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Umstrittener Friedenssong:Todenhöfer und Naidoo - gefährliche Weltinterpreten

Zwei, die sich gefunden haben: Jürgen Todenhöfer und Xavier Naidoo

(Foto: dpa)

Der Sänger und der Journalist bieten einfache Lösungen für komplexe Probleme. Was nicht ins Weltbild passt, wird mit einer Verschwörungstheorie erklärt.

Kommentar von Johannes Boie

Da haben sich zwei gefunden. Jürgen Todenhöfer veröffentlicht auf seiner Facebook-Seite ein Lied von Xavier Naidoo, es heißt "Nie mehr Krieg." Der Song ist nichts anderes als eine Verharmlosung des Leides, das Juden während der Nazidiktatur in Deutschland erleiden mussten. In dem Liedtext des schon seit Jahren umstrittenen Sängers heißt es in Bezug auf Muslime in Europa, sie "tragen den neuen Judenstern".

Selbst wenn man bedenkt, dass Muslime wie auch Juden heutzutage Opfer von Diskriminierung werden können, ist der Vergleich grotesk. Muslime werden in Europa nicht staatlich verfolgt. Im Gegenteil: Nach Attentaten, die Terroristen mit dem Islam begründen, werden die Religion und ihre Anhänger regelmäßig von einer breiten Öffentlichkeit und zahlreichen Politikern laut verteidigt. Aber Fakten interessieren dieses Duo nicht.

Mit Todenhöfer und Naidoo wächst zusammen, was zusammen gehört. Vor vielen Jahren war Todenhöfer mal Burda-Manager und CDU-Bundestagsabgeordneter. Seit bald 15 Jahren kennt man ihn nur noch als Gallionsfigur einer selbsternannten Friedensbewegung, die selbst im brutalsten IS-Terroristen ein Opfer sieht, und zwar in aller Regel ein Opfer eines wie auch immer gearteten westlichen Imperialismus. Von da ist es nicht weit zu Xavier Naidoo, der im politik- und wirtschaftskritischen Song "Raus aus dem Reichstag" von einem Baron Totschild singt - in Anspielung auf die jüdische Familie Rothschild. Und der in Interviews sagt, Deutschland sei "immer noch ein besetztes Land".

Als wäre die Meinungsfreiheit abgeschafft worden

Beiden gemein ist, dass sie einfache Lösungen für komplexe Probleme anbieten. Vielen Menschen gefällt das. Das Lied wurde innerhalb weniger Stunden zwei Millionen Mal angehört. Was nicht ins Weltbild passt, wird mit einer Verschwörungstheorie erklärt. "Nie mehr Krieg, nie mehr Krieg, wenn wir das nicht mehr sagen dürfen, dann läuft doch etwas schief", trällert Naidoo - als wäre die Meinungsfreiheit abgeschafft worden.

Das Gegenteil ist der Fall. Selbst Typen wie Naidoo und Todenhöfer dürfen sich weiterhin zu Wort melden.

© SZ.de/jobr/dd
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