Türkische Chronik (XVII) Generalstabschef Akar zeigt sich auffällig gelassen

Ein anderes erstaunliches Detail ist, dass Generalstabschef Akar einfach in seinem Büro sitzen bleibt. Er ordnet ein Flugverbot für das Militär an, informiert aber nicht die gesamte Militärführung des Landes. Er bleibt merkwürdig gelassen, obwohl er keine Rückmeldung vom Kommandeur der Bodentruppen erhält, den er zum Akıncı-Flughafen geschickt hat.

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Aus heutiger Sicht sieht es so aus, als ziehe er in dieser Situation nicht die richtigen Schlüsse. Er interpretiert die Pläne für ein Attentat auf Fıdan nicht als ernstzunehmende Bedrohung der nationalen Sicherheit und rechnet nicht mit der Möglichkeit eines Putsches.

Um 20.30 Uhr wird er von putschistischen Einheiten selbst als Geisel genommen. Zwei hochrangige Luftwaffengeneräle werden um 23 Uhr auf einer Hochzeit verhaftet. Das Chaos trifft sie scheinbar völlig ahnungslos.

Es scheint, als habe Akar damals seine Urteilskraft verloren - oder es gab ein anderes Motiv. Wussten Erdoğan und die Armee bereits, dass etwas brodelte? Der Journalist Fehmi Koru wies vor einer Woche auf zwei Texte des regierungsnahen und "gut informierten" Kolumnisten Fuat Uğur hin, die im April in der Zeitung Turkiye Daily erschienen.

Uğur behauptete darin, dass prominente Gülenisten sich im Frühjahr in Ankara versammelt und mit einigen Offizieren einen Coup geplant hatten. Er schloss den Text mit einer Warnung an diese Gruppe: "Der Staat und die Armeeführung wissen über alles Bescheid, was ihr tut. Sie sind vorbereitet auf das Verbrechen, das ihr begehen wollt."

Bei einem Prozessauftakt gegen 60 Offiziere, die sich während des Putsches am Angriff auf den Flughafen Istanbul-Sabiha Gökçen beteiligten, sagte der Staatsanwalt, dass sich heimlich die Putschisten vom 12. Juli bis in den frühen Morgen des 14. Juli in einer großen Istanbuler Kaserne versammelt hätten. Dieses Treffen dauerte 54 Stunden! Ist es wirklich möglich, dass die Armeeführung von Treffen, die so extrem lange dauern, nichts erfahren hätte? Schöpfte da niemand einen Verdacht?

Die AKP will Erdoğan nicht vor dem Parlamentsausschuss aussagen lassen

Verteidigungsminister Fikri Işik fragte vor einigen Tagen: "Wie kommt es, dass 150 Generäle einen Putsch planen und die Armeezentrale merkt davon nichts? Wir können uns nicht damit begnügen, einem einzelnen Stabschef die Schuld zu geben." Unklar ist auch die Rolle der Nato. Erfuhren sie trotz all ihrer geballten nachrichtendienstlichen Kompetenz nichts von den klandestinen Umtrieben in der türkischen Armee?

Der Parlamentsausschuss verweigerte bislang die Forderung der Opposition, dass die drei Schlüsselfiguren der Putschnacht, Präsident Erdoğan, Generalstabschef Hulusi Akar und der Chef des Nachrichtendienstes Hakan Fıdan vor dem Ausschuss aussagen. Die Mitglieder des Ausschusses, die die AKP stellt, stimmen stets dagegen.

Klar wird, dass sowohl Akar als auch Fıdan an diesem Tag nicht ihrer Verantwortung nachgekommen sind. Sie verpassten es, den Staatsapparat zu informieren. Seltsamerweise sind sie immer noch im Amt. Wie kommt es, dass so viel darauf hinweist, dass der Putsch antizipierbar gewesen wäre? Der Nebel um die Ereignisse des 15. Juli bleibt dicht.

Türkisches Tagebuch