagte einmal, bezogen auf Manson und alle möglichen moralisch verwerflichen Gruppen Amerikas: "Er ist ihre spirituelle Ikone, der Hohepriester des Anti-Establishment-Hasses."

1970 wurde Mansons Todesurteil und das seiner Mitangeklagten in lebenslängliche Haft umgewandelt. Im selben Jahr kam Mansons erstes Album "LIE" heraus. Abgesehen von den Beach Boys veröffentlichten auch andere Bands seine Songs. Und obwohl Manson wegen Mordes verurteilt worden war, spielten Guns n' Roses 1993 "Look at your Game Girl", die Lemonheads und Devendra Banhart coverten seine Songs. Auf andere Art hielten U2 den Manson-Mythos lebendig: Sie coverten "Helter Skelter" auf ihrer Platte "Rattle and hum" und Bono führte das mit den Worten ein: "Diesen Song hat Charles Manson von den Beatles geklaut. Wir klauen ihn zurück."

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Staatsanwalt Bugliosi war 1974 der erste, der Mansons Geschichte aufgriff und in einem Buch veröffentlichte. "Helter Skelter" verkaufte sich bis heute mehr als sieben Millionen Mal und war Vorlage für mehrere Filme und TV-Dokumentationen. Insgesamt gibt es mehr als 30 Bücher über Charles Manson, aber auch Musicals, Theaterstücke oder Ausstellungen. Die britische Popband Kasabian benannte sich nach Linda Kasabian, der Fahrerin des Fluchtautos der Tate-Mörder. In der TV-Serie Acquarius versucht David Duchovny, die Manson-Morde aufzuklären. Und Emma Clines Romandebüt "The Girls" spielt auf Mansons Anhängerinnen an und stellt die Frage, wie Frauen sich scheinbar freiwillig als Sklavinnen unterwerfen und zu Mörderinnen werden können. Zentraler Satz: "Und wir hatten alle genickt wie die Golden Retriever".

Der offensichtlichste Verweis steckt aber im Künstlernamen von Bryan Hugh Warner. Als Marilyn Manson will der US-Sänger das Gute mit dem Bösen vereinen: Marilyn Monroe und Charles Manson.