bedeckt München 21°

Verfilmung: Fantastic Mr. Fox:Heile Welt in Stücken

Roald Dahl ist seit 20 Jahren tot, doch seine oft grausamen Geschichten haben ihn unsterblich gemacht. Jetzt kommt sein Kinderbuch Fantastic Mr. Fox ins Kino. Ein Besuch bei seiner Witwe.

Der Weg zur Arbeit führte ihn jeden Morgen in sein Verlies. Unter einer Reihe von Obstbäumen, anfangs nur dürre, frisch gepflanzte Bäumchen, schritt Roald Dahl über Steinplatten in seine Schreibzelle.

Der fantastische Mr. Fox, Verleih

Jahrelang hatte sich Regisseur Wes Anderson um die Rechte an "Fantastic Mr. Fox" bemüht, doch seine Witwe sagte: "No!". Jetzt endlich kommt die Geschichte als Animationsfilm ins Kino.

(Foto: Foto: Verleih)

Es war Schlag acht Uhr in der Früh. Er brauchte nur zwanzig, vielleicht dreißig Schritte zu gehen, um von der gelben Haustür ans Ziel zu gelangen, das genügte: Der Schriftsteller Roald Dahl hatte vom allerhübschesten Gartenengland in das beschwerlich zu bereisende Land seiner überraschenden Phantasien übergesetzt. Er hatte sein Bilderbuchwohnhaus verlassen und war in einem kleinen, weißgekalkten, innen schäbig und bestimmt nicht zum Verweilen ladenden Ziegelsteingemäuer verschwunden. Hier schrieb er bis 12 Uhr mittags. Dann war Feierabend. Und Roald Dahl schritt über den Kiesweg zurück ins gepflegte englische Landherrenleben.

Roald Dahl ist seit 20 Jahren tot. Aber er hat geschafft, was nicht vielen Schriftstellern vergönnt ist: Er hat sich mit nur einem Buch unsterblich gemacht: "Küsschen, Küsschen" hat auch in Deutschland Millionen Leser amüsiert und erschrocken zusammenzucken lassen. Der vermeintlich typisch englische schwarze Humor stammte aus der Feder eines Mannes, dessen Eltern Norweger waren und in Wales lebten.

Dieser Roald Dahl war als junger Mann Abenteuern nicht abgeneigt gewesen. Statt zu studieren, ging er für Shell Oil Company nach Tansania. Im Zweiten Weltkrieg flog er zunächst Kampfflugzeuge. Er stürzte ab und überlebte nur mit Glück. Später arbeitete er als Agent für den britischen Geheimdienst. Alles andere als ein Stubenhocker, sollte man meinen.

Garstige Kurzgeschichten

Doch schon während des Krieges begann Dahl Kurzgeschichten zu schreiben. Neben den berühmten makabren Erzählungen mit dem oft so bitterbösen, überraschenden Ausgang verfasste er vor allem Kinderbücher, die im Angelsächsischen noch berühmter wurden als seine garstigen Kurzgeschichten. "Hexen hexen" und "Charlie und die Schokoladenfabrik" wurden in Hollywood zur Freude vieler Kinofans verfilmt.

Ausgerechnet "Fantastic Mr Fox", eines seiner in Amerika und England beliebtesten Kinderbücher, hatten die Produzenten und Drehbuchautoren nie angerührt. Aber nicht, weil sie nicht gewollt hätten. Warum das lange so war, erklärt der blasse junge Mann, mit dem mittellangen, glatten Haar, der gerade Felicitas Dahls Wohnzimmer betreten hat und bei dessen schmaler Gestalt man immer an ein englisches Internat und nie an seine Heimat Texas denken muss: Der amerikanische Filmregisseur Wes Anderson erzählt, dass er mehr als zehn Jahre versucht habe, die Rechte für Mr Fox zu erwerben. Schließlich sei es sein erstes Kinderbuch gewesen und immer sein liebstes. Aber stets habe die Antwort "No!" gelautet.

Liebevoll altmodisch, hintergründig ironisch

Da lächelt Felicitas Dahl, die 20 Jahre jüngere Witwe Roald Dahls, und erklärt in einem Wohnzimmer, durch dessen Sprossenfenster der Blick auf das Anwesen geht: "Er hat mich immer wieder gefragt und nicht locker gelassen. Er ist sogar extra hierhergekommen. Das hat mich schließlich überzeugt."

"Fantastic Mr Fox" kommt nun als Animationsfilm auch in Deutschland in die Kinos. Wes Anderson hat aus der Geschichte um einen Fuchs, der sich gegen mächtige englische Farmer wehrt, die ihn endgültig zur Strecke bringen wollen, indem er einfach einen Tunnel zu ihren Vorratskellern baut und sie hemmungslos beklaut, einen liebevoll altmodischen wie hintergründig-ironischen Puppenfilm gemacht. George Clooney, der "Mr Fox" im Original seine Stimme geliehen hat, sagte beim Londoner Filmfest, er wisse immer noch nicht, ob dies nun ein Film für Kinder oder einer für Erwachsene geworden sei. Womit der Zauber von Andersons erstem Animationsfilm eigentlich schon ziemlich gut in Worte gefasst ist.

Lesen Sie auf der nächsten Seite, wie Roald Dahl die Schläge seiner Kindheit verarbeitet.

Oscars 2010

Im Schattenkabinett