Uraufführung von Gerhard Polts "Und Äktschn!" Kraft der Mittelmäßigkeit

Gerhard Polt bringt einen neuen Film in die Kinos: "Und Äktschn!"

Gerhard Polts neuer Film "Und Äktschn!" ist in Wien vorgestellt worden. Die Geschichte eines Bayern, der das Privatleben Hitlers verfilmen will, ist ein Liebhaberstück für Cineasten. Doch wer mit Polt noch nie viel anfangen konnte, wird es jetzt auch nicht können.

Von Cathrin Kahlweit, Wien

Gerhard Polt scheint an diesem Abend vor allem an Leberkäse interessiert zu sein. Vor der Welturaufführung seines neuen Films spricht er vom Leberkas, nach der Welturaufführung seines neuen Films spricht er vom Leberkas, und als er dann auch noch gemeinsam mit den Well-Brüdern etwas Musikalisches zum besten geben soll, endet sein Ständchen mit dem Wort: . . . genau.

Kein Wunder: Sein neuer Film, "Und Äktschn!", der am Dienstagabend im Gartenbaukino in Wien Premiere hatte (und am 6. Februar in die deutschen Kinos kommt), ist ein kraftraubendes Opus. Ein Liebhaberstück für Cineasten und Nostalgiker. Wer mit Polt noch nie viel anfangen konnte, wird es jetzt auch nicht können.

Dabei war das letzte große Einsaalkino der österreichischen Hauptstadt, in dem sich die lokale Kino-Gemeinde traf, voll mit erwartungsvollen Polt-Fans, Polt-Mitspielern und Polt-Zuarbeitern; eine Poltiade sozusagen, die mit dem enthusiastischen Ruf der Moderatorin begann: "Hier ist er, the one and only Gerhard Polt". Der Abend endete dann jedoch mit einer gewissen Müdigkeit. "Mh", sagte einer nach dem Abspann, "naja" der nächste, "war doch ganz nett" der dritte. Zu retten war die Stimmung dann aber durch Bier und Leberkas; beides bereitgestellt von Sponsoren. Aber das hatten wir ja schon.

Zersiedelte, winterfade Kulisse

Polt spielt den Hobbyfilmer Hans Pospiech, der das Privatleben von Adolf Hitler verfilmen will. Denn die örtliche Sparkasse, bei der er in der Kreide steht, hat einen Filmpreis ausgeschrieben. Den soll er, das steht schon vorher fest, gewinnen und damit seine Schulden bezahlen, während sich die Sparkasse mit Kultursponsoring schmückt. Pospiech dreht nur mit Laien, mit der Kneipenwirtin, in die er verknallt ist, mit seinem Freund, dem Musikalienhändler, mit seinem Neffen. Damit ist der Plot weitgehend beschrieben.

Der Autor und Hauptdarsteller erklärt die etwas disparate Geschichte, die hauptsächlich vor der zersiedelten, winterfaden Kulisse einer betonmodernisierten bayerischen Provinzstadt spielt, als Ode an die "Kraft der Mittelmäßigkeit". In einem Zeit-Interview sagte er, er möge Gestalten, die Opfer ihrer selbst sind und nicht über ihre Grenzen hinauskommen. Auch Hitler sei auf seine Art ein Amateur und Dilettant gewesen sei. Eine Figur jedenfalls, der man mit einer Amateurgruppe wie in seinem Film vielleicht näher komme als in anderen Filmen. Das ist wahrscheinlich gut überlegt, und auch sehr poltisch, wie der ganze Film ungeheuer poltisch ist - entschleunigt, wortwitzig, skurril. Aber eben auch ein wenig mühsam, obwohl grandiose Nicht-Dilettanten wie Gisela Schneeberger, Maximilian Brückner oder Michael Ostrowski mitspielen.

Im quasi schon historischen Gartenbaukino am Park-Ring, wo sich die prächtigen Fassaden einer glanzvollen Zeit reihen, war manch einer schockiert über die traurige Ästhetik, mit der "Und Äktschn!" bewusst inszeniert ist. Und sehr froh darüber, hinterher auf der Premierenfeier, in edlem und heiterem Ambiente, Gerhard Polt und seiner Mannschaft sagen zu dürfen, was für ein großartiges Werk ihm da gelungen sei. Darin sind die Wiener Profis.