Nichts Neues:Märchenbuch

Lesezeit: 1 min

Nichts neues

Innenleben, öffentliche Fassung: Die Biografie von Zsa Zsa Gabor.

(Foto: N.Y. Delacorte Press)

Meine 500 besten Männer: Zsa Zsa Gabors frei erfundene Biografie "One Lifetime Is Not Enough".

Von Johanna Adorján

Es ist etwas sehr Elegantes an Menschen, die andere nicht damit behelligen, wie sie wirklich sind oder wie es ihnen in Wahrheit geht. Die sich für ihre Zeitgenossen Mühe geben und sich zusammenreißen, anstatt sich Reportern gegenüber zu offenbaren oder ausgerechnet in Talkshows ihr Innerstes zur Schau zu stellen. Ganz weit vorn in dieser Disziplin: Zsa Zsa Gabor. Sie hat die Rolle, die sie der Öffentlichkeit von sich präsentieren wollte, die der diamantenbehängten Blondine, die nichts ernst nimmt, am allerwenigsten sich selbst, bis zu ihrem Tod 2016 im Alter von 99 Jahren eisenhart durchgezogen.

Geboren wurde sie 1917 in Budapest. Als ihre Autobiografie "Zsa Zsa Gabor - One Lifetime Is Not Enough" erschien, 1991, war sie bereits in ihr Spätfach als Frau von Frédéric von Anhalt gewechselt und tauchte in der Öffentlichkeit höchstens noch als alternde Witzfigur auf, die zum Beispiel mal einen Polizisten ohrfeigte und dafür drei Tage ins Gefängnis kam. Es war nicht ihr glanzvollstes Lebensdrittel.

Sie war Schauspielerin gewesen, aber bekannt wurde und blieb sie dafür, Zsa Zsa Gabor zu sein. Wozu auch gehörte, One-Liner rauszuhauen, für die Blondinenwitzbücher töten würden. "Ich weiß nichts über Sex, weil ich immer verheiratet war." "Es hat keinen Sinn, mit Männern zu streiten. Sie haben ja doch immer Unrecht." "Wie viele Ehemänner ich hatte? Sie meinen, außer meinen eigenen?"

Gabor war, je nach Zählweise, acht oder neun Mal verheiratet. Mit jedem weiteren Mann, der ihr je begegnete, hatte sie, glaubt man ihrem Buch, eine Affäre oder wenigstens einen Flirt. Es wäre allerdings ein Fehler, ihrem Buch irgendetwas zu glauben. Nichts darin stimmt. Beziehungsweise: alles, aber eben nur für ihre angenommene Rolle. Das Buch ist, ehrlich gesagt, ziemlich uninteressant. Ein Märchen. Nicht mal ihre jüdische Herkunft erwähnt sie, dabei wurden viele Verwandte von ihr im Holocaust ermordet, sogar ihre Großeltern. Aber eines wollte Zsa Zsa Gabor eben auf keinen Fall sein: Opfer. Eine altmodische Haltung, kennt man heute gar nicht mehr. Aber es hatte eine enorme Power.

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