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TV: "Wo ist die Mauer?":"Big Mauerstücken"

Eine Arte-Dokumentation fragt "Wo ist die Mauer?" - und findet kuriose Antworten in aller Welt.

Wer weiß schon, dass vor dem CIA-Sitz in Washington D.C. drei Originalstücke der Berliner Mauer stehen, die das Graffito "And the wind cries freedom" ziert? Wer hätte gedacht, dass eine Firma, die im japanischen Nagasaki Gondeln für den Hochhausbau herstellt, ein Mauerelement in der Eingangshalle platziert hat - "als Symbol für unsere Arbeit, in der es darum geht, Wände zu überwinden"? Oder dass ein polnischer Sammler in der Ortschaft Sosnówka über 40 Mauersegmente auf großflächigem Arreal als "Teil der Weltgeschichte" bewahrt?

Patrice Lux handelt mit Mauersegmenten.

(Foto: Foto: Stefan Pannen/ZDF)

Der Dokumentarfilm "Wo ist die Mauer?" von Elke Sasse und Stefan Pannen hat solche kuriosen Informationen zuhauf zu bieten. Unter dem titelgebenden Motto haben sich die Autoren mit immensem Fleiß auf die Suche nach Mauergeschichten aller Art begeben. Zum einen, indem sie nachschauten, was in der Hauptstadt jetzt dort passiert, wo vor 20 Jahren der Grenzstreifen verlief. Zum anderen, indem sie fragten: Was ist mit den Betonelementen passiert, wer riss sie ab, und wer hatte sie eigentlich produziert?

Sie treffen den ehemaligen Leiter des Herstellerbetriebs der Elemente, die ursprünglich für Gärfuttersilos in Landwirtschaftsbetrieben entwickelt wurden. Traurig präsentiert der Mann das brachliegende Betonwerk in Mecklenburg-Vorpommern, in dem er 23 Jahre lang gearbeitet hat. Aber auch ein bayerischer Abbruchunternehmer, der "immer schon" davon geträumt hatte, die Mauer abzureißen, und dann große Teile davon tatsächlich zu Schotterersatz zerschreddern durfte, wird besucht. Auch der Bundeswehrgeneral a. D., der seinerzeit den "Mauerabbau" leitete, kommt zu Wort.

Ein wenig wird die Fülle des Materials zum Problem des 90-Minüters - zumal dem Film eine echte Struktur fehlt. Die Idee, einen japanischen Fotografen, der in den 80ern als Student in Berlin über 2000 Mauerbilder schoss und nun zurückkehrt, als eine Art Führer durch die Episoden einzusetzen, geht nicht auf. Zu kurz sind seine Auftritte, mit zu vielen Porträtierten hat er nichts zu tun. Zudem hatten die Autoren keine ganz glückliche Hand bei der Gewichtung des Materials. Ausgerechnet einen großsprecherischen Devotionalienhändler, der nach eigenen Angaben unter anderem "big Mauerstücken" verkauft, begleiten sie besonders ausführlich - schließlich bis nach Las Vegas, wo er in der Toilette eines Kasinos symbolisch auf "The Berlin Wall" pinkelt und dem von ihm verehrten Popstar Cher ein Mauerstückchen überreicht.

Im Übrigen wäre bei dem ein oder anderen Geschäftemacher, Geschichtsdeuter oder selbsternannten Mauerkünstler ein sanft-ironischer Kommentar nicht schädlich gewesen. Ein ungewöhnliches und erstaunlich international schillerndes Kaleidoskop ist der Film dennoch.

"Wo ist die Mauer?", 19. Oktober, 23.30 Uhr, Arte